Kaukasus-Konflikt
Wirtschaft sorgt sich um ihr Russland-Geschäft

Die Wirtschaft beobachtet die Spannungen zwischen der EU und Russland wegen des Kaukasuskonfliktes mit Sorge. Führende Repräsentanten aus Unternehmen und Verbänden appellieren an die Politik, den heutigen EU-Sondergipfel zu nutzen, um eine Eskalation zu verhindern.

BERLIN. BDI-Präsident Jürgen Thumann sagte dem Handelsblatt, gerade Deutschland und Russland seien gegenseitig auf gute Beziehungen angewiesen. „Wir hoffen, dass das Bewusstsein um die gegenseitigen Verflechtungen dämpfend wirkt.“ Überlegungen, Russland mit Sanktionen unter Druck zu setzen oder Verhandlungen zum WTO-Beitritt und zum Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit der EU zu stoppen, führten in die falsche Richtung, sagte der BDI-Präsident. „Dadurch würden am Ende alle verlieren und Georgien wäre nicht damit gedient.“

Thumann wünschte sich „nicht mehr Konfrontation, sondern mehr Dialog“. Die Wirtschaft werde dazu ihren Beitrag leisten. „Gerade jetzt kommt Dialogplattformen wie der Deutsch-Russischen Strategischen Arbeitsgruppe, dem Petersburger Dialog und den Deutsch-Russischen Unternehmergesprächen eine besondere Bedeutung zu“, sagte Thumann.

Das große Interesse der deutschen Wirtschaft an reibungslosen Beziehungen zu Russland ist leicht zu erklären: Deutsche Unternehmen haben ihre Aktivitäten in Russland in den vergangenen Jahren enorm ausgebaut. Allein im ersten Halbjahr 2008 stieg der Wert der deutschen Exporte nach Russland nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft um über 23 Prozent auf 15,8 Mrd. Euro. Bei den deutschen Ausfuhren dominieren Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge sowie chemische Erzeugnisse.

Angesichts des enormen Erneuerungsbedarfs der russischen Wirtschaft und der Infrastruktur rechnen deutsche Unternehmen auch in den kommenden Jahren mit guten Geschäften. Für viele deutsche Handelsunternehmen gilt Russland ebenfalls als einer der Hauptexpansionsmärkte. Mittlerweile sind laut Ost-Ausschuss 4 600 deutsche Unternehmen in Russland präsent, davon 4 300 Mittelständler.

Der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Klaus Mangold hatte kürzlich gewarnt, man dürfe nicht das, „was wir in den letzten 15 Jahren aufgebaut haben, plötzlich einer Geschichte opfern, die im Grunde genommen unmittelbar mit unseren Beziehungen zu Russland nichts zu tun hat“. Aus Sicht von Herbert Stepic, Chef der österreichischen börsennotierten Raiffeisen International, die einen großen Teil ihres Geschäfts in Russland macht, hat sich das Land mittlerweile „von den Wirrnissen des Transformationsprozesses erholt und in den letzten Jahren einen regelrechten Wirtschaftsboom erfahren.

Diese Entwicklung ist die Basis für die Wiedererstarkung Russlands“, sagte Stepic dem Handelsblatt. Das Land versuche außenpolitisch die Rolle einzunehmen, „die es aus seinem eigenen Selbstverständnis als größtes Land und eines der resourcenreichsten der Erde für passend hält“.

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