Kehrtwende in Russland
Kreml überdenkt Gas-Transitvertrag mit Ukraine

Russland schreibt Ukraine als Gas-Transitland doch nicht ab. Trotz politischer Krise und neuer Pipeline-Pläne hält Putin eine Verlängerung des 2019 auslaufenden Gas-Transitvertrags für nicht ausgeschlossen.
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MoskauRussland erwägt eine Kehrtwende in seiner Gaspolitik: Der staatliche russische Energiekonzern Gazprom überdenkt sein Vorhaben, von 2019 an kein Gas mehr durch die Ukraine in die Europäische Union zu pumpen. "Wenn der Vertrag ausläuft, werden wir mit unseren ukrainischen Kollegen Gespräche über ein Transitabkommen führen", sagte Gazprom-Chef Alexej Miller überraschend am Freitag in Moskau.

Russlands Präsident Wladimir Putin habe diesen Schritt direkt angeordnet. Das Unternehmen werde jedoch "keinen unannehmbaren Transitvertrag" unterzeichnen. Gazprom hatte erst vor kurzem bekräftigt, den Gastransit durch die Ukraine nach Europa Ende 2019 einzustellen. Dann läuft nämlich ein Zehnjahresvertrag aus.

Gazprom setzte zuletzt auf den Bau der Pipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer bis zur türkisch-griechischen Grenze. Allerdings war das Vorhaben kürzlich auf Probleme gestoßen. Hintergrund der neuen Gasleitung ist der andauernde Disput zwischen Russland und der Ukraine.

Die Ukraine und Russland streiten seit Monaten über unbezahlte Rechnungen und höhere Preise. Das hatte zwischenzeitlich sogar zu einem Lieferstopp geführt. Turkish Stream gilt als Alternativ-Projekt für South Stream, das Russland Ende vergangenen Jahres aufgegeben hatte.

Die Ukraine bezieht rund die Hälfte ihres Gases aus Russland. Ihre Speicher sind derzeit zu rund 37 Prozent gefüllt. Zudem fließt etwa 40 Prozent des russischen Gases für die EU durch das Land.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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