Keine neuen Hilfen Athen strapaziert Europas Nerven

Zwar wird in Berlin nicht mehr ausgeschlossen, dass Athen den Euro aufgibt. Doch die Bundesregierung lehnt neue Hilfsprogramme ab. Die griechische Regierung versucht das Land mit einem neuen Sparprogramm zu retten.
Update: 19.08.2012 - 17:27 Uhr 33 Kommentare
Ein Tempel in Athen: Kann Griechenland im Euro bleiben? Quelle: dapd

Ein Tempel in Athen: Kann Griechenland im Euro bleiben?

(Foto: dapd)

Berlin / Athen Für Griechenland geht der Kampf gegen die Staatspleite in die womöglich letzte Runde - aber die Bundesregierung lehnt weitere Zugeständnisse in der Euro-Krise ab. Den Griechen sollen weitere 2,5 Milliarden Euro in der Kasse fehlen. In Berlin wird nicht mehr ausgeschlossen, dass Athen die gemeinsame Währung aufgibt. Umstritten ist, welche Folgen das für Deutschland hätte.

Am Sonntag reiste der griechische Außenminister Dimitris Avramopoulos nach Deutschland. Er wollte das Treffen von Regierungschef Antonis Samaras mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag vorbereiten, dem die Griechen große Bedeutung beimessen. Am Donnerstag kommt Frankreichs Präsident François Hollande zu einem Krisentreffen nach Berlin.

Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ laufen bereits Vorbereitungen für den Fall, dass Griechenland die Währungsunion verlässt. Im Mittelpunkt stehe dabei die Frage, wie man die übrigen Euro-Krisenländer vor den Auswirkungen abschirmt. Zunächst soll der dauerhafte Rettungsschirm ESM einsatzbereit sein, dazu muss das Urteil des Bundesverfassungsgerichts am 12. September abgewartet werden. Nach dem Bericht dringt Frankreich allerdings mit anderen südeuropäischen Ländern darauf, Athen neue Hilfen zu gewähren, um ein Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion zu vermeiden.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich dagegen skeptisch zu neuen Hilfsprogrammen. Die Hilfe für kriselnde Euro-Länder dürfe kein „Fass ohne Boden“ werden, warnte er in einer Gesprächsrunde mit Bürgern. Deutschland bleibe aber weiter bemüht, Griechenland zu helfen. Schäuble warnte vor Überheblichkeit gegenüber den kriselnden Euro-Ländern. „Auch wir bescheißen gelegentlich, auch wir verstoßen gegen Regeln“, sagte Schäuble.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der am Montag mit seinem griechischen Kollegen zusammentrifft, lehnt Zugeständnisse an die Regierung in Athen ab. Er sagte dem „Tagesspiegel am Sonntag“, eine Aufweichung der vereinbarten Reformen komme „in der Substanz“ nicht in Betracht. Dies würde von anderen Ländern wie Spanien missverstanden werden. Zugleich warb Westerwelle für mehr Verständnis mit den Griechen. „Die Menschen in Griechenland können nichts dafür, dass griechische Verantwortungsträger in den letzten Jahren ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind.“

Wie die Nachrichtenagentur dpa am Sonntag aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums erfuhr, ist das neue, gut 11,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket fast unter Dach und Fach. Es soll Anfang der Woche von den Chefs der drei Koalitionsparteien gebilligt werden. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ist die Finanzierungslücke Griechenlands allerdings bis zu 14 Milliarden Euro groß. Das sei das Ergebnis der jüngsten Erkundungstour der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Athen.

„Die Griechen müssen einhalten, was sie zugesagt haben“
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33 Kommentare zu "Keine neuen Hilfen: Athen strapaziert Europas Nerven"

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  • @buerge-r
    Es geht nicht darum, nicht auf jemanden einzutreten, der bereits am Boden liegt.
    Alle guten Ratschläge nützen den Griechen gar nichts.
    Hier in GR ist alles Bluff. Die schöne Kulisse, bisher stabilisiert durch die Geldströme aus Brüssel, kippt nun bei der kleinsten Berührung.
    Stellen Sie sich einfach mal vor, in Deutschland gäbe es keine Meldeämter, keine Finanzämter, kein Katasteramt, keine richtigen Schulen (so dass Sie Ihre Kinder zusätzlich in eine private Schule schicken müssten), keine Fachleute in den einzelnen Branchen.
    Und Sie bräuchten 3 Monate, um Ihr Auto anzumelden und nicht 20 Minuten (wie in D).
    Ihr Arzt gäbe Ihnen nur dann einen Termin zur nötigen Herz-OP, wenn Sie ihm ca. 5000,-€ überreichten und der zuständige Narkosearzt würde auch noch einmal extra die Hand aufhalten.
    Der kleine Backladen, den Sie eröffnen möchten und in dem Sie außer Kuchen auch noch Kaffee vor Ort verkaufen möchten, wird mit unsinnigen Auflagen überschwemmt – z.B. brauchen Sie für den Verkauf des Kaffee’s eine zusätzliche Konzession plus zusätzlichen Raum und dergl. mehr.
    Die Behörde bräuchte eineinhalb Jahre, um Ihnen endlich Ihren Führerschein auszuhändigen, den Sie vor 18 Monaten gemacht haben.
    Sie wären noch vielen weiteren unkalkulierbaren Risiken ausgesetzt, so dass Ihr Alltagsleben stark beeinträchtigt wäre.
    Und diese Risiken sind sehr zahlreich, denn die griechische Wirtschaft ist durch und durch mit staatlichen Beteiligungen durchsetzt. Diese Betriebe sind inzwischen marode.
    WO WOLLTEN SIE DA ANFANGEN??
    Es fehlen Fachleute. Gleichzeitig wollen sich die bisherigen Inhaber der Stellen aber nichts sagen lassen.
    Die Beamten müssten weg. Gleichzeitig gibt es in jeder Familie welche und bisher haben sie mit ihrem guten Einkommen für den Wohlstand gesorgt. Wie wollen Sie da Solidarität unter den Griechen erreichen?
    Sowas nennt man ein Dilemma. Überflüssig zu sagen, dass es ein griechisches Wort ist.

  • Soweit ich gehört habe, ist Gasprom an einem der griechischen Häfen interessiert... das könnte doch der Grund für das plötzliche Interesse und die plötzliche Parteinahme sein.

  • „„Wenn wir ein Land mit drei Prozent der europäischen Gesamtverschuldung nicht in der Eurozone halten können, dann wird uns niemand die Lösung der großen Probleme zutrauen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.“

    Das ist falsch.
    Richtig ist:

    Wenn wir uns von einem Land, das nur 3% der europäischen Gesamtverschuldung ausmacht, weiter auf der Nase herum tanzen lassen, dann wird dies ein Signal für die anderen Länder mit größeren Problemen sein.

  • @Rechner
    "Das Gold der Nationalbanken sind Reserven im Eurosystem. Sie dienen der Wertdeckung des Euro."

    Das ist defintiv falsch. Wenn sie googeln werden Sie das selbst erkennen (als Anregung schon mal eine Link: http://www.welt.de/wirtschaft/article6759690/Bundesbank-will-ihr-Gold-nicht-fuer-den-EWF-opfern.html)

    Noch ein Tipp sie sollten sich wirklich besser informieren, bevor sie den Euro-"Rettungs"-Rattenfängern mit ihrer Täuschung und Propaganda auf den Leim gehen. Wenn Sie und viele andere Deutsche ihre Lernkure nicht DEUTLICH abkürzen, wird es zu spät sein!

  • Der Zug fährt gegen die Wand, Deutschland wird von den anderen heruntergezogen und wird selbst ertrinken, wenn es auf der Euroschiene so weitermacht. Deutschland muss sich also erst einmal freischwimmen, und das heisst, eine eigene Deutsche Währung.

    Das Gegenargument der Aufwertung muss man auch ein wenig differenzierter betrachten:

    1. Deutschland hatte auch zu DM Zeiten Handelsüberschüsse, nicht -defizite.

    2. Eine DM Aufwertung hatten wir ständig seit der DM Einführung und hat Deutschlands wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufstieg nach dem Krieg doch nicht aufgehalten, sondern ganz in Gegenteil das Deutsche und in der ganzen Welt bewunderte Wirtschaftswunder erst hervorgebracht!

    3. 40% der Exportprodukte kommen selbst aus Importprodukten und werden also billiger durch eine Aufwertung der DM.

    4. Führt eine Aufwertung der DM zu mehr Kaufkraft der Deutschen Bevolkerung, das heisst, der deutsche Arbeitnehmer kriegt wieder etwas für sein Geld statt ständig zu verlieren, wie unter dem Euro! Das ist die sogenannte Sozialdividende. Deshalb ist ja auch der Lebensstandart in starken Wahrungsländern wie der Schweiz und in der Bundesrepublik zu DM Zeiten so hoch gewesen!

    5. Eine stärkere DM führt zu mehr Innenkaufkraft und damit mehr Importen, was anderen Ländern zugute kommt und deren Wirtschaftleistung fördert und hilft, von Transferleistungen unabhängig zu werden.

    6. Die Abwertungen, zB der Drachme und der Lira, führen zu deren Wettbewerbsstärkung und damit der Möglichkeit, nicht auf Pump anderer, sondern eigenständig zu wachsen.

    7. Summa summarum werden Europa und die Welt nicht stärker, wenn die letzten noch funktionierenden Wirtschaften auch noch kurzsichtig kaputtgemacht werden.

    Deswegen sind als Minimum der ESM Stopp, der deutsche Euroaustritt und die Wiedereinführung der DM notwendig und selbstverantwortliche Länderwährungen in Europa, so wie vor dem Euro, um wirtschaftlich wieder in Fahrt zu kommen.

  • Wenn denn Griechenland statt Deutschland aus dem Euro geht, rast der Zug nur weiter auf die Wand zu und wird der Schrecken am Ende noch größer für Deutschland und Europa.

    Nur Deutschlands Austritt aus dem Euro jetzt und die neue DM mit Heimholung der deutschen Goldreserven aus dem Ausland retten Deutschland vor immer weiteren wahnwitzigen Geldforderungen der anderen und geben gleichzeitig dem Resteuro bzw den Strukturschwachen die nötige Abwertung, um wirtschaftlich wieder wettbewerbsfähig zu werden und die finanzielle Notwendigkeit, die Ausgabenpolitik wieder realistisch an das Maß anzugleichen, daß man sich wirklich volkswirtschaftlich leisten kann. Und dann bekommen wir wieder Boden unter den Füssen.

  • Die Sorgen und die Wut vor der vorgesehenen heimlichen Enteignung und Verschuldung Deutschlands per ESM in der angestrebten EUdSSR sollen die Politiker zu spüren bekommen, um vielleicht noch einen Sinneswandel zu erreichen!

    Bitte helft mit, den ESM konstruktiv zu stoppen: Mehr als 1,100,000 email Petitionen sind im Bundestag und 150,000 im bayrischen Landtag eingegangen – unglaublich! Die Leute haben so die Nase voll!

    Bitte gleich anklicken und mitmachen. Dauert nur Sekunden und setzt ein Zeichen für Gerechtigkeit und Freiheit von Brüssel!


    http://www.abgeordneten-check.de/email/unentschieden/69.html

    Mehr zum ESM und warum er so gefährlich ist unter

    http://www.freiewelt.net/video-34/zivile-koalition

    http://www.stop-esm.org/home

    http://www.gold-action.de/action-sign-up.html

  • Völlig egal was die griechische Regierung an Sparprogrammen beschließt.
    Umgesetzt wird das von der Verwaltung sowieso NICHT. Dafür haben die einfach zu wenig Leute :-))

  • Athen strapaziert Europas Nerven, warum?

    Die Griechen haben es selber in der Hand. Mit einem Handstreich ist der Spuk vorbei. Griechenland kann sich nur mit einer schwächeren Währung aus allen Zwängen befreien. Dazu werden alle Schulden umgehend eingefroren.

    Ein Bekannter kam gestern aus dem Urlaub in Griechenland.
    Er berichtet, dass das 1 Liter Benzin 1,91 € kostet. Seine Frau stellte die saumäßige Bausubstanz sämtlicher Häuser in Griechenland fest. Schlimmer als in der DDR nach dem Mauerfall. An den Häusern in Griechenland besteht ein gewaltiger nicht beherrschbarer Reparaturstau. Sie sagt, wenn Griechenland das Klima hätte wie Deutschland, wäre Griechenland mit seinen Immobilien ein einziger Sandhaufen.
    Der griechische Mieter hat 50% weniger Gäste, und viel mehr Steuern muss er auch noch bezahlen.

    Wo soll Deutschland anfangen zu helfen? Das ist heller Wahnsinn. Die Lage ist noch viel schlimmer, so sieht das auch an vielen Orten in Italien aus. Wie die Immobilien in Spanien, Portugal und Frankreich aussehen, ist noch zu klären.

    Diese Südsaaten müssen umgehend mit abgewerteter Währung in die Lage der Selbsthilfe versetzt werden. Sämtliche Rettungsschirme täuschen uns etwas vor und verschlimmern die Lage massiv.

  • 'Buerge-r' sagt
    ----------------
    Ihren Einwand das Gold gehöre der Nationalbank kann ich nicht nachvollziehen. Wenn es wirklich nur die 2,5 Milliarden sind, ist es ja wohl selbstverständlich, dass ich diese Reserven mobilisiere, bevor ich woanders betteln gehe.
    ----------------

    Nochmal:

    Das Gold der Nationalbanken sind Reserven im Eurosystem. Sie dienen der Wertdeckung des Euro.

    Sie ddeb Natinalbanken zu entziehen schwächt die Wertunterlegung auch derjenigen Euros, die sie jetzt gerade in Ihrer Tasche haben.

    'Buerge-r' sagt
    ----------------
    Ihre Einschätzung, dass das Gold nach einer Pleite an die Gläubiger geht, teile ich nicht.
    ----------------

    Das ist allerdings normalerweise der Fall, daß wenn jemand pleite geht, seine Vermögenswerte den Gläubigern zufallen.

    Und der größte Gläubiger der griechischen Nationalbank ist die EZB.

    Worauf begründet sich denn Ihre Einschätzung, daß das bei einer Pleite der griechischen Nationalbank anders wäre?

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