Kaum Überreste von totem Schiitenführer
Festnahmen nach Attentat von Nadschaf

Nach dem verheerenden Bombenanschlag vor der Imam-Ali-Moschee in der Pilgerstadt Nadschaf sind bis Samstag mindestens 19 Menschen festgenommen worden. Dies berichtete der arabische Fernsehsender El Dschasira.

HB/dpa KAIRO/BAGDAD. Die Verdächtigen seien nicht- irakische Araber aus verschiedenen Ländern, berichtete der Sender unter Berufung auf Polizeiquellen in Nadschaf. Sie würden zur Zeit verhört. Die Trauerfeierlichkeiten für den bei der Bombenexplosion getöteten Schiitenführer Ajatollah Mohammed Bakr el Hakim müssen indessen verschoben werden, weil immer noch nach Überresten der Leiche gesucht wurde.

Der einflussreiche Schiitenführer wurde am Freitag bei dem Anschlag vor der Imam-Ali-Moschee, einer der heiligsten Stätten der Schiiten, getötet. Trauer- und Protestmärsche fanden am Samstag in zahlreichen irakischen Städten statt.

Der Bombenanschlag, bei dem mehr als 120 Menschen getötet worden waren, trägt nach Erkenntnissen der amerikanischen Sicherheitsbehörden im Irak die gleiche Handschrift wie die Anschläge auf die jordanische Botschaft und das UN-Hauptquartier in Bagdad in diesem Monat. Sowohl der Sprengstoff als auch die Machart der Anschläge deuteten auf versprengte Teile der Geheimdienste des gestürzten Diktators Saddam Hussein hin, berichtete der öffentliche US-Rundfunk unter Berufung auf das Bundeskriminalamt FBI. Beamte des FBI befinden sich in Bagdad zur Untersuchung des Anschlags auf das UN-Hauptquartier.

Wie der US-Sender CNN meldete, wurden von Hakim, der nach dem Freitagsgebet vor der Imam-Ali-Moschee von einer Autobombe zerrissen wurde, erst sein Turban, ein Ring und eine Uhr gefunden worden. Die Trauerfeiern sollen deshalb voraussichtlich erst am Dienstag stattfinden. Ein Neffe des Getöteten, Sajed Mohsen Hakim, sagte, die Zeremonien würden in der Chadimija-Moschee in Bagdad beginnen. Der Leichnam würde dann nach Kerbela übergeführt und schließlich in der für die Schiiten heiligen Stadt Nadschaf beigesetzt werden. Für die Zeremonien in Nadschaf werden über eine halbe Million Trauernde erwartet.

Tausende von Trauernden zogen bereits am Samstag durch Nadschaf. Sie trugen die Särge der übrigen Toten und schlugen sich zum Zeichen der Trauer rhythmisch an die Brust. In Bagdad zogen Tausende von Demonstranten vor das Hauptquartier der Besatzungstruppen und riefen antiamerikanische Parolen. Der arabische Fernsehsender El Dschasira zitierte Funktionäre von Hakims Obersten Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), wonach bei dem Anschlag 126 Personen ums Leben gekommen sind.

El Dschasira meldete am Samstag weiter, in der Nähe des Tatortes vom Freitag sei ein weiteres Fahrzeug mit Sprengstoff entdeckt worden. US-Truppen seien für die Entschärfung herangezogen worden. Allerdings verweigerten die Schiiten den Amerikanern den Zutritt zum Anschlagsort und beriefen sich dabei auf religiöse Gründe. US- Präsident George W. Bush, der das Attentat auf das Schärfste verurteilte, sagte, er habe die Amerikaner im Irak angewiesen, eng mit den irakischen Sicherheitsbehörden und dem Provisorischen Regierungsrat zusammenzuarbeiten, um die Verantwortlichen für die Bluttat zu finden. Der Provisorische Regierungsrat in Bagdad rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Auch im benachbarten Iran, wo Bakr el Hakim 23 Jahre lang im Exil lebte, gilt eine dreitägige Staatstrauer.

Wegen der sich immer weiter verschlechternden Sicherheitslage wollen die Vereinten Nationen jetzt die meisten ihrer Mitarbeiter aus dem Irak abziehen. Von den derzeit 400 internationalen UN- Mitarbeitern soll nach Angaben des öffentlichen US-Rundfunks nur noch etwa jeder zehnte im Land bleiben. Die humanitären Aufgaben der UN, wie Verteilung von Lebensmitteln oder Gesundheitsfürsorge, würden aber weiter wahrgenommen und einheimischen Mitarbeitern übertragen, hieß es.

Eine Explosion in der Nähe des Hauptquartiers der britischen Truppen in der südirakischen Stadt Basra am Freitag war kein Werk von Terroristen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in London vom Samstag handelte es sich offenbar um einen Streit unter Irakern. Wie die BBC unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, war eine Granate oder Bombe aus einem Auto geworfen worden. Dabei waren zwei weitere Fahrzeuge beschädigt worden. Verletzt wurde niemand.

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