„Kein Terrorismus“
Irakische Regierung spielt Massenentführung herunter

Die irakische Regierung hat sich am Mittwoch bemüht, die Massenentführung aus dem Bildungsministerium herunter zu spielen. Zudem behauptet sie, die Mehrheit der Gekidnappten sei inzwischen wieder frei. Belege indes sind die Mangelware.

HB BAGDAD. Es handele sich bei der Geiselnahme nicht um Terrorismus, sondern um einen Konflikt rivalisierender Milizen, sagte Ministerpräsident Nuri Al-Maliki in einer vom Fernsehen ausgestrahlten Erklärung. Die Entführung, über deren Ausmaß weiter Unklarheit herrschte, verstärkt den Druck auf den Regierungschef, gegen sunnitische und schiitische Milizen vorzugehen.

In einer Rede in der Bagdader Universität sagte Maliki, die Hochschulen blieben geöffnet und sollten frei sein von religiösen Einflüssen. Seine Worte zielten darauf ab, Sorgen von Wissenschaftlern über ihre Sicherheit zu zerstreuen. In der Vergangenheit waren wiederholt Hochschullehrer von Attentätern umgebracht worden.

Bewaffnete Männer in Polizeiuniformen hatten am Dienstag ein Gebäude des Bildungsministeriums gestürmt und Dutzende Mitarbeiter sowie Besucher verschleppt. Nach wie vor gehen die Aussagen über die Zahlen der Geiseln weit auseinander. Ein Mitarbeiter Malikis sprach von etwa 40 Verschleppten, deren Mehrheit wieder freigelassen worden sei. Angaben eines Regierungssprecher zufolge wurden 70 Menschen entführt. Das Bildungsministerium bekräftigte dagegen, es seien mindestens 100 Männer als Geiseln genommen worden. 40 von ihnen seien inzwischen frei gekommen.

„Sie schlugen uns, sie beleidigten uns und dann ließen sie uns laufen“, zitierte der Ministeriumssprecher einen freigelassenen Hausmeistergehilfen. Ein von Schiiten betriebener Fernsehsender berichtete, 25 Menschen seien noch vermisst. Nach der offenbar minutiös geplanten Geiselnahme wurden nach Angaben des Innenministeriums fünf Polizeiführer festgenommen und verhört. Augenzeugen hatten berichtet, die Polizei habe der Entführung tatenlos zugesehen.

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