Kaukasuskrieg
Russland dementiert Vormarsch auf Tiflis

Die Lage im Kaukausus wird immer undurchsichtiger: Nach georgischen Regierungsangaben befinden sich russische Truppen im Vormarsch auf die georgische Hauptstadt Tiflis. Das gut 60 Kilometer von Tiflis entfernte Gori soll bereits in russischer Hand sein. Das russische Verteidigungsministerium allerdings dementiert vehement.

HB TIFLIS/MOSKAU/WASHINGTON. Georgiens Hauptstadt Tiflis unter Schock: Am Abend verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Nachricht, dass die russischen Truppen auf die georgische Hauptstadt Tiflis vorrückten. Panikartig wurden Läden und Restaurants geschlossen und die Menschen eilten in Trauben in ihre Haeuser. Georgiens Chef des nationalen Sicherheitrsrates, Alexander Lomaia, hatte offiziell bekanntgegeben, dass russische Panzerverbände die Grenzen der abtruennigen Republiken ueberwunden hätten. Die georgische Armee konzentriere sich um Tiflis, um die Hauptstadt vor einem Einmarsch zu schützen.

„Wir wissen nicht mehr, was das Kriegsziel Russlands ist“, sagte Lomaia und deutete damit an, dass der Kreml versuchen könnte, Tiflis zu erobern. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili kritisierte am Montagabend bei einer Sitzung des Sicherheitsrates ein Vordringen russischer Bodentruppen in seinem Land. „Dies ist ein Versuch, Georgien völlig zu erobern und zu zerstören“, sagte er nach Angaben georgischer Medien.

Das russische Verteidigungsministerium dementierte die Einnahme der georgischen Stadt Gori gut 60 Kilometer vor der Hauptstadt Tiflis. „Russische Truppen haben die Stadt Gori nicht eingenommen“, sagte ein Militärsprecher nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Einwohner in Gori hatten zuvor von einer Übernahme der Stadt durch die russische Armee berichtet. Die georgische Regierung teilte mit, Russland habe die Fernstraße durch Gori besetzt und das Land damit faktisch in zwei Teile getrennt.

Die georgischen Streitkräfte seien auf dem Rückzug, um die Hauptstadt Tiflis vor der Einnahme zu schützen, teilte die Regierung mit. Russland sei erstmals außerhalb der abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien auf dem Landweg auf georgisches Territorium vorgedrungen.

Angesichts der dramatischen Entwicklung rief Georgien den Sicherheitsrat um Hilfe an. Das höchste UN-Gremium sollte noch am späten Montagabend in New York zu einer neuerlichen Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Moskau wies die Angaben zurück. Russland wolle nicht die georgische Hauptstadt einnehmen. „Pläne, nach Tiflis vorzudringen, hatten wir nie und haben wir nicht“, sagte ein Vertreter des Moskauer Verteidigungsministeriums nach Angaben der Agentur Interfax. Behauptungen Saakaschwilis, russische Bodentruppen seien auf dem Weg in die Millionenstadt, zeugten „offensichtlich einfach von der Panik“ der georgischen Führung. Saakaschwili räumte am Abend ein, Tiflis sei nicht akut bedroht.

Der Ministeriumssprecher in Moskau sagte, die russische Armee dringe nur bis zu Stellungen vor, um weitere Angriffe auf die von Georgien abtrünnige Region Südossetien zu verhindern. Beobachter vermuten, dass Russland eine Pufferzone um das prorussische Südossetien errichten will.

Unterdessen haben sich russische Truppen einem Agenturbericht zufolge aus der georgischen Stadt Senaki zurückgezogen. Die Truppen hätten dort die Gefahr eines Beschusses von Südossetien „ausgelöscht“, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax am Montag unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Die russische Einnahme Senakis, das 40 Kilometer von Abchasien entfernte liegt, weckten in Georgien Sorgen vor einem Vormarsch auf die Hauptstadt Tiflis. Russlands Verteidigungsministerium hatte den Vorstoß mit dem Ziel begründet, georgische Einheiten an einer Formierung für neue Angriffe auf Südossetien zu hindern.

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