Keine neuen Hilfen
Athen strapaziert Europas Nerven

Zwar wird in Berlin nicht mehr ausgeschlossen, dass Athen den Euro aufgibt. Doch die Bundesregierung lehnt neue Hilfsprogramme ab. Die griechische Regierung versucht das Land mit einem neuen Sparprogramm zu retten.
  • 33

Berlin / Athen Für Griechenland geht der Kampf gegen die Staatspleite in die womöglich letzte Runde - aber die Bundesregierung lehnt weitere Zugeständnisse in der Euro-Krise ab. Den Griechen sollen weitere 2,5 Milliarden Euro in der Kasse fehlen. In Berlin wird nicht mehr ausgeschlossen, dass Athen die gemeinsame Währung aufgibt. Umstritten ist, welche Folgen das für Deutschland hätte.

Am Sonntag reiste der griechische Außenminister Dimitris Avramopoulos nach Deutschland. Er wollte das Treffen von Regierungschef Antonis Samaras mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag vorbereiten, dem die Griechen große Bedeutung beimessen. Am Donnerstag kommt Frankreichs Präsident François Hollande zu einem Krisentreffen nach Berlin.

Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ laufen bereits Vorbereitungen für den Fall, dass Griechenland die Währungsunion verlässt. Im Mittelpunkt stehe dabei die Frage, wie man die übrigen Euro-Krisenländer vor den Auswirkungen abschirmt. Zunächst soll der dauerhafte Rettungsschirm ESM einsatzbereit sein, dazu muss das Urteil des Bundesverfassungsgerichts am 12. September abgewartet werden. Nach dem Bericht dringt Frankreich allerdings mit anderen südeuropäischen Ländern darauf, Athen neue Hilfen zu gewähren, um ein Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion zu vermeiden.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich dagegen skeptisch zu neuen Hilfsprogrammen. Die Hilfe für kriselnde Euro-Länder dürfe kein „Fass ohne Boden“ werden, warnte er in einer Gesprächsrunde mit Bürgern. Deutschland bleibe aber weiter bemüht, Griechenland zu helfen. Schäuble warnte vor Überheblichkeit gegenüber den kriselnden Euro-Ländern. „Auch wir bescheißen gelegentlich, auch wir verstoßen gegen Regeln“, sagte Schäuble.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der am Montag mit seinem griechischen Kollegen zusammentrifft, lehnt Zugeständnisse an die Regierung in Athen ab. Er sagte dem „Tagesspiegel am Sonntag“, eine Aufweichung der vereinbarten Reformen komme „in der Substanz“ nicht in Betracht. Dies würde von anderen Ländern wie Spanien missverstanden werden. Zugleich warb Westerwelle für mehr Verständnis mit den Griechen. „Die Menschen in Griechenland können nichts dafür, dass griechische Verantwortungsträger in den letzten Jahren ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind.“

Wie die Nachrichtenagentur dpa am Sonntag aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums erfuhr, ist das neue, gut 11,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket fast unter Dach und Fach. Es soll Anfang der Woche von den Chefs der drei Koalitionsparteien gebilligt werden. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ist die Finanzierungslücke Griechenlands allerdings bis zu 14 Milliarden Euro groß. Das sei das Ergebnis der jüngsten Erkundungstour der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Athen.

Kommentare zu " Keine neuen Hilfen: Athen strapaziert Europas Nerven"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @buerge-r
    Es geht nicht darum, nicht auf jemanden einzutreten, der bereits am Boden liegt.
    Alle guten Ratschläge nützen den Griechen gar nichts.
    Hier in GR ist alles Bluff. Die schöne Kulisse, bisher stabilisiert durch die Geldströme aus Brüssel, kippt nun bei der kleinsten Berührung.
    Stellen Sie sich einfach mal vor, in Deutschland gäbe es keine Meldeämter, keine Finanzämter, kein Katasteramt, keine richtigen Schulen (so dass Sie Ihre Kinder zusätzlich in eine private Schule schicken müssten), keine Fachleute in den einzelnen Branchen.
    Und Sie bräuchten 3 Monate, um Ihr Auto anzumelden und nicht 20 Minuten (wie in D).
    Ihr Arzt gäbe Ihnen nur dann einen Termin zur nötigen Herz-OP, wenn Sie ihm ca. 5000,-€ überreichten und der zuständige Narkosearzt würde auch noch einmal extra die Hand aufhalten.
    Der kleine Backladen, den Sie eröffnen möchten und in dem Sie außer Kuchen auch noch Kaffee vor Ort verkaufen möchten, wird mit unsinnigen Auflagen überschwemmt – z.B. brauchen Sie für den Verkauf des Kaffee’s eine zusätzliche Konzession plus zusätzlichen Raum und dergl. mehr.
    Die Behörde bräuchte eineinhalb Jahre, um Ihnen endlich Ihren Führerschein auszuhändigen, den Sie vor 18 Monaten gemacht haben.
    Sie wären noch vielen weiteren unkalkulierbaren Risiken ausgesetzt, so dass Ihr Alltagsleben stark beeinträchtigt wäre.
    Und diese Risiken sind sehr zahlreich, denn die griechische Wirtschaft ist durch und durch mit staatlichen Beteiligungen durchsetzt. Diese Betriebe sind inzwischen marode.
    WO WOLLTEN SIE DA ANFANGEN??
    Es fehlen Fachleute. Gleichzeitig wollen sich die bisherigen Inhaber der Stellen aber nichts sagen lassen.
    Die Beamten müssten weg. Gleichzeitig gibt es in jeder Familie welche und bisher haben sie mit ihrem guten Einkommen für den Wohlstand gesorgt. Wie wollen Sie da Solidarität unter den Griechen erreichen?
    Sowas nennt man ein Dilemma. Überflüssig zu sagen, dass es ein griechisches Wort ist.

  • Soweit ich gehört habe, ist Gasprom an einem der griechischen Häfen interessiert... das könnte doch der Grund für das plötzliche Interesse und die plötzliche Parteinahme sein.

  • „„Wenn wir ein Land mit drei Prozent der europäischen Gesamtverschuldung nicht in der Eurozone halten können, dann wird uns niemand die Lösung der großen Probleme zutrauen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.“

    Das ist falsch.
    Richtig ist:

    Wenn wir uns von einem Land, das nur 3% der europäischen Gesamtverschuldung ausmacht, weiter auf der Nase herum tanzen lassen, dann wird dies ein Signal für die anderen Länder mit größeren Problemen sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%