Kehrtwende in Rom
Berlusconi kapituliert

Die Krise ist abgewendet: Berlusconi gibt dem Druck aus den eigenen Reihen nach und unterstützt bei der Vertrauensabstimmung Ministerpräsident Letta. Es ist eine krachende Niederlage für den Cavaliere. Ein Kommentar.
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Ja, Nein, Doch, Doch nicht. Silvio Berlusconi spricht dem amtierenden Premierminister Enrico Letta das Vertrauen aus. Viel Lärm um nichts also? In diesen Tagen hat der verurteilte Anführer der PdL-Partei fast im Stundenrhythmus seine Strategie geändert. Erst am Montag ließ er seine Minister offiziell den Rücktritt einreichen.

Als er dann am Dienstag merkte, dass es einige Dutzend Parlamentarier ernst meinen mit der Abspaltung, lenkte er ein und ließ durchblicken, dass er vielleicht doch nicht die Regierung stürzt. Dann, am heutigen Mittwochmorgen wieder ein klares Nein zum Vertrauensvotum und Schelte für die Abtrünnigen und schließlich am Mittag, am Ende seiner Rede im Senat, die er eigentlich gar nicht halten wollte: ein Ja.

Während sich mit dem nun sehr wahrscheinlichen positiven Vertrauensvotum formell nichts an der Regierungskoalition ändert, ist es für Silvio Berlusconi eine tiefe Niederlage. Er musste eingestehen, dass er in seiner Partei nicht mehr die Gefolgschaft hat, auf die er sich zu stützen glaubte. Die Namen der Verräter – oder unabhängigen Köpfe – sind nun offiziell. Und dazu gehört auch der einstige Ziehsohn und Vizepremier Angelino Alfano. Ein schwerer Schlag für den einst Allmächtigen.

Berlusconi ist angeschlagen. Ob nun auch das Parlament ihm in den kommenden Tagen den Sitz offiziell entzieht, weil er als Verurteilter nicht mehr im Senat sitzen darf,  spielt dabei keine Rolle mehr. Das hätte innerhalb von wenigen Wochen ohnehin das Gericht erledigt. 

Berlusconi hat nicht umsonst seinen Wohnsitz in den Palazzo Grazioli nach Rom verlagert. Er hat sich innerlich schon auf den Hausarrest eingestellt. Aber er wollte eine öffentliche Protestaktion. Doch die entpuppte sich als öffentlicher Flop.

Aber auch für Letta ist es ein schlechtes Ergebnis. Die PdL hat sich nicht gespalten und Letta muss jetzt weiter mit Berlusconis Flügel regieren und nicht nur mit jenen, die ihm den Rücken kehren. Das wäre leichter gewesen.

Und wer weiß, wann Berlusconi das nächste Mal den Stecker ziehen will? Das kann er auch aus dem Hausarrest im Regieraum des Palazzo Grazioli.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Kehrtwende in Rom: Berlusconi kapituliert"

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  • Die Frage ist, ob Berlusconi etwas dafür erhalten hat. Falls ja, dann ist er der Sieger. Falls nein, dann geht er geschwächt daraus hervor. Ich tippe aber eher auf Fall 1.

    Die Eurofanatiker sind halt sehr erpressbar, wollen sie doch ihre Fehlkonstruktion "Euro" um jeden Preis behalten. Jetzt muss sich auch das italienische Gericht "bewegen", damit der "Euro" überlebt.

    Der Euro: Das Goldene Kalb!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • halte nicht dagegen
    ich bin dafür

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