Katholische Kirche
Papst erntet Gegenwind für Tribunal gegen Missbrauch

„Ich wusste, dass es ein Problem geben würde“

Kirchenrechtsexperten wundert dies nicht unbedingt: „Als das angekündigt wurde, wusste ich, dass es ein Problem geben würde“, sagt Kurt Martens, Professor für Kirchenrecht an der katholischen Universität von Amerika in Washington. Eine Schlüsselfrage, die geklärt werden müsse, drehe sich um die Definition von Fahrlässigkeit, nach der ein Bischof verurteilt werden könnte.

Ein weiteres Problem werfen nach Meinung des Experten die Fragen nach Verjährung und rückwirkender Strafermittlung auf: Können Bischöfe,die vor 10 oder 20 Jahren Missbrauchsfälle vertuscht haben, vor das neue Gericht gestellt werden? „Das ist eine große Frage“, meint Martens. „Wo zieht man da die Linie?“

Auch fundamentale Fragen, wer wen anzeigen kann und wer entscheidet, ob dem Fall nachgegangen werden muss, blieben bislang ungeklärt. Das Kirchenrecht besagt ohnehin, nur der Papst selbst könne über einen Bischof richten. Warum sollte man also sexuellen Missbrauch davon ausnehmen, wenn ein anderer Amtsmissbrauch, etwa finanzielle Misswirtschaft, ebenfalls ein Kirchenverbrechen ist?

Anders als viele seiner Amtsvorgänger ist Franziskus der Meinung, Bischöfe müssten zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie missbrauchende Priester von Gemeinde zu Gemeinde versetzen, anstatt sie an die Kirche und staatliche Behörden zu melden. „Man darf nicht verschleiern, und selbst jene, die diese Dinge verschleiert haben, sind schuldig“, sagte der Papst bei einem Treffen mit Missbrauchsopfern.

So wurde auch seine Entscheidung, ein Gericht zu beauftragen, mit Beifall und hohen Erwartungen begrüßt – sowohl von Missbrauchsopfern, als auch von jenen, die die Missbrauchsskandale mitverfolgten. Für alle ist es enttäuschend, aber auch nicht gerade überraschend, dass diesbezüglich bisher kaum Erfolge vorzuweisen sind.

So dankten mit Wissen von Papst Franziskus zwei amerikanische Bischöfe selbst ab, nachdem sie der Missbrauchsvertuschung bezichtigt worden waren. Sie wurden nicht vor ein vatikanisches Gericht gebracht, aber vermutlich vom Vatikan zum Rücktritt gedrängt, nachdem sich offizielle Stellen eingeschaltet hatten. Das ist das übliche Verfahren, mit dem der Vatikan bloßgestellte Bischöfe verabschiedet.

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