Kein Geldregen nach dem Staatsbesuch

Macrons Mini-Deals in China

Kein großer Wurf in China: Für die französische Wirtschaftsdelegation fällt die China-Reise ernüchternd aus. Präsident Macron konnte die erhofften Milliardengeschäfte nicht an Land ziehen – Airbus dürfte enttäuscht sein.
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Emmanuel Macron Quelle: AFP
Emmanuel Macron

Magere Ausbeute: Der französische Präsident konnte in China nicht die erhofften Milliardendeals abschließen.

(Foto: AFP)

Paris, PekingDie wirtschaftliche Bilanz des Besuchs von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron in China ist bislang überschaubar. Die Zahl der tatsächlich unterzeichneten Deals war geringer als erwartet. Wenn man bedenkt, dass in Macrons Entourage unter anderem 50 Geschäftsleute von Großunternehmen mitgeflogen sind, ist dies enttäuschend.

Der Nuklearspezialist New Areva unterzeichnete lediglich ein Memorandum mit seinem chinesischen Partner CNNC, wonach die seit zehn Jahren laufenden Verhandlungen über den Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage für ausgediente Brennstäbe „so schnell wie möglich“ abgeschlossen werden sollen. Ziel sei es, 2018 zu unterschreiben und das Projekt dann zu starten. Mit Airbus kam nur ein Memorandum für die Ausweitung der Produktion im Werk Tianjin von vier auf sechs Flugzeuge pro Monat zustande. Gleichzeitig wurde vereinbart, die Zusammenarbeit bei technologischen Innovationen und im Bereich Maschinenbau zu verstärken sowie mehr chinesische Produkte zu beziehen.

Eigentlich wollte Airbus mehr verkaufen. Doch die Order über 100 Flugzeuge im Wert von rund zehn Milliarden US-Dollar (8,3 Milliarden Euro), die von französischer Seite vor dem Besuch in Aussicht gestellt wurde, kam nicht zustande – zumindest bislang. Dabei gehören Kaufverträge zum chinesischen Standardprogramm beim Empfang eines wichtigen Staatsoberhauptes. Während seiner Visite in Peking konnte Trump einen Rahmenvertrag zwischen China und Boeing für 300 Flieger im Wert von 37 Milliarden US Dollar unterzeichnen, 2015 konnte Angela Merkel während ihres Besuchs 130 Airbusse für 17 Milliarden US Dollar an China verkaufen. Während seines Deutschland-Besuchs im Sommer 2017 unterzeichnete wiederum der chinesische Staatspräsident Xi Jinping einen Vertrag für 140 Airbus-Flieger im Wert von 23 Milliarden US Dollar. Und als er 2015 Macrons Vorgänger Hollande besuchte, hatte der chinesische Staatsmann eine Order über 70 Airbus-Maschinen im Gepäck.

„Die Gespräche haben noch nicht zu einem unterschriftsreifen Vertrag geführt, unsere Deals richten sich nach den Gesprächen mit unseren Kunden über deren Bedarf, nicht nach den Terminen von Staatsbesuchen“, hießt es etwas schnippisch bei Airbus. Über eine mögliche chinesische Order für den Riesenjumbo A380 im Gegenzug für Airbus-Aufträge an China wird noch gesprochen. Der A380 ist zwar bei den Fluggästen beliebt, aber kommerziell bislang nicht erfolgreich.

Andere Partnerschaften wurden direkt fixiert. Der chinesische Alibaba-Konkurrent JD.com will in Frankreich ein Logistikzentrum aufbauen, von dem aus in den kommenden zwei Jahren französische Waren im Wert von zwei Milliarden Euro nach China geliefert werden sollen.

Der Versorger EDF, der seinen Chef Jean-Bernard Lévy nach China geschickt hatte, gab lediglich zwei kleinere Aufträge bekannt: den Bau eines Biomasse-Kraftwerks und die Versorgung eines Tourismuszentrums mit Kalt- und Heißwasser. Immerhin freut EDF sich darüber, dass der seit 2007 in Taishan im Bau befindliche Druckwasserreaktor (EPR) in den nächsten Monaten ans Netz gehen soll. Damit wird er als erster Reaktor der dritten Generation die Stromerzeugung aufnehmen. Ein drei Jahre zuvor in Flamanville in Frankreich begonnener, baugleicher Typ ist noch immer eine Baustelle. In Finnland ist ein gleiches Projekt zum finanziellen und juristischen Desaster geworden. China gibt den französischen Nuklearspezialisten deshalb neue Hoffnung, zumal sie schneller sind als die US-Konkurrenz von Westinghouse. Allerdings werden die Chinesen das gewonnene Wissen nun nützen, um ihren eigenen EPR zu bauen.

Wegen der chinesischen Handels- und Investitionsoffensive in Europa verläuft die Visite nicht spannungsfrei. Der mit Macron angereiste Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire sagte bei einem Essen mit Journalisten, er habe in den vergangenen Monaten zahlreiche chinesische Investitionsvorschläge abgelehnt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wenn Investoren lediglich Zugang zur besten Technologie suchen, ohne Frankreich oder Europa zu nützen, dann sind sie nicht willkommen“, stellte der Minister fest.

Per Twitter postete Macron ein Video von sich im Gespräch mit Alibaba-Gründer Jack Ma, zu dem er auf Englisch sagte: „Frankreich ist wieder da, und mit Frankreich ist auch Europa wieder da.“ Das Land sei bereit, als Eintrittspunkt nach Europa zu dienen.

Bei einer Grundsatzrede am Montag hatte Macron hervorgehoben, er suche „ein neues Gleichgewicht“ mit China. Europa wolle mit der Großmacht kooperieren. Die von Staats- und Parteichef Xi Jinping energisch und mit Milliardenaufwand vorangetriebene Neue Seidenstraße dürfe aber nicht „zu Hegemonie oder dem Entstehen von Vasallenstaaten“ führen. In Afrika, wo China stark investiert, solle man „nicht die Fehler des Kolonialismus wiederholen“.

Möglicherweise sind den chinesischen Führern diese Bemerkungen wie Gräten im Hals stecken geblieben.

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