Keine Bewegung an den Märkten
Wirtschaft hakt die Duma-Wahl ab

Die Wirtschaft hat die Parlamentswahl in Russland abgehakt. Ein Kursfeuerwerk an den Aktienmärkten blieb nach dem klaren Sieg der Präsidentenpartei „Einiges Russland“ aus. Jetzt rätseln die Investoren, welche Konstellation sich nach der Präsidentschaftswahl ergibt.

tom / fo MOSKAU/DÜSSELDORF. Ein Kursfeuerwerk war es nicht gerade, als am gestrigen Montagmorgen die Märkte in Moskau öffneten. Sowohl der Dollar-basierte RTS-Index als auch sein Rubel-Pendant Micex meldeten ein leichtes Minus zu den Schlusskursen am Freitag. Die Analysten in der russischen Hauptstadt sind sich einig: Der klare Gewinn der Präsidentenpartei „Einiges Russland“ ist schon lange „eingepreist“.

Die Märkte würden jetzt vor allem auf die Vorbereitungen zur Präsidentschaftswahl im März blicken, meint Jörg Bongartz, Chef der Deutschen Bank in Russland. Solange noch nicht feststeht, wer Putin nachfolgen und welche Rolle dieser in Zukunft im Land übernehmen werde, erwartet Bongartz kaum Bewegung an den Aktienmärkten.

Der deutsche Energiekonzern Eon setzt offensichtlich auf Kontinuität im größten Land der Erde – „sonst hätten wir uns nicht zu diesem Milliarden-Investment entschlossen“, sagte Eon-Chef Wulf Bernotat dem Handelsblatt. Eon hat erst vor wenigen Wochen für mehr als vier Milliarden Euro einen der größten Kraftwerksbetreiber in Russland gekauft. Zudem ist der Konzern mit 6,5 Prozent am russischen Gasriesen Gazprom beteiligt.

„Russland ist in den letzten Jahren selbstbewusster geworden“, sagt Bernotat. Das Land besinne sich zunehmend auf seine Reichtümer und Stärken, z. B. bei den Ressourcen. Der Markt, so Bernotat, „ ist attraktiv und bietet vor allem großes Potenzial, natürlich aber auch Risiken, wie jeder andere Markt auch“. Den Ausgang der Wahlen selbst will der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Energiekonzerns nicht kommentieren. Das sei Aufgabe der Politik.

Vor allem für ausländische Wirtschaftsvertreter in Russland ist Putin ein Garant für Stabilität im Land. „Die Investoren hoffen nun, im Laufe des Monats mehr Klarheit darüber zu bekommen, wie es politisch weitergeht“, meint Christopher Weafer, Chefstratege bei der russischen Bank Uralsib. Natürlich stehe noch die Frage im Raum, ob und wann Putin ein „Comeback“ als Präsident anstrebe. Die Kritik an der Art und Weise, wie die Wahlen durchgeführt wurden, dürfte mittelfristig aber verstummen.

Frank Schauff, Chef des europäischen Unternehmensverbandes AEB in Russland, sieht die kommenden Monate mit Gelassenheit: „Unsere Unternehmen erwarten keine negativen politischen Überraschungen“. Die Gefahr, dass Putin als nun legitimierter „nationaler Führer“ ein konkurrierendes Machtzentrum zum neuen Präsidenten aufbaue, sieht er jedenfalls nicht.

Allerdings gibt es auch Unternehmer, die die Situation kritischer beurteilen. Mit Namen zitieren lassen wollen sie sich allerdings nicht. „Solange der Staat weiterhin viel Geld einnimmt, bleiben die Problemfelder überdeckt“, sagt ein deutscher Manager. Er sehe weniger die Gefahr eines internen Machtkampfes als ein Verkrusten der staatlichen Strukturen – mit dem Effekt, dass wichtige Reformen auf der Strecke blieben. Mit Sorge betrachtet er auch die Rolle der staatlichen Industriekonglomerate, die in Putins Regierungsjahren immer mehr an Einfluss gewonnen hätten: „Werden die effizient arbeiten? Wahrscheinlich nicht.“ Dem Investitionsklima sei dies nicht sehr zuträglich.

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