Katar
Kleines Land ganz groß am Golf

Katar beglückt die Deutsche Bank als Großaktionär. Katar organisiert den Tausch von Guantanamo-Häftlingen. Katar könnte bei der Fußball-WM-Vergabe geschmiert haben. Wer zieht die Strippen in dem widersprüchlichen Land?
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DüsseldorfKatar steigt mit Milliarden bei der Deutschen Bank ein, das Scheichtum übernimmt eine Beteiligung von sechs Prozent. Katar überschüttet den Fußball-Profiklub PSG Paris mit Geld. Dank der Finanzspritzen der Investorengruppe QSI schießt nun ein Star wie Zlatan Ibrahimovic seine Tore in Frankreich. Katar organisiert den Tausch eines von den Taliban festgehaltenen US-Soldaten gegen afghanische Häftlinge aus Guantanamo. Katar – der Zwergenstaat am Golf führt auf den großen Spielfeldern dieser Welt Regie: Wirtschaft, Politik, Sport.

Umso ärgerlicher ist für Scheichs die Kritik an der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft, die 2022 im Golfstaat ausgetragen werden soll. Nach Debatten über miese Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter und den Sinn, Hochleistungssport in der Wüste auszutragen, kommen nun noch Korruptionsvorwürfe. Derzeit untersucht eine Fifa-Kommission unter Leitung des ehemaligen amerikanischen Staatsanwalts Michael Garcia, ob bei der WM-Vergabe Schmiergeld floss. „Wenn der Untersuchungsbericht Bestechung nachweist, also, dass das Votum durch Zahlungen beeinflusst worden ist, dann könnte die Vergabe nichtig sein“, sagte Domenico Scala jüngst dem Handelsblatt. Der Schweizer leitet die neue Audit- und Compliance-Kommission der Fifa.

Plötzlich steht für die Scheichs der Höhepunkt ihrer breit angelegten Imageoffensive auf der Kippe. Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani, seit 2013 Emir und somit Staatsoberhaupt von Katar, will den Golfstaat aus dem Schatten des prominenteren Nachbarn Dubai rücken. „Der jetzige Machthaber setzt den Fokus wieder auf Wirtschaft und Innenpolitik und hält sich außenpolitisch zurück“, sagt Anna Sunik vom German Institute of Global and Area Studies (Giga). „Zu dieser Rückbesinnung passt auch, dass die Rivalität zu Dubai wieder deutlicher zu Tage tritt.“

Denn nur wenige Hundert Kilometer entfernt sieht der Emir, wie es einem anderen Golfstaat gelungen ist, weltweit Aufmerksamkeit zu erregen. „Dubai ist längst zur Marke geworden, das Land ist als Urlaubsziel, Finanzhauptstadt, Flughafen-Hub etabliert“, sagt Sunik. „Da kann Katar bislang nicht mithalten.“ Qatar Airways hinkt Emirates hinterher. Und: „Doha hat noch nicht die Strahlkraft wie Dubai oder auch Abu Dhabi.“

Die Fußball-WM ist ein Pfund, mit dem die Scheichs in den nächsten Jahren wuchern könnten, um Katar weltweit zu vermarkten. „Aus diesem Grund wäre es ein enormer Imageschaden, sollte die Fifa Katar die Fußball-WM 2022 entziehen“, sagt Sunik.

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