Kernkraftreaktoren
Anlagenbauer hoffen wieder auf Aufträge

Zwanzig Jahre nach Tschernobyl blicken die Hersteller von Kernkraftwerken wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Erste Bestellungen für Reaktoren der neuen Generation, ambitionierte Pläne für den Bau einer Vielzahl von Anlagen in China oder Russland lassen die Hersteller nach langer Durststrecke wieder auf volle Auftragsbücher hoffen.

DÜSSELDORF / HANNOVER. Sichtbares Beispiel: Der US-Konzern Westinghouse wechselte Anfang des Jahres erst nach langem Bieterkampf für 5,4 Mrd. Dollar den Besitzer – der Kaufpreis übertraf die Erwartungen um mehr als das Doppelte. Der neue Eigentümer Toshiba rechnet bis 2020 mit einem Wachstum des Marktes für Atomkraftwerke um gut 50 Prozent.

Nach der Katastrophe von Tschernobyl waren die Aufträge aus weiten Teilen der Welt ausgeblieben. 1990 hingen weltweit bereits 405 Reaktoren am Stromnetz, 2005 waren es mit 444 kaum mehr. Im größeren Stil kamen nur noch aus Asien Aufträge: Japan, Korea oder Taiwan zeigten sich von den Ereignissen in Tschernobyl weitgehend unbeeindruckt.

Die Folge: In den vergangenen zwei Jahrzehnten gingen zahlreiche Hersteller Pleite oder schlossen sich zusammen. Speziell in Deutschland, das einst zu den Technologieführern gehörte, wurden Kapazitäten und Know-how abgebaut. Die Stromversorger beklagen seit Jahren einen mangelnden Nachschub an kompetenten Technikern.

„Die Konsolidierung der Branche war aber abzusehen“, sagt Christopher Weßelmann, Chefredakteur der Fachzeitung ATW. Tschernobyl sei nur einer der Gründe gewesen. In den 70er-Jahren sei der Energiebedarf zu optimistisch eingeschätzt worden. In vielen Ländern, beispielsweise Deutschland, waren die Programme zum Bau von Atomkraftwerken ohnehin abgeschlossen.

Heute wird der Weltmarkt von wenigen Schwergewichten, dem französischen Areva-Konzern, Toshiba-Westinghouse oder General Electric, beherrscht. Der Siemens-Konzern hatte Ende der 90 Jahre reagiert, die Sparte Kraftwerksbau auf konventionelle Anlagen fokussiert und seine Nukleartechnik 2001 in ein Joint Venture mit Framatome, dem Areva-Vorgänger, eingebracht. An dem Gemeinschaftsunternehmen hält der Siemens-Konzern 34 Prozent der Anteile.

„Der Schwenk weg von der Kernkraft hat bei der deutschen Technik Spuren hinterlassen“, bestätigt Jürgen Schloß, im Siemens-Konzern Bereichsvorstand für Energieverteilung. Er fügt aber hinzu, dass Siemens durch die Beteiligung am Joint Venture mit Areva bei der Entwicklung neuer Technologien nach wie vor dabei sei.

Die deutsche Tochter des Joint Ventures, die Areva NP GmbH, beschäftigt hier zu Lande derzeit 3 400 Mitarbeiter und setzte zuletzt knapp 500 Mill. Euro um. Sie beliefert die Kraftwerke mit Brennstäben, bietet Wartungs- und Erhaltungsdienstleistungen an, modernisiert die Anlagen und rüstet sie nach.

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