Keine Fehler im System
US-Armee: Keine "systematische" Häftlingsfolter

Die Gefangenenmisshandlungen im Irak und in Afghanistan waren nicht "systematisch", sondern ein Fehlverhalten einzelner US-Soldaten, die sich nicht an Bestimmungen hielten. Das geht aus einem gestern in Washington veröffentlichten Bericht des US-Heeres hervor.

HB WASHINGTON.

US-Soldaten haben im Irak und in Afghanistan weit mehr Gefangene misshandelt als bislang angenommen. Der Bericht führt 94 Fälle bestätigter oder mutmaßlicher Fälle von Gefangenenmisshandlung auf. Es gab Berichte über unklare Todesfälle, über sexuellen Missbrauch, Demütigungen, an Folter grenzende Quälereien sowie Misshandlungen und Diebstähle. Der Bericht durchleuchtet den Zeitraum vom 1. Oktober 2001 bis zum 9. Juni dieses Jahres. Er ist die bislang umfassendste Untersuchung von Misshandlungen in Irak und Afghanistan.

Nach dem Auftauchen von Fotos, die diese Misshandlungen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib dokumentierten, war der Verdacht laut geworden, die Misshandlungen hätten zum Teil unter Duldung oder sogar auf Anweisung von Vorgesetzten stattgefunden. „Wir waren nicht in der Lage, System-Fehler festzustellen, die zu den Misshandlungsfällen geführt haben könnten“, erklärte US-General Paul Mikolashek, der die Untersuchung führte. Abgeordnete der Demokratischen Partei erklärten daraufhin, die Armee habe diese „Systemfehler“ vermutlich nur deshalb nicht gefunden, weil sie gar nicht danach gesucht habe.

Seit Herbst 2001 nahmen die USA dem Bericht zufolge über 50 000 Gefangene im Irak und in Afghanistan fest. Auch diese Zahl war bislang nicht veröffentlicht worden. Die Untersuchung, die laut Mikolashek auf der Befragung von 630 Armeeangehörigen basiert, war am 10. Februar angefordert worden. Anlass war der Folterskandal im Gefängnis von Abu Ghraib nahe Bagdad. Präsident George W. Bush hatte sich wegen der Fälle von sexuellem Missbrauch und Erniedrigung bei der arabischen Welt entschuldigt.

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