Kein Ende der Gewalt
Katar will arabische Truppen in Syrien

Die Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien ist bald vorbei. Die Gewalt der Assad-Truppen gegen die Oppositionellen dauert weiter an. Der Emir von Katar plädiert nun für den Einsatz arabischer Truppen.
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Kairo/BeirutNach massiver Kritik an der Beobachtermission in Syrien ist aus den Reihen der Arabischen Liga erstmals die Forderung nach einem Einsatz arabischer Streitkräfte laut geworden. Zugleich machten am Wochenende syrische Deserteure mobil. Sie wollten einen Hohen Militärrat gründen, um größere Operationen gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad zu planen, berichtete der arabische Sender Al-Arabija. Allein am Sonntag starben bei Offensiven von Regimetruppen wieder mindestens 21 Menschen in den Protesthochburgen Idlib und Homs.

Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, sagte wenige Tage vor dem Ende der Beobachtermission der Liga im US-Sender CBS News, die arabischen Staaten sollten Soldaten einsetzen, um das Blutvergießen zu beenden. Katar leitet in der Liga den für die Syrien-Krise zuständigen Ausschuss. Das Golfemirat, das auch im Libyen-Konflikt früh auf der Seite der Rebellen gestanden hatte, verfügt selbst nur über eine sehr kleine Armee. Nach Informationen der Website Globaldefense.net haben die Katarer aktuell rund 11.800 Mann unter Waffen.

Der frühere Generalsekretär der Liga, Amre Mussa, schloss einen arabischen Militäreinsatz zum Schutz der Zivilbevölkerung in Syrien ebenfalls nicht aus. Der libanesischen Tageszeitung „Daily Star“ sagte der Ägypter am Rande einer Demokratiekonferenz in Beirut, die Liga werde sehr bald über den Vorschlag beraten, die derzeitige Beobachtermission durch arabische Truppen zu ersetzen.

Die Beobachter sind noch bis zum kommenden Donnerstag (19. Januar) im Land. Ihr Ziel, die Gewalt zu beenden, erreichte die Liga nicht. Vielmehr gingen die Angriffe auf die Opposition unvermindert weiter. Die Forderung nach einem arabischen Militäreinsatz dürfte dennoch keine Mehrheit finden. Schon die Einigung auf Sanktionen gegen das Regime von Assad wurde erst nach wochenlangen Diskussionen erreicht.

Eine militärische Intervention in einem arabischen Land würde zudem eine neue Entwicklung für die Organisation darstellen, deren Ziele die engere politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit sowie die Schlichtung innerarabischer Streitfälle sind.

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  • Das ist der Wahnsinn! Der Westen befindet sich in der ökonomische Krise und ausgerechnet jetzt erlauben sich die Amis einen neuen Kalten Krieg anzufangen. Die Russen haben doch militärische Stützpunkte in Syrien. Der Versuch Syrien zu destabilisieren gleicht dem Versuch der Russen Deutschland zu destabilisieren und die amerikanischen Stützpunkte zu kündigen. Es ist der Wahnsinn!

    Und die Türken transportieren die "Rebellen" aus Lybien nach Syrien und nennen sie "Deserteure". Die wollen doch nur die Kurden ausrotten.

    Wenn die Amis tatsächlich Syrien bekommen, dann kann das nur heissen, dass sie militärisch mindestens 15-25 Jahren den Russen im voraus sind.

  • Der Emir von Katar ist doch die Rate der Amerikaner. Und sein Al Jazeera ist der Fox News der arabischen Welt. Iran sollte doch klar sein, dass sobald die North Atlantic Terrorist Organization mit Syrien fertig ist, wird man selber dran sein.

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