Keine schnellen Entscheidungen

Berlin hat Athen-Gespräche abgehakt

Griechenlands Regierungschef Samaras trifft sich in dieser Woche mit den Euro-Größen in Berlin und Paris. Doch das Schicksal Athens dürfte sich erst in den kommenden Wochen oder Monaten entscheiden.
Update: 20.08.2012 - 13:05 Uhr 10 Kommentare

Griechenland-Woche in Berlin

BerlinDie Bundesregierung rechnet mit keinen schnellen Entscheidungen über das Schicksal von Euro-Sorgenkind Griechenland. Es sei nicht zu erwarten, dass bei dem Treffen von Regierungschef Antonis Samaras mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Freitag (24.8.) „die großen Weichen gestellt und die wesentlichen Entscheidungen gefällt werden“, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Koalitionspolitiker hatten zuletzt wiederholt gefordert, Griechenland solle beim Verstoß gegen die Sparauflagen den Euroraum verlassen. Athen muss drastisch sparen, um im Gegenzug weitere Kredite der internationalen Helfer zu erhalten.

Spekulationen über einen erhöhten Finanzbedarf Griechenlands hält die EU-Kommission für verfrüht. „Zunächst muss die Troika Anfang September ihre abschließende Bewertung zur Umsetzung des zweiten (Hilfs-)Programms geben“, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Montag in Brüssel.

Es sei dann an den Euro-Finanzministern, ihre Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, sagte der Sprecher. Die europäischen Kassenhüter werden sich Mitte September auf Zypern treffen - es wird jedoch damit gerechnet, dass es zu Beginn des nächsten Monats ein Sondertreffen in Brüssel geben wird.

Bundeskanzleramt in Berlin. Quelle: dpa

Bundeskanzleramt in Berlin.

(Foto: dpa)

Das neue, gut 11,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket Griechenlands ist fast unter Dach und Fach. Das hatte die Nachrichtenagentur dpa am Sonntag aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums erfahren. Es könnte jedoch nicht ausreichen: Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ist die Finanzierungslücke Griechenlands bis zu 14 Milliarden Euro groß. Das sei das Ergebnis der jüngsten Erkundungstour der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Athen. Zu Zahlen nahm der Sprecher von Rehn keine Stellung.

Bis die Troika die nächste Tranche der Hilfsgelder freigibt, hält sich Griechenland mit kurzfristiger Schuldenaufnahme über Wasser. Andernfalls droht die Staatspleite mit anschließendem Euro-Austritt.

„Die Basis für alle Entscheidungen für Griechenland liefert der Bericht der Troika, wenn er denn vorliegt, und zwar der ganze Bericht, keine Teilaspekte, keine Vorveröffentlichungen“, betonte Regierungssprecher Seibert.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte zuletzt in der „Tiroler Tageszeitung“ betont, ein Euro-Austritt Athens sei nur ein Thema „im Fall einer totalen Verweigerung Griechenlands betreffend der Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen“. Der luxemburgische Regierungschef hatte auch als erster EU-Spitzenpolitiker einen zeitlichen Aufschub bei den Auflagen für Athen in Spiel gebracht.

Asmussen für Euro-Verbleib Griechenlands
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Keine schnellen Entscheidungen - Berlin hat Athen-Gespräche schon abgehakt

10 Kommentare zu "Keine schnellen Entscheidungen: Berlin hat Athen-Gespräche schon abgehakt"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Würde der griechische Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Griechenland hätte dann einfach keine Schulden und wir keine Krise.

    Aber so verdienen immer nur die Banken auf Kosten der Steuerzahler. Ein einzigartiges Betrugssystem.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt.

  • Das Eurohaus brennt lichterloh, die Feuerwehr wartet aber noch mit den Löscharbeiten, bis der Brandsachverständige eintrifft. Guter Witz unserer Politiker

  • ich freue mich für die griechischen Steuersünder, Steuerflüchtlinge, Fakelaki-Empfänger. Sie werden durch die Nachgiebigkeit unserer Grosskoalition (CDUCSUSPDund Tomatengrün) belohnt.

  • Völlig richtig.

  • Quatsch Montagsdemo! Wir sind alle faul, fett und zaghaft.

    Momentan müssen wir ja auch noch nicht mit physischem Geld und Wohlstand für die Schuldenmacherei büßen.

    Und diejenigen die kapiert haben, was uns blüht sind Akademiker und Leistungsträger. Die müssen Arbeiten um Steuern zu zahlen und haben keine Zeit zum Demonstrieren.

  • Sollen die armen Griechen doch im Euro verbleiben. Man kan ihnen keinen Austritt zumuten. Das weiss ja anscheinend niemand wie sowas funktionieren soll. Den Euro gegen Drachme eintauschen.. sollen die Griechen doch weiter eine Eurosiesta auf EZB Kosten machen und sich in der Sonne gemütlich machen.

    Die Lösung ist, dass Deutschland aus dem Euro austritt. Wir werden trotz massiver Volksverdummung von Oben noch ein paar gebildete Praktiker finden die uns den Euro in DM umtauschen können. Schluss mit der Geiselhaft der Deutschen. Ich lasse ja auch niemanden mit einer Kreditkarte auf meine Kosten eine Shoppingtour veranstalten, und momentan ist es so, als wenn jeder deutsche Bürger mehrere Kreditkarten für notleidende Griechen,Spanier,Iren,Italiener,Portugiesen und in Kürze unsere französischen Freunde. Leben wie Gott in Frankreich auf deutsche Kosten. Sollen doch alle glücklich werden mit dem Euro - nur ohne Deutschland.

  • Eine Option, die Griechenland hat, aber noch nicht diskutiert wurde, ist , dass Griechenland sich Luxemburg anschließt. Das Thema wäre erledigt.

    Um Griechenland dann nochmals in Not zu bringen, wäre erst einmal Luxemburg in Gefahr zu bringen. Wenn das jemand bezweifeln will, dann stellt er die Bedeutung Luxemburgs, die eben erst einen Sitz im Direktorium der EZB erhalten haben, in Frage.

  • „Die Basis für alle Entscheidungen für Griechenland liefert der Bericht der Troika“
    Der Witz war gut.. ..als ob a) sich in den letzten Jahren irgendwer der EU-Verbrecher an der Faktenlage zu GR orientiert hätte und b) als ob der Troikabericht irgendetwas anderes berichten könnte, als dass GR so pleite wie noch niemals zuvor ist!

    Passieren wird trotzdem nichts -die Deutschen Regenten glauben immer gerne an "Endsiege", für die das Deutsche Volk alles aufopfern darf..

  • Was ein Euro-Austritt Griechenlands kosten würde
    ------------------------------------------------
    Die Frage ist doch, was uns die Griechensause kostet,
    wenn die notorischen Zechpreller in der Euro-Zone bleiben?!

  • Hmmmm, weiter Durchhalteparolen. Aber fragt sich unsere ReGIERung auch nur einmal was passiert, wenn der deutsche Steuerzahler rebelliert? Montagsdemos haben in diesem Land eine lange Geschichte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%