Katar-Krise
Der Druck auf den Wüstenstaat wächst

Im Streit mit vier arabischen Staaten drohen Katar nun neue Sanktionen. Bisher lässt sich das Golf-Emirat von den Warnungen wenig beeindrucken. Doch das könnte sich ändern, je länger der Konflikt andauert.
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DubaiKatar macht keine Anstalten, die Forderungen der vier arabischen Staaten zu erfüllen, die das Golfemirat isolieren. Das bringt das Quartett aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Bahrain nun in die Bredouille. Die Verbündeten werfen Doha vor, Terroristen zu unterstützen und die Sicherheit der Golfregion zu gefährden. In einer 13-Punkte-Liste forderten sie Katar unter anderem auf, die Unterstützung für Extremisten einzustellen und die Beziehungen zum Iran zurückzuschrauben.

Indem das kleine, aber reiche Emirat das Ultimatum der vier Staaten ignorierte, zwang es diese Farbe zu bekennen und zu zeigen, welche Macht sie tatsächlich über ihren unberechenbaren Nachbarn haben. Die Verbündeten reagierten nun mit der Androhung weiterer Sanktionen. Doch ihre Optionen sind begrenzt.

Wenn sie Katar wirklich wehtun wollen, könnten sie die Banken in der Golfregion zwingen, ihre Einlagen aus dem Land abzuziehen. Noch drastischer wäre ein Stopp der Erdgaslieferungen, der wichtigsten Exportquelle des Emirats. Doch an einer derartigen Eskalation dürfte den Beteiligten nach Einschätzung von Analysten kaum gelegen sein.

Die Zwickmühle kommt indes nicht ganz überraschend. Denn die 13 Forderungen waren von Anfang an sehr ambitioniert. Sie reichten bis zum Appell an Doha, den reichweitenstarken Fernsehsender Al-Dschasira zu schließen und Truppen des Nato-Mitglieds Türkei des Landes zu verweisen.

Noch zu Beginn der Krise Anfang Juni waren viele Experten davon ausgegangen, dass Katar rasch kapitulieren würde. Damals brachen Saudi-Arabien und die drei anderen Staaten ihre diplomatischen Beziehungen zu dem Wüstenstaat ab und verhängten eine Verkehrs- und Handelsblockade. Doch der Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 bewies einen langen Atem.

Die Katarer reagierten mit ungewöhnlicher patriotischer Inbrunst und hielten Kundgebungen zur Unterstützung ihres 37-jährigen Emirs Scheich Tamim bin Hamad al-Thani ab, der erst vor vier Jahren an die Macht gekommen war. Der bei vielen Regierungen in der Region lange in Ungnade gefallene Sender Al-Dschasira wird plötzlich wieder als Bollwerk der Pressefreiheit gefeiert.

Katar bezeichnete die Vorwürfe der vier anderen arabischen Staaten, es unterstütze Extremistengruppen, am Freitag als falsch und verleumderisch. Die anderen beschuldigten das Land, alle Bemühungen zur Lösung des Streits zu verhindern.

Nach einem Treffen am Mittwoch in Kairo hatten Saudi-Arabien und seine Verbündeten von einer „negativen“ Antwort aus Doha auf die 13-Punkte-Liste gesprochen. Wenig später kündigten sie neue Strafmaßnahmen an, ohne diese näher zu benennen.

Der ägyptische Außenminister Sameh Schukri sagte, Katar unterschätze den Ernst der Lage. Dennoch verzichteten die Vier auf sofortige Sanktionen, wie Experten betonten. „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass diese Staaten unbedingt einen langfristigen Plan haben, wie sich dieser Konflikt weiterentwickeln wird“, sagte die in Dubai ansässige Analystin Allison Wood von der Risikoberatung Control Risks, die die Lage in Katar genau verfolgt.

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