„Kernprobleme nicht gelöst“
USA und Europa könnten zum Konjunkturkiller werden

Alles schaut derzeit auf die Euro-Schuldenkrise, dabei steht nicht nur Europa, sondern der Weltwirtschaft insgesamt ein weiteres großes Problem ins Haus: Die US-Wirtschaft, die nur im Schneckentempo aus dem Krisental dümpelt. Der deutsche Außenhandel warnt bereits: Bekommen die Amerikaner ihre Dauerschwäche nicht gelöst, dann könnte die Weltkonjunktur in die Knie gehen.
  • 3

DÜSSELDORF. Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen, Anton Börner, hat angesichts der Euro-Krise und der Dauerschwäche der US-Wirtschaft vor einem Rückschlag für die Weltkonjunktur gewarnt. Wie Europa hätten auch die USA "erheblichen Handlungsbedarf", sagte Börner mit Blick auf die Herausforderungen der Politik für 2011 Handelsblatt Online. Die Vereinigten Staaten bekämen ihre Probleme Inflation und Wachstumsschwäche einfach nicht in den Griff. "Das wird die Weltwirtschaft abbremsen und wegen der massiven Geldmengenausweitung zu einem starken Verfall des Dollars führen", warnte Börner.

Wichtigstes Thema für die Politik im kommenden Jahr bleibt nach Ansicht Börners das Lösen der Euro-Schuldenkrise. "Europa braucht dazu eine Agenda 2020", sagte der Außenhandelspräsident. Die Europäische Union habe sich bislang "lediglich Zeit gekauft, die Kernprobleme des Euro aber nicht gelöst". Dazu zählten neben der überbordenden Verschuldung insbesondere auch die eklatanten Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Euro-Länder. "Es gibt aber keine Alternative zum Euro und zu einem gemeinsamen Europa, deshalb brauchen wir eine gemeinsame Wirtschaftspolitik, um die Probleme mittel- und langfristig in den Griff zu bekommen", sagte Börner und fügte hinzu: "Vor allem die südeuropäischen Länder brauchen einschneidende Reformen."

Ähnlich kritisch lautet die Analyse der Allianz-Tochter Pimco. Dieser große Investor in Staatsanleihen weltweit geht angesichts der Euro- Schuldenkrise mit der Politik hart ins Gericht. Die auf dem EU-Gipfel in Brüssel vereinbarte dauerhafte Lösung für eine Rettung von Krisenländern komme 2013 zu spät, sagte der Leiter des Portfoliomanagements bei Pimco, Andrew Bosomworth, der Tageszeitung "Die Welt". "Die Politik darf nicht länger die Augen vor einer Staatspleite innerhalb der Europäischen Union verschließen. Sie muss dringend eine Lösung für den Insolvenzfall finden", forderte er. Die Spannungen an den Finanzmärkten würden auch 2011 bleiben.

Für besonders gefährdet hält Bosworth Griechenland, Irland und Portugal. Er traue den hoch verschuldeten Ländern nicht zu, belastet durch Sparprogramme genügend Wachstum zu erzielen. Besser sei daher ein Austritt aus dem Euro, durch den diese Staaten im Export wieder wettbewerbsfähig würden. Positiver beurteile er die Lage für Italien, Spanien und Belgien. Allerdings sei die - von Deutschland abgelehnte - gemeinschaftliche Euro-Anleihe sinnvoll, um die Sorgenkinder bei ihren Bemühungen zum Schuldenabbau zu unterstützen.

Pimco ist in der Debatte kein Unbeteiligter. Durch Äußerungen wie die von Bosomworth kann die Fondsgesellschaft auch die Kurse von Staatsanleihen beeinflussen und damit wiederum Geschäfte machen. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten in der vergangenen Woche eine dauerhafte Rettung für angeschlagene Euro-Länder ab 2013 vereinbart.

Dann sollen je nach Fall auch private Gläubiger wie Pimco bei einer Rettung Einbußen in Kauf nehmen müssen. Unklar blieb jedoch, mit welchen zusätzlichen Maßnahmen auf eine Eskalation der Krise vor 2013 reagiert werden soll. Bis dahin steht ein auf 750 Milliarden Euro beschränkter Rettungsfonds von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) zur Verfügung.

Kommentare zu " „Kernprobleme nicht gelöst“: USA und Europa könnten zum Konjunkturkiller werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Machen wir uns nichts vor: Die Krise der USA ist nicht, wie börner suggeriert, durch irgendwelche politischen Handlungen zu beheben. was er meint, ist: wenn Obama das und jenes (Konjunkturprogramm?) macht, dann wird es wieder wie früher. irrtum ! Es wird eben nicht wie früher. Die USA sind bis zum anschlag verschuldet und drücken massiv dollars in den markt. Es gibt die eine möglichkeit, die Schuldenlast zu verringern, und das ist inflation, worauf es ja auch hinausläuft. Ob das allerdings günstig für die deutsche Wirtschaft ist, bezweifle ich. Die hochfliegenden Wachstumsträume werden sich für deutschland nicht erfüllen, denn der nächste Einbruch der weltwirtschaft scheint ja unmittlebar bevorzustehen. Der Euro hat ein dauerproblem, denn weder griechenland noch irland werden aus der Schuldenspirale herauskommen. Kurzfristige Hinausschiebepolitik wird hier von Merkel gemacht, der zusammenbruch des kartenhauses ist vorprogrammiert. Sie hält sich zugute, Zahlungen und euro-bonds abgewehrt zu haben. wir werden dieses Klein-klein später dann um so teurer bezahlen. Denn so ist es bei der schuldenspirale: der große Hieb kommt am Schluß.

  • Wirklich beunruhigend ist nicht, dass die USA ihr Kernproblem nicht gelöst haben, sondern dass sie nicht wissen, wie sie es lösen können und die Europäer nicht begreifen, dass sie im Grunde dasselbe Kernproblem haben (siehe: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/12/die-amerikanische-krise-wie-die-us.html).

    Denn das bisherige europäische Wachstumsmodell funktioniert nicht mehr und das zeigt sich darin, dass die Schuldenstaaten kein tragfähiges Wachstumskonzept mehr haben. Austertätspolitik ist indes kein Wachstumskonzept und mit einer „Agenda 2020“ löst man das Problem auch nicht.

    Wenn die EU in ihrer gegenwärtigen Form überleben will, dann muss sie ein neues europäisches Wachstumsmodell finden, so wie die USA eines für sich finden müssen.

    Es ist beunruhigend, dass die Staats- und Regierungschefs der führenden EU-Staaten sich dieser Aufgabe bisher überhaupt nicht gestellt haben, sondern es als Sache der Schuldenstaaten ansehen, wie sie wieder auf Wachstumskurs kommen – trotz des verordneten drakonischen Sparprogramms. So kann die EU nicht funktionieren.

  • Grenzt dass jetzt an Kanibalismus?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%