Keine Entwarnung der Regierung
Belgische Ermittler fassen sechsten Terrorverdächtigen

Im Zusammenhang der Attentate von Paris und Brüssel haben belgische Ermittler am Samstag bei einer Razzia einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Doch die belgischen Behörden geben noch immer keine Entwarnung.

BrüsselIm Zusammenhang der Attentate in Paris und Brüssel wurde am Samstag bei einer erneuten Razzia ein weiterer Verdächtiger festgenommen. Das gab das Justizministerium in Brüssel bekannt. Damit erhöht sich die Zahl der seit Freitag festgenommenen Terror-Verdächtigen auf sechs.

Es handele sich um einen früheren Syrien-Kämpfer, der erst vor kurzem aus der Haft entlassen worden sei. Der Mann habe eine elektronische Fessel getragen, sagte Justizminister Koen Geens der Nachrichtenagentur Reuters.

Nach den Festnahmen von Freitag und Samstag geben die belgischen Behörden keine Entwarnung. Die jüngsten Erfolge seien zwar positiv, sagte Ministerpräsident Charles Michel am Samstag. „Aber wir wissen, dass wir wachsam und vorsichtig bleiben müssen“, fügte er bei einer Pressekonferenz hinzu.

Die Festnahmen der Terrorverdächtigen in Belgien haben neue mögliche Verbindungen zwischen den Terroranschlägen von Paris und Brüssel offenbart. Nach Wochen der Spekulationen über einen mysteriösen „Mann mit Hut“ vom Flughafen Zaventem ermitteln die Behörden, ob es sich bei dem Gesuchten um den festgenommenen Mohamed Abrini handelt. Der 31-Jährige ist gleichzeitig der letzte identifizierte Verdächtige, der nach der Pariser Terrorwelle vom 13. November noch auf freiem Fuß. Unter den Festgenommenen ist laut belgischen Ermittlern auch ein Helfer des Attentäters in der Brüsseler U-Bahn.

Die Festnahmen sind ein Erfolg für die belgischen Behörden, denen seit längerem monatelange Ermittlungsfehler vorgeworfen werden. In ihrem Land gilt trotz des Ergreifens mehrerer Verdächtiger weiterhin die zweithöchste Terrorwarnstufe, was bedeutet, dass ein weiterer Anschlag als wahrscheinlich angesehen wird.

Am 22. März hatten sich in Brüssel zwei Terroristen am Flughafen und mindestens ein weiterer in der U-Bahn in die Luft gesprengt und 32 Menschen getötet. Dazu bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat. Auf Bildern aus der U-Bahn ist ein Mann im Gespräch mit dem späteren Attentäter zu sehen. Diesen Verdächtige haben die belgischen Ermittler als den jetzt gefassten Osama K. identifiziert. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Von ihm gibt es nach Angaben der Ermittler auch Bilder aus einem Einkaufszentrum, wo er Taschen für die Attentäter gekauft haben soll.

Der „Mann mit Hut“ taucht auf Bildern von Überwachungskameras am Flughafen zusammen mit den mutmaßlichen Terroristen auf. Noch am Donnerstag hatten Ermittler die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Fahndung gebeten. „Wir ermitteln, ob Abrini als die dritte Person am Brüsseler Nationalflughafen identifiziert werden kann, als der sogenannte Mann mit Hut“, sagte Staatsanwalt Eric van der Sypt.

Gefahndet wurde nach Abrini als Komplize der Terroristen der Pariser Anschläge vom 13. November. Damals hatten IS-Extremisten in der französischen Hauptstadt 130 Menschen umgebracht. Abrinis Rolle dabei ist unklar. Er war Tage vor den Anschlägen in einem Wagen der Attentäter auf dem Weg nach Paris gesehen worden. Danach verschwand er. Sollte Abrini wirklich der „Mann mit Hut“ sein, käme ihm wohl bei beiden Terrorserien eine entscheidende Rolle zu.

Die belgischen Ermittler erklärten, dass Fingerabdrücke und DNA von Abrini in einem Renault Clio entdeckt worden seien, der für die Pariser Anschläge genutzt wurde. Spuren von ihm wurden den Angaben zufolge zudem in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest gefunden, in dem der mutmaßliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam Unterschlupf fand. Dieser war wenige Tage vor den Brüsseler Anschlägen in der belgischen Hauptstadt gefasst worden. Ihm droht die Auslieferung nach Frankreich.

Abrini war der Polizei als Kleinkrimineller bekannt. Er soll im Frühsommer vergangenen Jahres nach Syrien gereist sein. Dort war sein jüngerer Bruder 2014 in der berüchtigten frankophonen Brigade der IS-Terrormiliz getötet worden.

Abrini soll Verbindungen zum Pariser Terrorverdächtigen Abdelhamid Abbaoud gehabt haben, der bei einem Polizeieinsatz am 18. November bei Paris ums Leben kam. Auch war Abrini seit Kindertagen mit den Brüdern Salah und Brahim Abdeslam befreundet. Letzterer gilt als einer der Selbstmordattentäter von Paris.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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