Keine Klarheit über Atomprogramm
Iran hat Uran umgewandelt

Mehrere Tausend Kilogramm Uranoxid hat Iran in seiner Anfang August wiedergeöffneten Atomanlage in Isfahan in das Anreicherungsgas Uranhexafluorid umgewandelt. Das geht aus einem vertraulichen Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO hervor, der den Mitgliedern des IAEO-Gouverneursrats am Freitagabend in Wien vorgelegt wurde.

HB WIEN. In dem 15-seitigen Report, der der dpa vorliegt, beklagt der Chef der UN-Atombehörde, Mohammed el Baradei, dass die IAEO auch nach mehr als zweijährigen Inspektionen in Iran noch keine absolute Gewissheit habe, dass Teheran nicht ein heimliches Atomprogramm zum Bau von Atomwaffen unterhält.

Die Wiederaufnahme der Uranumwandlung hatte zu einem Zerwürfnis zwischen der Regierung in Teheran und der EU geführt, die seit Dezember 2004 mit Teheran über ein umfassendes Kooperationsabkommen verhandelt hatte. Iran hatte sich im Dezember zur Aussetzung aller Aktivitäten verpflichtet, die zur Urananreicherung führen können. Teheran hat die Vorschläge der EU inzwischen rigoros abgelehnt und besteht weiter auf seinem Recht zur Anreicherung von Uran.

Inzwischen hat die neue Regierung Irans sogar mehrfach deutlich gemacht, dass sie das so genannte EU-Trio als Verhandlungspartner ablehnt. Insbesondere die USA werfen Teheran vor, den Besitz von Atomwaffen anzustreben. Iran betont, es wolle über die Anreicherung von Uran lediglich Brennstoff für geplante Atomkraftwerke herstellen. Die EU wiederum hat gedroht, Iran wegen der Atompläne vor den UN- Sicherheitsrat zu bringen.

Der Bericht el Baradeis, den der Gouverneursrat auf einer Sondersitzung des Gremiums im August in Wien angefordert hatte, entlastet Teheran in einem wichtigen Punkt: Nach längeren Untersuchungen kommt die UN-Behörde darin zu dem Schluss, dass Spuren von hoch angereichertem Uran, die IAEO-Inspekteure an Zentrifugen für die Urananreicherung entdeckt hatten, voraussichtlich nicht aus Iran, sondern vermutlich aus Pakistan stammten. Iran hatte die Zentrifugen vor einigen Jahren heimlich auf dem internationalen Schwarzmarkt gekauft. Hoch angereichertes Uran wird zum Bau von Atombomben benötigt.

El Baradei bestätigte, dass Iran im August mit der Arbeit in der Atomanlage bei Isfahan begonnen habe. Bis zum 29. August seien dort insgesamt 6800 Kilogramm des Anreicherungsgases Hexafluoriddieses gewonnen worden, das als Ausgangsmaterial für die Anreicherung von Uran gilt. Wieviel davon in den vergangenen Wochen produziert wurde, geht aus dem Report nicht hervor.

El Baradei würdigte zwar die „substanziellen Bemühungen“ Irans, in den vergangenen zwei Jahren sein fast 20 Jahre lang geheim gehaltenes Atomprogramm offen zu legen. Doch sei Teherans weitere Mitarbeit angesichts des weltweiten Misstrauens „unverzichtbar und längst überfällig“.

Die Europäische Union setzt im Atomstreit mit Iran weiter auf Verhandlungen. Das sagte der amtierende EU-Ratspräsident Jack Straw zum Abschluss eines informellen Treffens mit seinen Kollegen im walisischen Newport.

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