„Kein endloser Dialog“
Bush will Kosovo-Unabhängigkeit

Ungeachtet der Einwände Russlands hat US-Präsident George W. Bush erneut die Unabhängigkeit für die südserbische Krisenprovinz Kosovo gefordert.

HB TIRANA. Der Uno-Sicherheitsrat müsse die Entscheidung für eine Unabhängigkeit des Gebiets zügig treffen, sagte Bush am Sonntag während eines Besuchs in Albanien. Sollte Russland einen Beschluss weiter blockieren, werde der Westen handeln.

„Unabhängigkeit ist das Ergebnis. Wir müssen diesen Prozess voranbringen“, sagte Bush in Tirana. Die USA bemühten sich weiterhin um eine Lösung im Rahmen der Vereinten Nationen, aber „wenn offensichtlich ist, dass eine Vereinbarung nicht relativ zügig zustande kommt, dann müssen wir nach meiner Einschätzung die Resolution vorantreiben. Das heißt: eine Frist setzen.“

Präsident Wladimir Putin hat Fortschritte in der Frage zuletzt beim G-8-Gipfeltreffen in Heiligendamm blockiert. Er pocht auf eine Lösung, die von seinen serbischen Verbündeten akzeptiert wird, und droht mit einem Veto im Sicherheitsrat. Serbien wehrt sich gegen eine Abspaltung des Uno-verwalteten Gebiets und ist maximal zu einer weitgehenden Autonomie bereit.

Bush warnte zugleich vor den Folgen, wenn die Erwartungen der albanischen Bevölkerungsmehrheit im Kosovo nicht erfüllt würden. Die Regierung der von der Nato gesicherten Provinz drohte zuletzt damit, ihren eigenen Weg zu gehen und die Unabhängigkeit ohne internationale Unterstützung auszurufen.

Putin äußerte sich dagegen zufrieden damit, dass der G-8-Gipfel in der Kosovo-Frage keine Fortschritte erzielt hat. „Ich informiere sie mit Freude über die Ergebnisse der Diskussion über das Problem innerhalb der G-8“, sagte er am Samstag dem serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica, den er am Rande eines Wirtschaftsforums in St. Petersburg traf. „Ich muss sagen, unsere Haltung läuft der unserer G-8-Kollegen zuwider. Aber ich habe den Eindruck, dass unsere Argumente endlich ernst genommen werden.“

Albanien gehört zu den engsten Verbündeten der USA, seit der damalige US-Präsident Bill Clinton sich in der Nato dafür eingesetzt hat, die serbische Offensive gegen den Kosovo 1999 mit Luftangriffen zu stoppen. Der Besuch in Tirana war die vorletzte Station von Bushs Europa-Reise, die am Montag in Bulgarien enden soll.

Anders als in Sofia oder der italienischen Hauptstadt Rom wurde der US-Präsident in Tirana nicht mit Protesten, sondern mit einem 21-schüssigen Salut empfangen. Die Stadt war mit US-Flaggen und großformatigen Porträts des US-Präsidenten geschmückt. Während die Proteste in Bulgarien am Samstag friedlich blieben, kam es in Rom zu Ausschreitungen. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter auch Polizisten. Bush stattete außer Ministerpräsident Romano Prodi auch erstmals Papst Benedikt XVI. einen Besuch ab. Das römisch-katholische Kirchenoberhaupt drängte Bush zu einer Verhandlungslösung im Nahost-Konflikt, die die ganze Region einbezieht.

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