Kein Prozess
Niederländer müssen Piraten laufen lassen

Die niederländische Marine hat 13 somalische Piraten nach mehrwöchiger Haft an Bord eines ihrer Kriegsschiffe freigelassen, weil kein Land der Region ihnen den Prozess machen wollte. Die niederländische Regierung zeigte sich auch über die EU enttäuscht.
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HB AMSTERDAM/MANILA. Es sei enttäuschend, dass alle Bemühungen scheiterten, die Seeräuber vor Gericht zu bringen, erklärte der niederländische Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop am Freitag.

Man habe die Europäische Union mehrfach aufgefordert, gemeinsam mit afrikanischen Partnerländern eine Lösung zu finden. Um die planmäßige Abfahrt der Fregatte „Evertsen“ zur Heimkehr in die Niederlande nicht zu verzögern, habe man die Piraten schließlich am Donnerstag vor der Küste des Kleinstaates Dschibuti in unmittelbarer Nachbarschaft zu Somalia ausgesetzt.

Zuvor hatten Kenia und die Seychellen die Aufnahme der 13 Männer verweigert, obwohl sie mit der EU Abkommen zur Strafverfolgung mutmaßlicher Seeräuber geschlossen haben. Auch Tansania winkte ab. Dieses Land war gefragt worden, weil die Piraten zwei tansanische Fischer als Geiseln genommen hatten, ehe sie von den Niederländern gefangen genommen wurden. Die MS „Evertsen“ hatte das Schiff der Piraten am 2. Dezember 150 Seemeilen südlich von Oman aufgebracht. Kurz zuvor hatten sie vergeblich versucht, ein Handelsschiff zu kapern.

Auch der niederländische Außenminister Maxime Verhagen bedauerte, dass der Angriff auf das Handelsschiff und die Geiselnahme der Fischer nun nicht strafrechtlich verfolgt werden. Er verwies zugleich darauf, dass ein Vorschlag der Niederlande zur Einrichtung eines internationalen Sondergerichtshofes zur Verfolgung der Piraterie bei der Staatengemeinschaft keine ausreichende Unterstützung gefunden habe.

Nach über einem Monat in der Gewalt somalischer Piraten ist ein griechisches Handelsschiff mit 21 Mann Besatzung wieder frei. Die 14 philippinischen Seeleute an Bord seien bei guter Gesundheit, teilte das Außenministerium in Manila am Freitag mit. Die „MV Delvina“, die am 5. November vor Somalia gekapert worden war, sei auf dem Weg nach Mombasa. Ob für die Freigabe des Frachters am Donnerstagabend ein Lösegeld gezahlt wurde, blieb unklar.

Kommentare zu " Kein Prozess: Niederländer müssen Piraten laufen lassen"

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  • @ Rainer Repke
    Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde und noch mehr in der Weltpolitik, die sich unserer Vorstellungskraft bisher entzogen.
    Moderne Demokratien erweisen sich inzwischen so schwach, daß sie geradezu Gangster und Piraten zu ihrer Tätigkeit herausfordern. Unsere Soldaten müssen sich zunehmend vera...t vorkommen. Und das wegen der Zunahme der "Gutmenschen" in den Demokratien. Meist sind das solche Menschen, die ferne vom normalen Leben sind.

  • kann man nur noch staunen. Wozu schicken wir erst Kriegsschiffe dahin, die den Steuerzahler hunderte von Millionen kosten und dann laesst man die Piraten laufen? Das ist eine massive Verschwendung von Steuergeldern. Und den Marinesoldaten macht das sicher auch keinen Spass.

    Und sicher sich jetzt der eine oder andere Somalier: warum nicht Pirat werden?

    Unglaublich.

    Euer
    Rainer Repke

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