Katholische Kirche
Papst beginnt Afrika-Visite mit umstrittener Kondom-Äußerung

Zu Beginn seiner Reise nach Afrika hat der Papst erneut Empörung ausgelöst: Seiner Ansicht nach dämmen Kondome Aids nicht ein, sondern verschlimmern das Problem noch. Kritiker reagieren fassungslos.

KAPSTADT. Die Aids-Epidemie in Afrika lässt sich nach den Worten von Papst Benedikt XVI. nicht mit dem Gebrauch von Kondomen eindämmen. Präservative würden das Problem eher noch verschlimmern, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche zum Auftakt seiner sechstägigen Afrikareise auf dem Flug nach Kamerun. In Deutschland stießen die Äußerungen auf scharfe Kritik: Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, nannte sie "zynisch und menschenverachtend".

Nach Kamerun wird der Papst noch Angola besuchen, wo die christliche Mission in Schwarzafrika vor 500 Jahren begann. Beide Länder gehören zu den ärmsten der Welt. Während sein reisefreudiger Vorgänger Johannes Paul II. Afrika im Verlauf seiner Amtszeit zehnmal bereiste, ist es für Benedikt XVI. erst die zweite Visite auf dem Schwarzen Kontinent. Sein erster und einziger Besuch führte ihn - damals noch als Kardinal - vor mehr als 20 Jahren in die kongolesische Hauptstadt Kinshasa.

Die bisherige Zurückhaltung überrascht umso mehr, als das Christentum in Afrika heute schneller wächst als auf jedem anderen Kontinent. Nannte sich um 1900 unter den damals etwa 100 Millionen Einwohner nur jeder Zehnte Christ, bekennen sich heute etwa die Hälfte der rund 800 Millionen Afrikaner zum christlichen Glauben - darunter 135 Millionen Katholiken. Allein in der Amtszeit von Johannes Paul II. soll sich ihre Zahl mehr als verdoppelt haben. Dennoch ist Afrika kein einfaches Terrain für das Kirchenoberhaupt. Mit dem Erstarken des Islams und der Freikirchen erwächst den Katholiken Konkurrenz. Und die Menschen erhoffen sich von der Kirche nicht nur Lösungen im Kampf gegen Aids, sondern auch gegen die grassierende Armut auf dem Kontinent.

Hier hat Benedikt XVI. schon auf dem Flug nach Kamerun deutlich Stellung bezogen: Mit Kondomen lasse sich die Immunschwächekrankheit nicht eindämmen, sagte er. Vielmehr sei eine spirituelle und menschliche Erneuerung der einzige Weg aus der auf dem Kontinent grassierenden Seuche. Auf beiden Stationen seiner Reise will der Papst jungen Menschen erklären, warum die katholische Kirche sexuelle Abstinenz als das geeignetste Mittel gegen Aids empfiehlt.

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