Kaum Fortschritte
Atomgespräche mit Iran kommen nicht voran

Die diplomatischen Sternstunden des iranischen Staatschefs Hassan Ruhani und dem US-Präsident Barack Obama scheinen vorbei: Die Atomverhandlungen stehen still. Dabei rennt die Zeit für eine Einigung.
  • 0

New YorkHassan Ruhani war zu Scherzen aufgelegt in seiner Pressekonferenz am Rande der UN-Generaldebatte. Warum er nicht wie im vergangenen Jahr mit US-Präsident Barack Obama telefoniert habe, wollte jemand vom iranischen Staatschef wissen. „Ist es irgendwo als Regel niedergeschrieben, dass zwei Präsidenten immer telefonisch kommunizieren müssen?“, parierte Ruhani die Frage. Auf seinem Gesicht entfaltete sich ein breites Grinsen. Ansonsten gab es in New York aber nicht viel zu lachen bei den Bemühungen um eine Lösung des Atomstreits mit dem Iran.

Vergangenes Jahr hatte die UN-Generaldebatte den Nährboden für den Neustart der internationalen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm bereitet. Erstmals nahm ein iranischer Außenminister an einem Treffen der sogenannten 5+1-Gruppe teil. Die gute Stimmung gipfelte in dem Telefonat von Obama und Ruhani, das den ersten direkten Gesprächskontakt zwischen Staatschefs beider Länder seit mehr als drei Jahrzehnten markierte.

Diesmal blieben diplomatische Sternstunden aus. Die Verhandlungen der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran gingen nur schleppend voran, ein Treffen der 5+1-Gruppe auf Ebene der Außenminister kam nicht zustande. „Die verbleibende Zeit, eine Einigung zu erreichen, ist äußerst kurz“, mahnte Ruhani am Freitag bei der Pressekonferenz. Die Gespräche hätten nur „sehr langsam“ Fortschritte gemacht.

Bis zum 24. November haben sich die Teilnehmer der Verhandlungen Zeit gegeben, ein langfristiges Abkommen zum iranischen Atomprogramm zu schließen. Die Frist war bereits einmal verlängert worden, als die Differenzen nicht wie ursprünglich geplant bis Mitte Juli beigelegt werden konnten. Auch bei den Gesprächen, die seit vergangener Woche in New York auf Ebene ranghoher Beamter geführt wurden, seien „keine signifikanten Fortschritte“ erzielt worden, klagte der französische Außenminister Laurent Fabius.

Zu den strittigsten Themen gehört die Anreicherung von Uran, das zum Bau einer Atombombe verwendet werden kann. Der Westen verlangt, dass Teheran den Großteil seiner Zentrifugen demontiert. Aus westlichen Diplomatenkreisen hieß es, dass die iranischen Unterhändler sich um klare Zusagen herumdrücken würden. „Wir erwarten eine bedeutende Bewegung der iranischen Seite", sagte ein westlicher Vertreter. „Das Misstrauen ist sehr groß.“ Ruhani sieht dies anders. Der Iran habe sich flexibel gezeigt, sagte er. „Der Ball ist im Feld der Gesprächspartner.“

Seite 1:

Atomgespräche mit Iran kommen nicht voran

Seite 2:

Steinmeier schürt Hoffnung auf Durchbruch

Kommentare zu " Kaum Fortschritte: Atomgespräche mit Iran kommen nicht voran"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%