Kidnapper melden sich nicht: Trotz neuem Irak-Video weiter kein Kontakt

Kidnapper melden sich nicht
Trotz neuem Irak-Video weiter kein Kontakt

Auch nach der Ausstrahlung eines neuen Videos der Entführer zweier sächsischer Ingenieure im Irak ist es der Bundesregierung nicht gelungen, Kontakt zu den Kidnappern herzustellen. Das Auswärtige Amt tröstet sich damit, wenigstens ein Lebenszeichen erhalten zu haben.

HB BERLIN/BAGDAD. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, erklärte am Dienstag, immerhin zeige die neue Videobotschaft der Entführer vom Vorabend: „Die beiden leben noch“. Die neue Botschaft sei das erste Lebenszeichen von René Bräunlich und Thomas Nitzschke seit vielen Tagen. „Das motiviert noch mehr, alles zu tun, um wenigstens in Kontakt mit den Entführern zu kommen.“ Dass die Entführer keine neuen Fristen nennen, sei „vielleicht ein Ansatz, dass man doch noch die Möglichkeit hat, einen Kontakt herzustellen“, sagte der SPD-Politiker.

Am Montagabend hatte der Sender Al Arabija eine wenige Sekunden lange Videobotschaft ausgestrahlt, die auf vergangenen Samstag datiert war. Darin drohen die Entführer erneut mit der Ermordung ihrer Geiseln, wenn die deutsche Regierung die „letzte Chance“ zur Erfüllung der Forderungen nicht nutze. Eine Frist wurde aber nicht gesetzt. Die beiden Deutschen saßen gefesselt auf dem Boden, vier bewaffnete und vermummte Männer standen hinter ihnen. Die Entführten baten nach Angaben des Senders, der den Ton nicht sendete, die Bundesregierung auf Deutsch, ihr Leben zu retten.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte auf seiner Nahostreise, der Film sei ein „schockierendes Zeugnis menschlicher Erniedrigung“. Die Experten im Berliner Krisenstab würden sofort daran gehen, das Video auszuwerten. „Und ich kann nur versichern, dass wir unsere Bemühungen fortsetzen, die beiden so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Wir tun, was wir können.“

Bräunlich und Nitzschke waren am 24. Januar in der nordirakischen Stadt Beidschi verschleppt worden. Es hatte bereits zwei Videobotschaften gegeben. Am 31. Januar hatten die Kidnapper die Bundesregierung aufgefordert, binnen 72 Stunden die Botschaft in Bagdad zu schließen und alle Kontakte zum Irak abzubrechen. Auf dem neuen Video heißt es: „Dies ist die letzte Warnung, die Forderungen der Gruppe zu erfüllen.“ Als Entführer wurde die bislang unbekannte Gruppe Tauhid und Sunnah-Brigade identifiziert.

Der Arbeitgeber der beiden Entführten, der Chef des sächsischen Anlagenbauers Cryotec aus der Gemeinde Bennewitz östlich von Leipzig, Peter Bienert, nannte die Videobotschaft eine freudige Nachricht. Sie zeige, dass bei den Entführern eine gewisse Toleranzbreite da sei. Die Lebensgefährtin von Bräunlich nannte das Video einen Schock, aber auch ein Zeichen, dass Bräunlich und Nitzschke noch leben.

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