Kasinos als Wirtschaftsmotor
Zypern zockt sich aus der Krise

Die Insel braucht dringend ein neues Geschäftsmodell, um die Wirtschaft anzutreiben. Jetzt kommt die Regierung auf eine neue Idee: Glücksspiel soll aus Zypern das Las Vegas im Mittelmeer machen - und Touristen anlocken.
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NikosiaZyperns bisheriges Geschäftsmodell als Finanzzentrum und Steuerparadies ist am Ende. Die Kunden der zyprischen Banken müssen bluten – und zwar weit stärker als bisher angenommen. Wer mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hat, sieht von dem darüber hinausgehenden Betrag womöglich nur ein Fünftel wieder, sagte Zyperns Finanzminister Michalis Sarris am Dienstag kurz vor seinem Rücktritt.

Nach diesem Schock dürfte es den Zyprern schwer fallen, in den nächsten Jahren wieder Anleger und Investoren auf ihre Insel zu locken. Die Oligarchen, die bisher Geld auf Zypern bunkerten, werden Zypern wohl den Rücken kehren. Dafür kommen „einarmige Banditen“. Denn damit der Geldstrom nicht ganz versiegt, setzt die Regierung jetzt aufs Glücksspiel. Schon bald soll das erste Spielkasino öffnen.

Finanzdienstleistungen waren bisher eine der beiden wichtigsten Säulen der zyprischen Wirtschaft. Die Bilanzsumme der zyprischen Banken machte rund das Siebenfache des Bruttoinlandsprodukts aus. Der EU-Durchschnitt liegt beim 3,5-Fachen. Nur Luxemburg, Irland und Malta haben in Relation zur Wirtschaftsleistung noch größere Bankensektoren als Zypern. Das zweite Standbein der Zyprer ist der Tourismus.

Doch die Insel kämpft mit Wettbewerbsnachteilen: Sie gilt als teuer und ist von ihrem wichtigsten Markt Großbritannien weiter entfernt als Ziele im westlichen Mittelmeer, Griechenland oder die Türkei. Zwar zog Zypern in den vergangenen Jahren zunehmend russische Urlauber an. Aber durch die Zwangsabgabe ist der Ruf der Insel gerade in Russland beschädigt.

Zypern braucht mehr als Sonne und Strand, wenn es seinen Tourismussektor weiter nach vorn bringen will. Seit Jahren wird auf der Insel darüber diskutiert, Spielkasinos zu legalisieren. So könnte man reiche Reisende anlocken, die Saison verlängern und die Hotelbetten auch im Winter füllen. Der bis Ende Februar amtierende zyprische Präsident Dmitris Christofias, ein noch in der UdSSR gedrillter Altkommunist, lehnte die Idee aber strikt ab.

Eine 2007 erstellte Studie der zyprischen Tourismusbehörde zur Entwicklung der Glücksspielbranche ließ Christofias in der Schublade verschwinden. Vor einem Jahr schlug der damalige Finanzminister Kikis Kazamias vor, Kasino-Konzessionen zu vergeben, um die Finanzmisere der Insel zu lindern. Christofias lehnte erneut ab: „So lange ich Präsident bin, wird es auf Zypern kein Kasino geben“, sagte Christofias. Wenig später trat Kazamias zurück – aus „Gesundheitsgründen“, wie es offiziell hieß. Auch die mächtige orthodoxe Kirche Zyperns wollte von Spielbanken nichts wissen.

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  • Wieso ist das ein neues Geschäftsfeld ?
    Die Spielbanken sind doch schon vorhanden.Sie sind sogar schon pleite.

  • Wieder ein Bild gebildeter Schreiberling. Die Südländer haben die wenigste Schuld an der Misere. Jahrelang wurden diese Staaten in Europa von Politikern als Musterstaaten bezeichnet. Und nun kommt Bild und schreibt von den ... Und alle Menschen in Deutschland haben nichts besseres zu tun, als diesen Unsinn nach zu plabbern.

  • bis geld aus einnahmen wie gas und rohstoffumschlag reinkommt kanns noch sehr lange dauern. mit einer währung die es für dieses land praktisch unmöglich macht wettbewerbsfähig zu werden bleibt am ende nur irgendeine form von klauen.

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