„Keine Zeit zu verlieren“

Juncker warnt vor Untergang der Eurozone

Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker warnt vor dem Zerfall der Währungsunion. Mit dem Ausschluss Griechenlands würden die Probleme nicht behoben. „Alles Geschwätz“ über einen Austritt sei da nicht hilfreich.
Update: 29.07.2012 - 22:03 Uhr 66 Kommentare
Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in Brüssel im Europäischen Rat. Quelle: dapd

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in Brüssel im Europäischen Rat.

(Foto: dapd)

Brüssel/München"Wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen", sagte Jean-Claude Juncker der "Süddeutschen Zeitung". Die Welt rede darüber, ob es die Eurozone in einigen Monaten noch gibt. Um den Euro zu retten, sei "keine Zeit mehr zu verlieren", fügte Juncker hinzu. Die Euroländer müssten jetzt "mit allen verfügbaren Mitteln überaus deutlich machen, dass wir fest entschlossen sind, die Finanzstabilität der Währungsgemeinschaft zu gewährleisten".

In der Schuldenkrise stehen Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker zufolge weitere Entscheidungen der Euro-Länder unmittelbar bevor. "Welche Maßnahmen wir ergreifen werden, entscheiden wir in den nächsten Tagen. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren", sagte Juncker der "Süddeutschen Zeitung" laut Vorab-Bericht aus der Montag-Ausgabe. Er habe keine Zweifel, dass die Beschlüsse des letzten Euro-Gipfels umgesetzt würden.

"Es ist noch zu entscheiden, was genau wir wann machen werden. Das hängt von den Entwicklungen der nächsten Tage ab und davon, wie schnell wir reagieren müssen." Dabei werde der Rettungsfonds EFSF zusammen mit der Europäischen Zentralbank handeln. "Wir stimmen uns eng mit der Notenbank ab und wir werden (...) Resultate sehen. Ich will nicht Erwartungen schüren. Aber ich muss sagen, wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen."

Juncker bestätigte, dass sich die Euroländer zusammen mit dem Rettungsfonds EFSF und der Europäischen Zentralbank (EZB) darauf vorbereiten, notfalls Staatsanleihen schuldengeplagter Euroländer aufzukaufen. Daran bestehe kein Zweifel, sagte er. "Es ist noch zu entscheiden, was genau wir wann machen werden." Dies hänge "von den Entwicklungen der nächsten Tage ab und davon, wie schnell wir reagieren müssen."

Die Euroländer seien "fest entschlossen, den Euro in seinem Bestand, also mit allen Euroländern, und in seiner Bedeutung zu halten", sagte Juncker. "Alles Geschwätz" über einen Austritt Griechenlands sei da nicht hilfreich. Wer denke, dass die Probleme der Eurozone dadurch behoben würden, dass man das Land ausschließe oder fallenlasse, habe die eigentlichen Ursachen der Krise nicht erkannt.

Griechenland stehe immer noch "in der Schuld, liefern zu müssen", sagte Juncker. Aber mit dem Ausschluss des Landes würden die Probleme der Eurozone nicht behoben. "Im Gegenteil. Das Ansehen der Euroländer weltweit würde erheblich geschädigt, es würden enorme Folgeschäden entstehen."

Juncker fordert EU-Finanzminister
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66 Kommentare zu "„Keine Zeit zu verlieren“: Juncker warnt vor dem Untergang der Eurozone"

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  • Bietchekoopen: Geithner kommt am Montag.
    Deshalb sind alle so nervös.
    Er muß jetzt noch ein paar Leute unter Druck setzen und Mittwoch haben wir etwas neues auf dem Tisch. #

    Vor allem Schäuble und Merkel sind nervös.
    Schäuble hat mit seiner Machtgeilheit, als Oberster Gouverneur seiner supranationalen ESM-Schattenbank zum mächstigsten Mann Europas aufzusteigen, den Bogen weit überspannt. In dieser Funktion hätte er jederzeit der Kanzlerin in ihre Staatshauahaltssuppe spucken können.

    Schäuble hat damit das von langer Hand geplante Projekt
    "Euro as Financial Tool for Siphoning German Funds and Properity" zum Scheitern gebracht.

    Die Kanzlerin wird Schäuble, solange sie noch seine Amtsvorgesetzte ist, wie kürzlich Röttgen, als Buhmann demissionieren.

    Auch mit seiner Steueramnestie für Superreiche Steuerhinterzieher und seine abfälligen Äußerungen zum Kauf der Steuer-CD hat er seinem Amt als Finannzminister großen Schaden zugefügt. Ein Affront gegen jeden ehrlichen Steuerzahler.

    Ganz schlimm sind die Hunderte von Steuermilliarden, die er kraft seines Amtes in den Euro-Mezzogiorno auf Nimmerwiedersehen "verrettet".

  • Juncker-Zitat 1:
    „Wieso eigentlich erlaubt sich Deutschland den Luxus, andauernd Innenpolitik in Sachen Eurofragen zu machen?“

    Was für eine unglaubliche Unverschämtheit! Das könnte ihm so passen – nicht nur, dass der deutsche Bürger seiner demokratischen Rechte durch den ESM beraubt wird. Herr Juncker möchte diese Rechte am liebsten schon VORHER beseitigen!
    Da fließt pausenlos Geld in alle möglichen Kanäle. Es geschieht, ohne dass nur EINER von uns gefragt würde.
    Die EZB nimmt marode Staatsanleihen an – WIR dürfen bezahlen.
    Die Euro-Länder drucken sich per ELA Geld ohne Ende – WIR dürfen bezahlen.
    Die Hilfspakete werden vom Bundestag nur so durchgewinkt – WIR dürfen bezahlen.
    Was bildet sich Herr Juncker eigentlich ein? Er sitzt dort nur, weil er von ANDEREN bezahlt wird. Einer davon bin auch ICH.
    Er macht seinem Namen wirklich alle Ehre und benimmt sich, als wären wir alle rechtlose Untertanen und er unser Lehnherr.
    Ach wenn ich könnte wie ich wollte – er säße dort nicht. Aber was hilft’s? Die Junckers wachsen ja nach wie die Pilze.


    Juncker-Zitat 2:
    „Ich weiß, dass es im deutschsprachigen Raum viele gibt, die - obwohl nicht simplen Geistes - einfache Lösungen anstreben, weil die in der inneren republikanischen Befindlichkeit auf Wohlwollen stoßen.“

    Damit meint Juncker die Überlegungen zum Grexit.
    Ziemlich unverfroren, so etwas zu behaupten, obwohl inzwischen etwa 260 namhafte Wirtschaftswissenschaftler beweisen, dass es dafür ganz logische volkswirtschaftliche Gründe gibt. GR kann innerhalb des € keine Wettbewerbsfähigkeit erreichen und nur um die geht es hier eigentlich. Hier zu unterstellen, es ginge den Gegnern dieser €-Politik nur um innerrepublikanische Befindlichkeiten, ist absolut daneben.

  • Geht unser guter" Junker " aus Luxemburg nicht etwas zu optimistisch vor? Sicher hat er Recht,daß jetzt die Entscheidung kommen muß bzw. wird. Aber er hat eines vergessen, der EFSF ist nicht in Kraft,Geld ist darin auch noch nicht vorhanden,das BVG in Karlsruhe hat noch nicht seinen Segen gegeben, die EZB darf nach ihren eigenen Statuten keine Staatsanleihen ankaufen.
    Also Herr Junker, woher kommt ihr Optimismus?
    Eines ist zwar verständlich, daß Herr Junker seinen gutbezahlten Job behalten möchte. Das ist aber auch alles.
    Der Euro wird weiter seinem wohlverdienten Ende zugehen.
    Es ist an der Zeit, diese unselige Zangengeburt und Geißel
    in Europa abzuschaffen und wieder zu einer vernünftigen u.
    stabilen Währung zurückzukehren.Es ist an der Zeit,daß wir Bürger in Deutschland nachts wieder ruhig schlafen können
    und keine ständige Angst haben müssen, daß am nächsten morgen der Zusammenbruch da ist.Wir Bürger brauchen wieder
    eine solide, saubere u.ehrliche Volksvertretung.Politikern denen man wenigsten über den nächsten Tag hinaus vertrauen kann und deren Reden nicht die halbwertzeiten von nur noch Minuten haben.Also Herr Junker zusammen mit dem ganzen
    Europakaspern in Brüssel und Straßburg ab in den Ruhestand.
    Komfortabel vorgesorgt haben sie ja.gez.walter werner.de

  • Wüßte die Bevölkerung in der Breite und vertieft, welche Problematik auf sie zukommt, über die wir uns hier unterhalten, sie würde sofort aus der Haustür stürmen und zittern, als hätte es ein Erdbeben gegeben.

    Aber leider: die Bevölkerung ist nicht hinreichend informiert!!!
    Wie soll sie da reagieren.

    Der dümmliche Presseclub der ARD zum Thema am Sonntag hilft da auch rein gar nichts.

    Aber die, die es eigentlich auch wissen sollten, zBsp die Studenten, die rühren sich nicht, als lebten sie nur in ihrer Enklave eines schön und gut eingerichteten Appartements, ihre ureigenste Karriere im Blick.

    Nein, da ist rein nichts zu erwarten. Das war einmal......

  • Das ist richtig.

    Wie war das beim Irak-Krieg?
    Man mußte dafür sein damals, sonst war man "antiamerikanisch".....
    Später, als alles aufflog an Ungereimtheiten und Betrug, war man natürlich schon immer dagegen...

    Noch vor Kurzem war man "antieuropäisch" in seiner Kritik, jetzt lichtet sich das Ganze und die Protagonisten treten stärker hervor...noch könnte man eingreifen, aber wer??

    In Syrien wird jetzt eingeräumt, daß ausländische Kräfte kämpfend die Rebellen unterstützen...und da ist es leztlich auch egal, was herauskommt.
    Im Irak ist immer noch down under, mehr denn jeh...
    In Afghanistan läuft es ähnlich, ....

    Das Ziel ist immer, und wenn es quasi erreicht ist, kümmert es nicht mehr, was danach wird, ob zerstört oder man großen Unfrieden gestiftet hat, denn eines wurde eben immer erreicht:
    "Might and profit over people"

    Nun sind wir dran!!

    Shame over all this!

    Wenn es um gewisse Machtinteressen geht, läuft das Spiel immer nach dem gleichen Schema ab...

  • Richtig und er bleibt jetzt nur noch etwas länger auf seinem Posten, damit Schäuble hier seine Funktion bis zur nächsten Wahl noch erfüllen kann, der ihn dann beerben soll. Denn Schäuble ist genauso radikal wie Junckers, er fleht geradezu die totale europ. Union herbei, das ist sein Ziel seit Langem.

    Es gibt etliche Vorträge von Schäuble aus dem letzten Jahr - nicht im Bundestag -, wo dies alles belegt ist.
    Ohne Schäuble in seinem Fanatismus sähe das Ganze reichlich anders aus.

  • "Herr Juncker ist der Vertreter eines nahezu ausschließlich von seinen Banken abhängigen Zwergstaates"

    Dazu braucht man kein Zwergstaat zu sein, in GB ist es doch genauso (Banken erwirtschaften 70% des BIP, die Industrie siecht dahin) in USA ähnlich neben der Rüstungsindustrie.

    Alles was zZt getan wird, ist Banken und den Finanzmarkt zu verteidigen und zu retten, "egal was es kostet" (Draghi)

  • Nachtrag:

    "Es ist noch zu entscheiden, was genau wir wann machen werden. Das hängt von den Entwicklungen der nächsten Tage ab und davon, wie schnell wir reagieren müssen." Dabei werde der Rettungsfonds EFSF zusammen mit der Europäischen Zentralbank handeln. "Wir stimmen uns eng mit der Notenbank ab und wir werden (...) Resultate sehen. Ich will nicht Erwartungen schüren. Aber ich muss sagen, wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen."


    Sollte sich das auf Griechenland beziehen, so sickerte durch, daß die neuerlichen Sparbeschlüsse wieder ausreichen dürften, um Geld nachzuschießen.

    Man wird Griechenland erstmal weiter durchschleppen, bis man andere Regularien installiert hat. Man muß sich ja über die Sommerpause bis September durchmogeln.

    Und daß derzeit von Griechenland selbst ein Antrag auf Austritt erfolgt, ist höchst unwahrscheinlich.

    Daß sie allerdings ihre Kernindustrie privatisieren werden, davon ist nichts zu hören, die spart man sich auf für später.

  • DER ARTIKEL, auf den Sie hinweisen in der FAZ, ist eine PFLICHTLEKTÜRE:

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/schuldenkrise-retten-ohne-ende-11832561.html

    Retten ohne Ende

    28.07.2012 · Der Sprengstoff des Rettungsschirms ESM steht im Kleingedruckten: Für die Haftung gibt es keine Obergrenze. Und das Parlament wird entmachtet.
    Ein Gastbeitrag von Stefan Homburg

    Prof. Dr. Stefan Homburg lehrt Öffentliche Finanzen an der Leibniz Universität Hannover und berät bei den aktuellen Verfassungsbeschwerden in Karlsruhe die Klägerseite.

    Prägnante Aussage:
    "Ein zutiefst korruptes System ist angelegt" mit "Irreführung von Parlament und Öffentlichkeit"


    -----------

    Zudem ist mir völlig unklar, wieso man aktuell eine solche Eile an den Tag legt, daß man auf die Schnelle einen Europ. Finanzminister braucht.

    Die "verbale Intervention" hat doch schon ein wenig genützt, wenn sie auch nicht direkt mit Taten unterlegt ist.
    Es reichte aber für Shorteindeckungen, wenn auch einige Marktteilnehmer nicht überzeugt werden konnten.
    Denn selbst Anleihekäufe im großen Stil lösen nicht das Gesamtproblem, bringen uns keinen Schritt weiter, sondern versenken uns nur weiter und tiefer in die Krise.

    WAS steht denn da so dringend an, sind es nur die Fnanzmärkte, die wiedermal beruhigt werden müssen, oder welches Damoklesschwert hängt da in der Luft??

    Übrigens hat Seehofer bei seinem Sonntagsgespräch gesagt, daß er GEGEN einen Zentralismus aus Brüssel ist.
    Das dürfte für weiteren Zündstoff in der Regierung führen.
    Er wurde dann gefragt, ob er das nur sage, weil die Freien Wähler ihnen gefährlich werden könnten.Nein, es sei seine Überzeugung usw..

  • EU-Finanzminister? Am besten aus Griechenland oder Frankreich! Dieses Geschwätz kann ich nicht mehr hören. Unser sogenannten Politiker sollten endlich aus der Geschichte lernen was passieren kann, wenn einem Land unermessliche finanzielle Bürden auferlegt werden. Das Fass ist wieder kurz vorm überlaufen.

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