Kein Zeitplan für Truppenabzug
Bush und Blair gestehen Fehler in der Irak-Politik ein

US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair haben Fehler in ihrer Irak-Politik eingeräumt. Nach ihrem Treffen am Donnerstag in Washington bezeichnete Bush den Skandal um die Misshandlung von Insassen im Gefängnis Abu Ghraib als „den größten Fehler, der bisher passiert ist“.

HB WASHINGTON. Zudem habe er sich bei Äußerungen im Zusammenhang mit dem Irak wiederholt im Ton vergriffen. Beide Politiker vermieden es, einen Zeitplan für den Abzug ihrer Soldaten aufzustellen. Stattdessen warben sie um internationale Unterstützung für die neue irakische Regierung.

Die USA hätten lange für Abu Ghraib bezahlen müssen, erklärte Bush weiter. In dem Gefängnis bei Bagdad hatten unter anderem US-Soldaten irakische Häftlinge gefoltert. Fotos von misshandelten Insassen verursachten 2004 einen internationalen Skandal.

Auch die Art seiner Äußerungen zum Irak-Krieg bewertete Bush nun kritisch. Im Juli 2003 hatte er auf eine Frage nach dem beginnenden Widerstand der Aufständischen geantwortet: „Lasst sie nur kommen.“ Dieser harte Ton sei die falsche Botschaft gewesen. „Ich habe meine Lektion gelernt, wie ich mich etwas vornehmer ausdrücke“, sagte Bush. „'Wanted, dead or alive' - diese Art Äußerungen - ich denke, in bestimmten Teilen der Welt wurde dies falsch verstanden.“

Blair sagte, die Anstrengungen, Gefolgsleute des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein aus der Armee zu entfernen, seien nicht ausreichend gewesen. Es sei leicht, über die Fehler zu sprechen, die gemacht worden seien, ergänzte der Premierminister. „Aber der Hauptgrund, warum der Irak so schwierig ist, ist die Entschlossenheit unserer Gegner, uns zu bezwingen.“

Ihre Hoffnung im Kampf gegen die Rebellen setzen Bush und Blair auf die neue irakische Regierung unter Ministerpräsident Nuri al-Maliki. „Es ist unsere Pflicht, aber es ist auch die Pflicht der gesamten Staatengemeinschaft, sich hinter diese Regierung zu stellen und sie zu unterstützen“, sagte Blair.

Er und Bush ließen es aber offen, wann sie die 140 000 Soldaten ihrer Länder aus dem Irak abziehen werden. „Zuallererst werden wir mit unseren Partnern im Irak, der neuen Regierung, zusammenarbeiten, um den besten Weg zum Ziel zu ermitteln, dass der Irak sich selbst regieren und verteidigen kann“, sagte Bush.

Maliki erklärte am Mittwoch, dass die irakische Polizei und Armee bis Dezember 2007 selbst für Sicherheit sorgen könnten. Allerdings seien weitere Rekruten, mehr Training und mehr Ausrüstung notwendig. Blair bezeichnete dies möglich.

Die USA und Großbritannien haben zur Bedingung für den Abzug ihrer Soldaten gemacht, dass der Irak selbst für Ruhe im Land sorgen kann. Experten bezweifeln allerdings, ob die noch unerfahrenen irakischen Sicherheitskräfte in den Konflikten zwischen verschiedenen politischen und religiösen Gruppen des Landes, das sich am Rande eines Bürgerkriegs bewegt, die Oberhand behalten können. Bush und Blair stehen innenpolitisch unter Druck, den Truppenabzug so schnell wie möglich zu beginnen. Nach drei Jahren Krieg im Irak sind dort mehr als 2400 US-Bürger ums Leben gekommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%