Kayseri vor der Kommunalwahl
„Das sind hier die türkischen Schwaben“

Anatolien gilt noch immer als rückständige Region. Doch die Industriestadt Kayseri korrigiert diese Vorstellung – zur Freude der ansässigen Unternehmer. Zugleich ist der Ort eine Hochburg der islamisch-konservativen AKP. Doch bei den Kommunalwahlen am Sonntag drohen der Regierungspartei auch in Kayseri Verluste.

KAYSERI. Es ist ein babylonisches Kauderwelsch, das Erdal Özkuzugüdenli zu hören bekommt, wenn er morgens durch seine Exportabteilung flaniert. Ein nüchtern eingerichteter Raum mit zwölf Schreibtischen. Ein Computer und ein Telefon stehen auf jedem Tisch. Acht junge Frauen nehmen pausenlos Gespräche an. "Guten Morgen. Ceha Büromöbel, Funda begrüßt Sie." "How can I help you?" "Ne quittez pas, Monsieur."

Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Türkisch, natürlich auch Türkisch. Wirr durcheinander, doch für Özkuzugüdenli klingt es beinahe wie Musik. Denn der Sprachwirrwarr bedeutet, dass das Geschäft läuft. Und wenn das gut läuft, dann läuft es auch gut für diese Gegend, in die er nach all den Jahren zurückgekommen ist, weil er glaubte, dass hier etwas zu bewegen ist, wovon das ganze Land etwas haben kann. Sein Land, die Türkei.

Özkuzugüdenli leitet die Exportabteilung von Ceha, einem Büro- und Metallmöbelhersteller mit Sitz im zentralanatolischen Kayseri. Die Firma produziert ausschließlich für Kunden aus dem Ausland.

"Wir sind die Einzigen in der Stadt, die das tun", sagt Özkuzugüdenli stolz. Sein Deutsch ist noch bestens. Er hat sieben Jahre lang in Baden-Württemberg gelebt. Dorthin hat sein Vater die Familie mitgenommen, als er als Gastarbeiter zu Daimler ging. Nach zwei Jahrzehnten und ein paar Jahren in Istanbul und Ankara ist er seit 1991 zurück in Kayseri. Arbeitet heute in leitender Position in einem Unternehmen mit 1 200 Mitarbeitern, das im letzten Jahr rund 50 Millionen Euro umgesetzt hat. Und er hat eine Mission.

Özkuzugüdenli führt den Gast aus Deutschland durch die Produktion, 65 000 Quadratmeter Fläche, es zischt und stampft. Besonders wichtig ist dem Exportmanager, dass der Gast die fünf teils blauen, teils beige-orangefarbenen, Hunderte Meter langen Lackieranlagen sieht, mit denen sie hier Schränke und Tische farbig gestalten, die bald in vielen deutschen Büros stehen werden. Und die vollautomatische Biegemaschine. Neueste Technik, Anschaffungspreis eine Million Euro. Eine finnisch-italienische Koproduktion. Kurzum: eine Firma auf dem neuesten Stand.

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