Katholische Kirche
Papst erntet Gegenwind für Tribunal gegen Missbrauch

Zuständiger Präfekt setzte selbst Pädophile als Pfarrer ein

Aber solch eine Art der Problemlösung bewirke wenig, um den „Skandal zu beheben und die Gerechtigkeit wieder herzustellen“, meint Martens. Dieses sollte eigentlich das kirchliche Strafsystem eigentlich sichern. „Das ist fast, als könnten sich Schuldige ihre Strafe aussuchen und sind dann aus dem Schneider“, so der Gelehrte.

Dabei sei es nicht immer so leicht, einen Bischof freiwillig zur Amtsaufgabe zu bewegen, merkt der amerikanische Kirchenrechtler Nicholas Cafardi an. In dieser Hinsicht könnte das spezielle Tribunal eingreifen, wenn der Druck aus dem Vatikan nicht ausreiche. „Die Forderung nach einem Rücktritt hat damit mehr Substanz hinter sich. Das ist ein wichtiger Effekt hinter den neuen Maßnahmen, der nicht unterschätzt werden sollte“, so Cafardi in einer E-Mail.

Problematisch ist der päpstliche Plan des Tribunals allerdings auch, weil der vom Papst beauftragte Präfekt der Glaubenskongregation selbst eine fragwürdige Vergangenheit hat. In seiner Amtszeit als Bischof von Regensburg setzte Kardinal Gerhard Ludwig Müller einen verurteilten Pädophilen als Gemeindepfarrer ein und missachtete dabei die bischöflichen Normen, nach denen Sexualstraftäter nicht in der Jugendarbeit arbeiten dürfen.

Damals verteidigte Müller seine Entscheidung. Die Kirche trage nicht die Verantwortung für das, was die Priester täten, sagte er. Wenn Jesus Sündern vergeben könne, könne ihnen die Kirche auch eine zweite Chance geben.

In einem Interview beklagte Müller kürzlich das „bittere Unrecht“, das den allermeisten Geistlichen durch die Generalisierung widerfahre. Nicht die kirchliche Gemeinschaft, sondern Individuen hätten sich schuldig gemacht – und dies auch nicht infolge ihres Amtes, sondern wegen „einer unreifen oder gestörten Persönlichkeit“.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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