Kennebunkport-Gipfel
Entfremdete Freunde

Am kommenden Sonntag treffen sich US-Präsident George W. Bush und sein russischer Kollege Wladimir Putin in Amerika. Auf persönlicher Ebene verstehen sich die beiden. Doch die harsche Rhetorik der letzten Monate hat das Verhältnis zwischen Moskau und Washington stark belastet.

WASHINGTON. Wenn sich ab Sonntag US-Präsident George W. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin in Kennebunkport treffen, stehen politisch die Themen Raketenschild, Iran und Kosovo im Mittelpunkt. Doch mindestens genauso wichtig werden die atmosphärischen Aspekte der Begegnung sein. Denn die harsche Rhetorik der letzten Monate zwischen Moskau und Washington hat das Verhältnis zwischen beiden Ländern sichtlich belastet.

Dass vor allem der amerikanische Präsident dem Treffen eine sehr persönliche Note geben will, erklärt sich schon durch den Ort. Einladungen zum Sitz der Bush-Familie in Kennebunkport im Bundesstaat Maine sind ausgesprochen selten, und dieser folgt zudem nur kurz auf die Begegnung während des G8-Gipfels in Heiligendamm. Damit sollen offenbar schon vom äußeren Rahmen die Voraussetzungen für einen Erfolg geschaffen werden. Immerhin hatte der Kontakt von Bush und Putin einst einen viel versprechenden Anfang genommen.

Als sich beide im Juni 2001 im slowenischen Ljubljana trafen, sagte Bush noch über Putin: „Ich habe diesem Mann in die Augen geblickt. Ich habe ihn als sehr direkt und vertrauenswürdig erlebt.“ Und schließlich: „Ich war in der Lage, ein Gefühl für seine Seele zu bekommen.“ Wenige Monate später kurz nach den Anschlägen vom 11. September setzten sich die Flitterwochen auf Bushs Ranch im texanischen Crawford fort. „Je tiefer ich in sein Herz und seine Seele sehe, desto mehr weiß ich, dass wir zusammenarbeiten können“, begeisterte sich Bush.

Doch tatsächlich trug dieser Optimismus nicht lange. Andrew C. Kuchins vom Zentrum für Strategische Studien (CSIS) in Washington glaubt daher, dass es Bush wie Putin nun vor allem um ihr politisches Erbe geht. Beide scheiden in absehbarer Zeit aus ihren Ämtern. „Und beide wollen kein zerrüttetes amerikanisch-russisches Verhältnis zurücklassen“, glaubt Kuchins. Gleichzeitig aber bestehe beidseitig der Eindruck, Chancen verpasst zu haben. Diese Bitterkeit sei es, die auch zu der zuletzt harschen Rhetorik beigetragen habe, sagt Kuchins.

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