Kehrtwende der EU
Keine Förderung mehr für Getreide-Biosprit

Einen Engpass bei Lebensmitteln sollen Biokraftstoffe nicht auslösen. Die EU-Kommission will daher nun Biosprit aus Getreide nicht mehr fördern. Umweltverbände frohlocken, das Nachsehen haben die Produzenten.
  • 1

BrüsselIn einer Kehrtwende will sich die Europäische Union (EU) von Biokraftstoffen aus Getreide verabschieden und kommt damit Forderungen zahlreicher Umweltverbände nach. Einem Gesetzentwurf zufolge sollen die Subventionen für Sprit aus Raps, Mais oder anderen Rohstoffen der Nahrungsmittelproduktion bis zum Ende des Jahrzehnts ganz gestrichen werden. Ihr Anteil an den wegen ihrer klimaschonenden Wirkung geförderten Biotreibstoffe soll damit auf fünf Prozent begrenzt werden, heißt es in dem Entwurf der EU-Kommission, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag und der noch von den Mitgliedsstaaten und vom EU-Parlament beraten werden muss. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel hatte eine Wende seit Wochen gefordert und sprach daher am Dienstag von einem richtigen Schritt.

"Die Kommission ist der Ansicht, dass in der Zeit nach 2020 Biotreibstoffe nur gefördert werden sollen, wenn sie zu einer deutlichen Senkung der Treibhausgase beitragen und nicht aus Getreide hergestellt werden, die für Nahrungs- oder Futtermittel genutzt werden", heißt es in dem Entwurf, dem mehr als zweijährige Beratungen vorangingen. Mehreren von der EU darin zitierten Studien zufolge ist Biosprit aus Getreide lange nicht so klimafreundlich wie gedacht.

Zudem fällt die Ernte in diesem Jahr nach Dürren in wichtigen Anbauregionen wie in den USA schwach aus. Die Preise für Getreide sind drastisch gestiegen und haben Sorgen ausgelöst, der subventionierte Anbau von Sprit-Rohstoffen schüre einen Engpass bei Lebensmitteln.

Niebel lobte die Kehrtwende als einen "richtigen ersten Schritt". "Die Frage Tank oder Teller stellt sich natürlich weltweit", betonte der FDP-Politiker, der seit längerem einen Verzicht auf Treibstoffe aus Getreide fordert. Das federführende Umweltministerium wollte sich dagegen nicht äußern, da der Vorschlag dem Ressort noch nicht vorliege.

Umweltverbände verlangten von der Regierung, nun auch den nächsten Schritt zu gehen und das umstrittene Benzin E10 zu stoppen. Das dafür nötige Bioethanol richte ökologische und ernährungspolitische Kollateralschäden an, erklärte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Andere feierten den Kurswechsel als Durchbruch: "Endlich gibt auch die EU-Kommission offiziell zu: Agrosprit aus Palmöl und Sojaöl gefährdet das Klima", jubelte der Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter.

Seite 1:

Keine Förderung mehr für Getreide-Biosprit

Seite 2:

Herber Rückschlag für Produzenten

Kommentare zu " Kehrtwende der EU: Keine Förderung mehr für Getreide-Biosprit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wir sollten froh sein, daß die EU in dieser Angelegenheit endlich zur Vernunft zu kommen scheint!
    Mir kann auch niemand leid tun, der den Subventionen hinterher jammert. Spätestens nach der von heut auf morgen verordneten Zwangsabschaltung von Atomkraftwerken und damit einer Kapitalvernichtung von 50% für die Aktionäre, und bei dem Cut von Griechenlandanleihen für die Privatanleger, sollte jeder begriffen haben daß man sich von Investitionen auf die der Staat auch nur den kleinsten Einfluß ausüben kann, tunlichst fern hält.
    Ich kenne übrigens Bauern, die es ablehnen Agrarerzeugnisse zum Zwecke der Erzeugung von Kraftstoffen anzubauen. Das ist ein positives Beispiel, das auch mal genannt werden muß.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%