Kein Rettungsschirm
Spanien vertraut noch auf die eigene Kraft

Das Land will partout nicht unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. Dabei benötigt Spanien von der EU Geld für die Sanierung seiner Banken. Doch es überwiegt die Angst vor den „Herren in Schwarz“ - und der Stolz.
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Madrid/FrankfurtSpanien fürchtet die „Herren in Schwarz“. Damit sind die Sparkommissare der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Weltwährungsfonds (IWF) gemeint. Die Delegierten der „Troika“ prüfen in jenen Ländern, die Hilfen aus den Euro-Rettungsfonds in Anspruch genommen haben, ob die vereinbarten Sparbeschlüsse eingehalten werden. „Die Herren in Schwarz werden nicht nach Spanien kommen“, sagt der Madrider Finanzminister Cristóbal Montoro. Ohnehin sei eine Rettungsaktion für Spanien allein wegen der Größe des Landes „technisch unmöglich“.

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone glaubt offenbar noch hartnäckig an die eigene Stärke. Dabei benötigt das Land Hilfen, um einen Zusammenbruch maroder Banken zu verhindern. Allein Bankia, das viertgrößte Geldinstitut in Spanien, will vom Staat für seine Sanierung insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro. Emilio Botín, Präsident der Großbank Santander, bezifferte den Bedarf der spanischen Geldhäuser auf insgesamt 40 Milliarden Euro.

Dennoch: Es gebe keine konkreten Pläne, um Hilfen für die angeschlagenen Banken zu bitten, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Mittwoch. Zuvor wolle man die Berichte der Beratungsunternehmen Roland Berger und Oliver Wyman abwarten. Die Ergebnisse werden in den kommenden zehn bis 15 Tagen erwartet. "Danach wird die spanische Regierung die Entscheidungen treffen, die zur Rekapitalisierung der Institutionen nötig sind", zitierte die Tageszeitung "El País" de Guindos.

Auch die EU-Kommission trat der Auffassung entgegen, Spanien stehe unmittelbar vor dem Sprung unter den Rettungsschirm. Vor einer möglichen Entscheidung werde Madrid zunächst den Finanzbedarf der strauchelnden Banken ermitteln, sagte Kommissionssprecher Amadeu Altafaj-Tardio. Erst wenn die genauen Zahlen auf dem Tisch lägen, könnten Diskussionen über ein mögliches Hilfsprogramm beginnen.

Der Staat, der selbst mit Schulden kämpfen muss, hat das Geld für die Bankenhilfe nicht in der Kasse. Er kann es sich auch nicht auf den Kapitalmärkten besorgen, weil Spanien dort keine Kredite zu erschwinglichen Bedingungen erhält. Das räumte Finanzminister Cristobal Montoro selbst ein: "Die Tür zu den Märkten steht Spanien nicht offen". Ministerpräsident Mariano Rajoy verlangte von der EU die Schaffung einer Bankenunion und die Ausgabe von Euro-Bonds. Europa müsse jene unterstützen, die in Schwierigkeiten sind, sagte Rajoy bei einer Sitzung des spanischen Senats. Er erwähnte aber nicht, dass dies allenfalls Vorhaben für die Zukunft sein können, die aber Spaniens Banken in der aktuellen Krise nicht weiterhelfen.

Auf Dauer seien die hohen Zinsen, die Spanien derzeit an den Märkten bezahlen muss, nicht tragbar, sagte auch der Sprecher von Währungskommissar Olli Rehn. Allerdings sehe er nicht, das Madrid vom Markt abgeschnitten sei. Er verwies darauf, dass die Regierung am (morgigen) Donnerstag frisches Geld aufnehmen wolle. "Wir müssen die Ruhe bewahren", so Altafaj-Tardio.

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  • "Spanien vertraut noch auf die eigene Kraft"

    Wie kann man eine solche Überschrift wählen, wenn Spanien nach einer Bankenunion ruft und deutsche Sparer für spanische Banken haften sollen?

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