Kasachstan : Zwischen Bär und Drache

Kasachstan
Zwischen Bär und Drache

Kasachstan ist Gastgeber der Syriengesprächen, hier findet in in diesem Jahr die Expo statt, zudem ist das Land ein wichtiger Öllieferant für Europa. Doch in einer geopolitischen Sandwich-Position sucht es seinen Platz.
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AstanaIn der Hauptstadt Kasachstan beraten Russland, die Türkei und Iran derzeit über Lösungen für Syrien. Zugleich findet in dem zentralasiatischen Transformationsland mit seinen 17 Millionen Einwohnern und  121 Nationalitäten in diesem Sommer die Expo statt. Der neuntgrößte Staat der Erde, dessen Landfläche zu 5,4 Prozent dem äußersten Osteuropa zugerechnet wird, versteht sich trotz seiner engen Beziehungen zu Russland als Brücke zwischen Zentralasien und der EU. „Wir lächeln in alle Richtungen“, beschreibt Außenminister Idrissow die heikle geopolitische Sandwich-Position seines Staates.

Zwischen dem russischen Bären und dem chinesischen Drachen: Mit Russland verbindet Kasachstan neben der wechselvollen gemeinsamen Tradition, der Umgangssprache und 22 Prozent ethnischen Russen die mit 7.000 Kilometern zweitlängste Landesgrenze der Welt. Der südliche Nachbar China hingegen ist den meisten Kasachen, gelinde gesagt, unheimlich: Das Reich der Mitte mit seinem Expansionsdrang und seinem Großprojekt der „Neuen Seidenstraße“ wird zwar von der Regierung in Astana als Perspektive für wirtschaftliches Wachstum gepriesen. Die Bevölkerung aber empfindet den ökonomischen Vormarsch der chinesischen Nachbarn eher als Bedrohung: Als Staatspräsident Nursultan Nasarbajew im Februar 2016 eine Landreform durchsetzen wollte, die ausländischen Investoren über 25 Jahre das Recht auf Pachtbesitz zusichern sollte, kam es zu Massenprotesten: „Nieder mit den Chinesen, Kasachstan den Kasachen!“ Das Gesetz wurde erst mal auf Eis gelegt. Für einen stramm autokratisch geführten Staat ist ein solches Moratorium erstaunlich.

Die globalen wirtschaftlichen Verwerfungen und die Weltfinanzkrise sind an diesem am weitesten entwickelten zentralasiatischen Staat nicht spurlos vorüber gegangen. Nach den Boom-Jahren und den sprudelnden Öl-Einnahmen hat Kasachstans Bevölkerung entbehrungsreiche Jahre durchstehen müssen. Mit dem Verfall der Öl- und Gaspreise verlor das Land nach Angaben des stellvertretenden Außenministers Roman Vassilenko rund 100 Milliarden US-Dollar. Die bislang üppigen jährlichen Wachstumsraten von bis zu zehn Prozent stürzten auf den Nullpunkt. Löhne und Renten wurden drastisch gekürzt, die Inflation kletterte auf über 13 Prozent.

Mit Konjunkturpaketen und einem Griff in den Nationalfonds suchte die Regierung des Steppenlandes wirtschaftliche Impulse – vor allem beim Ausbau der Infrastruktur - zu setzen. Nachhaltig schwächte der Verfall des russischen Rubel die Wettbewerbsfähigkeit kasachischer Firmen. Nachteilig wirkten sich zudem die westlichen Sanktionen gegenüber Russland aus: Zahlreiche russische Firmen in Kasachstan sind vom Lieferboykott betroffen und können den Markt ihres Gastlandes nicht mehr versorgen. Obendrein überschwemmte Russland in der Eurasischen Zollunion seit ihrer Gründung 2015 sein einstiges Bruderland mit Billigprodukten. Kasachstan sah sich gezwungen, die heimische Tenge-Währung um 50 Prozent im Verhältnis zum US-Dollar abzuwerten.

Deshalb schrumpfte die kasachische Wirtschaft 2016 zum ersten Mal seit 1998. Die Importe mussten eingeschränkt werden. Doch staatliche Stützungsmaßnahmen verhinderten immerhin ein Abgleiten der GUS-Republik in die Rezession. Seitdem die Rohstoffpreise wieder anziehen und der Ölpreis über die 50 US-Dollar-Marke pro Barrel klettert, „ist die Stimmung deutlich besser“, behauptet Tulemis Shotanov, der stellvertretende Vorsitzende des kasachischen Unternehmerverbandes: „Unsere wirtschaftliche Lage ist nicht einfach, aber stabil“, beschreibt Vizeaußenminister Vassilenko die abwartende Haltung der Wirtschaft.

Ein wenig Zuversicht kehrt zurück: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird nach Schätzungen der EU und ganz ähnlichen  Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds in diesem Jahr wieder um 1,2 bis 1,5 und 2018 um 1,0 Prozent steigen. Danach könnte es um die drei Prozent betragen. Die Gründe für diese Wachstumsprognosen sind die Ausweitung eines Ölfeldes in Tengis und die Off-Shore-Öl-Produktion, die auf Touren kommt. Zugute kommen Kasachstan seine immer noch beachtlichen Devisenreserven und die Mittel im staatlichen Öl-Fonds von 94 Milliarden US-Dollar sowie die niedrige Staatsverschuldung. Die Löhne wurden bereits in zwei Etappen um 30 Prozent erhöht, um die Kaufkraft anzukurbeln.

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Schaufenster EXPO 2017

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