Kein Geld für Helfer
Schröder drängt auf mehr Nato-Hilfe für Afghanistan

Angesichts der schleppenden Bereitstellung von Soldaten und Gerät hat Bundeskanzler Gerhard Schröder die anderen Nato-Mitglieeder zu mehr Engagement in Afghanistan gedrängt.

HB ISTANBUL/BERLIN. Die Allianz stehe mit Blick auf die für den Herbst geplanten Wahlen und der weiter schwierigen Sicherheitslage im Wort, mehr Truppen zu entsenden, sagte Schröder zum Abschluss eines Nato-Gipfels am Dienstag in Istanbul. Allerdings stößt auch die geplante Ausweitung des deutschen Einsatzes in Nordafghanistan auf Hindernisse, da das Entwicklungshilfeministerium in Berlin dafür wegen Geldmangels bislang keine Helfer bereitstellen kann.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai forderte die NATO beim Gipfel in Istanbul eindringlich auf, rasch mehr Soldaten für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes zu entsenden. Afghanistan sei noch immer auf internationalen Schutz angewiesen. Karsai rief der Allianz zu: „Bitte beeilen Sie sich.“ Er zog eine positive Bilanz des bisherigen Wiederaufbaus. Auch die Vorbereitung der Wahlen laufe erfolgreich. Es seien bereits 5,2 Millionen Wähler in nur knapp zwei Monaten registriert worden.

Schröder betonte, die Verstärkung der militärischen Hilfe sei eine Frage der Glaubwürdigkeit. „Liefern wir, wenn terroristische Regime überwunden sind?“, sagte der Kanzler. „Das werden wir in Afghanistan unter Beweis zu stellen haben.“ Das deutsche Engagement sei außerordentlich. „Wir tun mehr als der ein oder andere, der lauter darüber redet.“ Seine Regierung habe nicht vor, den Einsatz über das vom Bundestag beschlossene Mandat für 2300 Soldaten auszuweiten.

Suche nach Hilfe gestaltet sich schwierig

Derzeit stehen etwa 6300 Soldaten aus 36 Ländern in Afghanistan. Am Montag hatte die Allianz beschlossen, den Wahlprozess mit zusätzlichen Soldaten abzusichern. NATO-Kreise sprachen davon, die Truppe zeitweise auf 10 000 Soldaten zu vergrößern.

Zur Entsendung von zivilen Helfern sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in Berlin, sie sei „gern bereit, neue Mitarbeiter nach Feisabad“ zu schicken. „Ich habe dafür aber keine Haushaltsmittel.“ Deutschland sei zusammen mit der angesehenen islamischen Aga Khan-Stiftung in der Region aktiv, um für die Bauern Alternativen zum Schlafmohnanbau zu entwickeln.

Die Bundesregierung hat zugesagt, neben dem Wiederaufbauteam im nordafghanischen Kundus ein weiteres in Feisabad in der Provinz Badachschan einzurichten. Aber bereits die Suche nach Nationen, die sich militärisch beteiligten, gestalte sich schwierig.

Trotz der jüngsten Anschläge auf Hilfsorganisationen und Uno- Wahlhelfer denkt die Bundesregierung nach den Worten von Wieczorek- Zeul „in keiner Weise“ über einen Rückzug aus Afghanistan nach. „Dies wäre das falsche Signal und würde terroristischen Kräften Vorschub leisten.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%