Keine Empfehlung
Bayrou will vor Frankreich-Stichwahl kein Königsmacher sein

Vor der Stichwahl um die französische Präsidentschaft hat der Drittplatzierte der ersten Runde, der Zentrumspolitiker Francois Bayrou, eine Rolle als Königsmacher öffentlich ausgeschlagen: Weder mit Nicolas Sarkozy noch mit Ségolène Royal habe Frankreich eine gute Zukunftsperspektive.

rut/HB PARIS. Am Mittwoch sagte Bayrou, er werde seinen Anhängern keine Empfehlung geben, wen sie am 6. Mai wählen sollten. Mit Sarkozy habe er Probleme wegen des autoritären politischen Stils des Kandidaten der Rechten. Bei Ségolène Royal störe ihn das Wirtschaftsprogramm. Die Sozialistin glaube immer noch daran, dass der Staat alle Probleme lösen könne. Bayrou war im ersten Wahlgang am Sonntag auf dem dritten Platz gelandet und damit ausgeschieden, obwohl er ebenfalls einen sehr hohen Stimmenanteil von über 18 Prozent erreicht hatte. Seitdem versuchen Royal und Sarkozy, Bayrou und seine Wähler auf ihre Seite zu ziehen: Bei der Stichwahl gilt als entscheidend, welcher Kandidat mehr Mitte-Wähler gewinnen kann.

In einer Umfrage zeichnet sich ab, dass die Mehrheit des Mitte-Lagers Royal zuneigt: 46 Prozent von Bayrous Wählern unterstützten die linke Kandidatin, stellte das Meinungsforschungsinstitut TNS Sofres in einer Umfrage fest. 25 Prozent der Befragten haben sich demnach für Sarkozy entschieden. 29 Prozent seien noch unentschlossen.

Zugleich kündigte Bayrou an, seine zentristische UDF aufzulösen und sie unter dem vorläufigen Namen „Demokratische Partei“ neu zu formieren. „Sehr viele Franzosen wünschen sich eine neue politische Kraft“, sagte Bayrou. Damit solle allen Franzosen eine Plattform geboten werden, die eine „neue, unabhängige Politik“ wollten. Die UDF war 1978 von dem damaligen Staatspräsidenten Valery Giscard d'Estaing aus der Taufe gehoben worden.

Bayrou ergänzte, seine neue Partei werde dafür kämpfen, die Gewaltenteilung in Frankreich zu stärken. Außerdem wolle sie Frankreich mit Europa zu versöhnen. Bayrou geht mit der Parteigründung ein großes Risiko ein, denn die Parlamentswahlen stehen unmittelbar bevor. Das französische Mehrheitswahlrecht gibt kleinen Parteien keine Chance. Die wenigen Parlamentssitze von Bayrous alter Partei UDF sind dem Wohlwollen der Sarkozy-Partei UMP zu verdanken. Viele UDF-Abgeordnete fürchten nun, ihre Abgeordnetenmandate zu verlieren.

Bayrous Partei UDF ist eigentlich ein traditioneller Partner der Konservativen. Elf der 29 Parlamentsabgeordneten der Partei haben der Zeitung zufolge bereits ihre Unterstützung für Sarkozy erklärt. Diese Positionierung gilt auch als taktischer Schachzug vor den im Juni anstehenden Parlamentswahlen. Dort könnte das wegen des Mehrheitswahlrechts eigentlich fast chancenlose kleine zentristische Lager in einzelnen Wahlkreisen von Absprachen mit den Neogaullisten Sarkozys profitieren.

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