Kenia: Kenyatta zum Sieger bei Präsidentschaftswahl erklärt

Kenia
Kenyatta zum Sieger bei Präsidentschaftswahl erklärt

Uhuru Kenyatta, Sohn des Staatsgründers, hat die Wahl in Kenia gewonnen. Doch er ist wegen Menschenrechtsverbrechen vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt. Sein Rivale will das knappe Ergebnis anfechten.
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NairobNach tagelangen Verzögerungen bei der Auszählung ist Kenias Vizeregierungschef Uhuru Kenyatta zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt worden. Der 51-Jährige setzte sich mit 50,07 Prozent bereits im ersten Wahlgang durch, wie die Wahlkommission am Samstag mitteilte. Sein Rivale Raila Odinga will die Wahl jedoch nicht anerkennen, und der Internationale Strafgerichtshof Kenyatta wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit weiter den Prozess machen.

Auf Kenyattas schärfsten Konkurrenten Odinga - derzeit amtierender Ministerpräsident - entfielen 43,31 Prozent der Stimmen, die übrigen Bewerber lagen weit abgeschlagen zurück. Odinga kündigte an, dass er keine Niederlage einräumen werde, da die Wahl gefälscht worden sei. Der 68-Jährige will das Ergebnis nun vor Gericht anfechten.

Während die Kenyatta-Anhänger jubelten und auf den Straßen tanzten, zeigten sich Unterstützer von Odinga zerknirscht und wütend. Odinga, der zum dritten Mal bei einer Wahl zum Staatschef scheiterte, rief zur Zurückhaltung auf. Auch Kenias Polizeichef David Kimaiyo appellierte an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und das Ergebnis der Wahl zu akzeptieren.

Nach der Präsidentschaftswahl im Jahr 2007 hatten sich sowohl Odinga als auch der jetzt aus dem Amt scheidende und damals von Kenyatta unterstützte Mwai Kibaki zum Staatschef erklärt. Bei der danach einsetzenden, auch ethnisch motivierten Gewalt wurden mehr als 1.100 Menschen getötet, Hunderttausende wurden in die Flucht getrieben. Unter internationalem Druck einigten sich Odinga und Kibaki schließlich auf eine Machtteilung: Kibaki blieb Präsident, Odinga wurde Regierungschef mit erweiterten Befugnissen.

Wie Kibaki ist Kenyatta ein Kikuyu und damit Angehöriger der größten Volksgruppe des Landes, deren Elite seit Jahrzehnten die Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft des ostafrikanischen Landes besetzt. Dagegen gehört Odinga zur Ethnie der Luo, deren Angehörige traditionell von der Macht im Land ausgeschlossen sind. Seine Wählerschaft rekrutiert sich überwiegend aus den benachteiligten Regionen im Westen des Landes, der Küste des Indischen Ozeans und dem kargen Nordosten.

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