Kauf von Staatsanleihen
China will Griechenland helfen

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao auf Europareise. In Athen sicherte er seinem griechischen Amtskollegen Giorgos Papandreou Investitionen zu und kauft Staatsanleihen des hochverschuldeten Landes. Mit dem Kuschelkurs will China für Vertrauen in Europa werben.
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HB ATHEN. Von den USA im Währungsstreit unter Druck gesetzt, wirbt China in Europa um Vertrauen. Die Regierung in Peking wolle mit den 27 EU-Ländern kooperieren, sagte Ministerpräsident Wen Jiabao zu Beginn seiner einwöchigen Europareise am Sonntag in Griechenland bei einem Treffen mit Regierungschef Giorgos Papandreou. Am Mittwoch trifft Wen auf einem EU-China-Gipfel Regierungsvertreter europäischer Staaten.

Bereits am Wochenende schloss China eine Kooperation mit dem schuldengeplagten Griechenland. „China wird große Anstrengungen unternehmen, um die Länder der Euro-Zone zu unterstützen und Griechenland ein Überwinden der Krise zu ermöglichen“, kündigte Wen an. China neige dazu, auch in Zukunft griechische Staatsanleihen zu kaufen, sobald das Land neue Kredite aufnehmen wolle. Wen berichtete, dass China bereits griechische Bonds gekauft habe. Griechenland hat sich zuletzt am Kapitalmarkt nur kurzfristig mit Geld versorgt. Langfristige Anleihen will Athen im kommenden Jahr wieder auflegen. Das Rettungspaket über 110 Milliarden Euro von EU und Internationalem Währungsfonds würde es dem Land auch erlauben, damit noch bis 2012 zu warten.

Beide Länder unterzeichneten am Wochenende ein Rahmenabkommen für künftige Investitionen. Griechische und chinesische Unternehmen vereinbarten anlässlich des Besuchs des Regierungschefs gemeinsame Projekte in der Schifffahrt, der Telekommunikation, im Tourismus und in der Baubranche.

Der chinesische Regierungschef betonte, die Volksrepublik unterstütze einen stabilen Euro. „Wir werden den Besitz an europäischen Papieren in unserem Devisen-Portfolio nicht reduzieren.“ Die chinesische Regierung war in der Vergangenheit in der Heimat für Investitionen in ausländische Finanzmärkte kritisiert worden, da sie dem Land Verluste eingebrockt hatten.

Von den USA bekommt China im Währungsstreit scharfen Gegenwind zu spüren. Das Repräsentantenhaus hat den Weg für Bestrafungen Chinas etwa durch Zölle frei gemacht. Die USA werfen der Volksrepublik vor, ihren Währungskurs künstlich niedrig zu halten und sich so Handelsvorteile zu verschaffen. Damit das Gesetz in Kraft tritt, müssen noch der Senat und Präsident Barack Obama zustimmen.

Doch Kritik an der Yuan-Politik kommt nicht nur aus den USA, sondern auch aus Europa. Experten begründen den aktuellen Freundschaftskurs Pekings mit Europa damit, dass man nicht noch eine weitere Baustelle im Streit über seine Währung aufmachen möchte. Wen warb darum, China als Marktwirtschaft anzuerkennen. Dadurch wäre das Land weniger anfällig gegenüber Strafzöllen. Im Gegenzug bot Wen an, dass China sich verpflichte, das Investitionsklima zu verbessern und den Urheberschutz, den bilateralen Handel und Technologiekooperationen auszubauen.

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