Keine Vermarktung von Iran-Erlebnissen
London verbietet Iran-Soldaten bezahlte Interviews

Die britische Regierung hat die weitere Vermarktung der Erlebnisse ihrer zeitweise im Iran festgehaltenen Soldaten gestoppt. Am Wochenende hatten erste bezahlte Exklusiv-Geschichten zweier Seeleute für Proteste gesorgt. Darunter auch ein Interview mit der einzigen weiblichen Gefangenen, Faye Turney – für deren Story die britische Boulevard-Zeitung „Sun“ einiges hingeblättert hatte.

HB LONDON. Nachdem am Wochenende erste Exklusiv-Geschichten zweier Seeleute an die Medien verkauft worden waren und dies einen Proteststurm ausgelöst hatte, zog Verteidigungsminister Des Browne seine ursprünglich erteilte Erlaubnis dafür zurück. Den übrigen der insgesamt 15 Marine-Soldaten sei es nicht mehr erlaubt, ihre Geschichten zu veräußern, hieß es am Montagabend in einer Erklärung.

Politiker, Verteidigungsexperten und ehemalige Kommandeure hatten zuvor erklärt, der Verkauf der Geschichten bringe Schande über das Militär. Die Regierung nutze die Soldaten in einer Propaganda-Schlacht aus und verhalte sich damit kaum besser als der Iran.

Eigentlich dürfen britische Soldaten ihre Erlebnisse in den Medien ohnehin nicht zu Geld machen. Das Verteidigungsministerium hatte diese Regel aber ausnahmsweise aufgehoben und auf „besondere Umstände“ und großes öffentliches Interesse verwiesen. Am Montag gab es dann prompt erste Exklusiv-Geschichten in den Medien. Darin erklärte die Soldatin Faye Turney, die Iraner hätten gesagt, eventuell sehe sie ihre dreijährige Tochter nicht mehr wieder. Auch habe sie Angst vor Vergewaltigung gehabt. „Eines Morgens hörte ich, wie nahe meiner Zelle Holz gesägt und Nägel eingeschlagen wurden“, sagte sie der Boulevardzeitung „Sun“. Eine Frau habe sie von oben bis unten vermessen. „Ich war überzeugt, sie fertigen meinen Sarg an.“

„Profit aus einem militärischen Desaster schlagen“

Turneys Gesicht gehört derzeit zu den bekanntesten auf der Insel, nachdem das iranische Fernsehen mehrfach Aufnahmen von ihr in Gefangenschaft veröffentlicht hatte. Einem Medienbericht zufolge erhielt die 25-Jährige für zwei Interviews etwa 150 000 Euro - das Vierfache ihres Jahresverdienstes. Von großer Angst und Erniedrigung berichtete auch der 20-jährige Arthur Batchelor. Er habe in seiner Zelle geschrien wie ein Baby, nachdem ihm die Augen verbunden worden seien, sagte er dem „Daily Mirror“. Auch einige der anderen Soldaten hatten in den Medien ihre Version der Ereignisse geschildert, dafür aber kein Geld erhalten.

Turney und Batchelor hingegen wurde vorgeworfen, sich wie TV-Stars zu verhalten. Die schärfste Kritik richtete sich gegen das Verteidigungsministerium. „Ich bin entsetzt, dass das Verteidigungsministerium die Soldaten unterstützt, aus einem militärischen Desaster noch Profit zu schlagen“, sagte etwa der Ex-Kommandeur der britischen Friedenstruppen in Bosnien, Oberst Bob Stewart. Die Konservativen kündigten ein Nachspiel im Parlament an. Die Soldaten waren am 23. März vom Iran festgenommen worden, der ihnen vorwarf, in seine Hoheitsgewässer eingedrungen zu sein. Großbritannien hatte indes erklärt, sie seien in Gewässern des Irak gewesen. Der Iran hielt die Soldaten 13 Tage in Haft und veröffentlichte in der Zeit auch Videos, in denen sie die Vorwürfe einräumten. Am 4. April kamen sie überraschend frei. Die Soldaten erklärten hinterher, sie seien heftig unter Druck gesetzt worden und hätten deshalb falsche Geständnisse gemacht.

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