Kenia
Stammeskämpfe mit Macheten

Bei blutigen Kämpfen in Kenia starben erneut mehr als 60 Menschen. Nach Berichten von Augenzeugen gingen verfeindete Stämme mit Macheten sowie Pfeil und Bogen aufeinander los. Dabei wird immer deutlicher, dass die anhaltenden Zusammenstöße kaum noch etwas mit der umstrittenen Präsidentenwahl vom Dezember zu tun haben.

HB NAIVASHA/KENIA. Das Zentrum der Kämpfe war am Wochenende Nakuru: In der Hauptstadt der Provinz Rift Valley gingen bis Samstagmorgen Kikuyu und Angehörige anderer Stämme aufeinander los. In zwei Tagen wurden 60 Menschen getötet, die in eine Leichenhalle gebracht wurden. In der nahegelegenen Ortschaft Naivasha griffen rund 100 Angehörige des Kikuyu-Stammes am Sonntag Luo-Bewohner mit Macheten sowie Pfeil und Bogen an. Sie setzten zahlreiche Häuser in Brand. Dabei wurden mindestens sieben Menschen getötet. Die Polizei griff nicht ein.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah, wie Menschen mit Hackmessern getötet wurden oder bei lebendigem Leibe in ihren Häusern verbrannten. Naivasha liegt rund 90 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Nairobi.

Die Kikuyu sind der Stamm des Präsidenten Mwai Kibaki, der Ende Dezember in einer höchst umstrittenen Wahl für eine zweite Amtszeit bestätigt wurde. Oppositionsführer Raila Odinga gehört dem Stamm der Luo an.

Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich bei einer Reise durch die Provinz Rift Valley betroffen vom Ausmaß der Zerstörungen. „Man sollte sich nichts vormachen und sagen, dass dies ein Wahlproblem ist“, sagte Annan, der zwischen Kibaki und Odinga vermittelt. „Dies reicht sehr viel tiefer.“ Annan besuchte am Samstag die Region am Ostafrikanischen Grabenbruch, zu der auch Naivasha gehört. Annan sprach von jahrzehntelangen Ressentiments gegen die Dominanz der Kikuyu in Politik und Wirtschaft sowie alten Konflikten um Landbesitz.

Seitdem Kibaki zum Sieger der Präsidentenwahl vom 27. Dezember erklärt wurde, wurden mehr als 700 Menschen bei Zusammenstößen mit der Polizei oder in den Stammeskämpfen getötet. Anfangs waren vor allem Kikuyu unter den Opfern. Jetzt sind sie offenbar zur Offensive übergegangen.

Annan wollte am Sonntagabend zu einem weiteren Treffen mit Odinga zusammenkommen. Oppositionssprecher Salim Lone sagte, seine Partei ODM sei gebeten worden, drei Unterhändler für Gespräche mit der Regierung zu benennen, die innerhalb einer Woche beginnen sollten.

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