Kernkraftwerk Buschehr: Iran steht angeblich bei Russland in der Kreide

Kernkraftwerk Buschehr
Iran steht angeblich bei Russland in der Kreide

Seit mehreren Jahren helfen russische Experten dem Iran dabei, das vor Jahrzehnten begonnene Kernkraftwerks-Projekt Buschehr zu vollenden. Nun soll Teheran mit dem Bezahlen der Rechnungen in Verzug geraten sein - und Moskau hebt warnend den Zeigefinger.

HB MOSKAU/TEHERAN. Der Iran habe seit mehr als einem Monat kein Geld mehr überwiesen, hieß es am Montag aus Kreisen der russischen Atomenergiebehörde Rosatom. Daher sei es „offensichtlich, dass der Zeitplan für den Bau der Anlagen korrigiert werden muss“.

Nach Angaben des staatlichen russischen Nukleartechnik-Exporteurs Atomstroiexport, das mit den Arbeiten in Buschehr beauftragt ist, kam es zu dem Zahlungsverzug, weil die zuständige iranische Bank ihre Überweisungen von Dollar auf Euro umstellte. Zusätzlich würden die Bauarbeiten durch die UN-Sanktionen gegen das iranische Atomprogramm erschwert, sagte eine Sprecherin. Einige Länder lehnten deshalb Lieferungen an den Iran ab, so dass plötzlich sämtliche Teile von russischen Firmen geliefert werden müssten.

Die iranische Atomenergiebehörde beschwichtigte. Teheran komme seinen finanziellen Verpflichtungen nach, wurde der stellvertretende Leiter der Behörde, Mohammad Saidi, von der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA zitiert. Zwischen Moskau und Teheran besteht ein Vertrag im Wert von umgerechnet 760 Millionen Euro, wonach Russland die Atomanlage in Buschehr maßgeblich mit errichten soll.

Laut einer darauf aufbauenden Vereinbarung aus dem vergangenen Jahr soll Russland bis kommenden Monat die Brennstäbe liefern. Im September soll die Anlage angefahren werden, im November könnte sie ans Netz gehen. An den beiden Meilern wird bereits seit den 70-er Jahren gebaut. Ursprünglich sollten Siemens und andere deutsche Firmen zwei Reaktoren vom Biblis-Typ errichten. Nach der islamischen Revolution 1979 zogen sich die Deutschen zurück. Mitte der 90-er Jahre ging es weiter, seitdem werden zwei Druckwasserreaktoren der russischen WWER-Baureihe eingebaut.

Russland hat im Dezember einer Resolution des Weltsicherheitsrats zugestimmt, in der die Weigerung Teherans, auf eine eigene Urananreicherung zu verzichten, mit Sanktionen belegt wurde. Der Weiterbau von Buschehr ist davon allerdings nicht betroffen. Russland hat angeboten, die Urananreicherung für iranische Kernkraftwerke zu übernehmen, um internationale Befürchtungen über ein etwaiges Atomwaffenprogramm zu zerstreuen. Teheran hat das Angebot zwar nicht abgelehnt, besteht aber gleichzeitig auf seinem Recht auf eigene Anreicherung.

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