Kaum Betrugsfälle
Zwangsarbeiter-Stiftung zieht Bilanz

Gut fünf Jahre nach ihrer Gründung wird die Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ in Kürze die Entschädigungszahlungen für ehemalige Zwangsarbeiter abschließen. Bis heute hat die Stiftung etwa 4,3 Mrd. Euro an Partnerorganisationen in Polen, Russland, Tschechien, Weißrussland und der Ukraine sowie an die Jewish Claims Conference und die Internationale Organisation für Migration ausgezahlt.

HAMBURG. Mit dem Geld, das zur Hälfte von der deutschen Wirtschaft gespendet wurde, wurden über 1,6 Millionen ehemalige Zwangsarbeiter aus rund 80 Ländern entschädigt. In den allermeisten Fällen habe das Geld die richtigen Empfänger erreicht, sagte der Stiftungsvorsitzende Hans-Otto Bräutigam dem Handelsblatt. Betrugsfälle seien äußert selten gewesen.

Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ war im August 2000 auf Initiative der rot-grünen Bundesregierung gegründet worden. Ihr Ziel ist es, Menschen zu entschädigen, die in der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeit verrichten mussten. Die Bundesrepublik auf der einen und die deutsche Wirtschaft auf der anderen Seite verpflichteten sich damals, je fünf Mrd. DM bereitzustellen. Im Gegenzug sollten deutsche Unternehmen dauerhaft Rechtssicherheit gegen Schadensersatzklagen früherer Zwangsarbeiter erhalten – auch in den USA.

Die Menschen, die in den Genuss der Entschädigungszahlungen kommen, waren zum Teil noch Kinder, als sie zur Arbeit gezwungen wurden, und sind heute zwischen 70 und 100 Jahre alt. „Viele dieser alten Menschen leben in beschränkten sozialen Verhältnissen“, betont der frühere Stiftungsvorstand Michael Jansen, der heute im Bundespräsidialamt arbeitet. „Für sie ist es wie ein Lottogewinn, dass wir ihnen in ihrer bedrängten Lebenslage helfen.“

Häftlinge, die in Konzentrationslagern Zwangsarbeit leisten mussten, bekamen in zwei Raten 7 500 Euro, die höchste Entschädigungssumme. Aus den okkupierten Ländern nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter erhielten 2 500 Euro. Nur fünf Prozent der Leistungsberechtigten seien Erben bereits verstorbener Zwangsarbeiter, betont Bräutigam. Lasse sich kein Erbe mehr ausfindig machen, erhielten die Partnerorganisationen das Geld für soziale Zwecke, zum Beispiel für Altenheime oder den Kauf medizinischer Geräte.

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