Kidnapper nennen sich "Sturmtruppen der Erdbeben"
Noch kein Kontakt zu Osthoff-Entführern

Die Bundesregierung hat nach den Worten von Außenminister Frank-Walter Steinmeier immer noch keinen Kontakt zu den Entführern der deutschen Archäologin Susanne Osthoff im Irak.

HB HAMBURG/BERLIN/BAGDAD. Vor einer weiteren Sitzung des Krisenstabes sagte Steinmeier in Berlin: „Bedauerlicherweise ist es uns in der ersten Woche nicht gelungen, mittelbar oder unmittelbar Kontakt zu den Entführern aufzunehmen.“ Der Appell von Osthoffs Mutter und Schwester um Freilassung sei im Irak auf große Beachtung gestoßen. Das gelte auch für die Verurteilung der Tat durch religiöse Autoritäten. „Ich gebe zu, wir wären gerne weiter, als wir sind“, sagte der Minister. Die Bundesregierung werde weiterhin alles Menschenmögliche tun, um die Geiseln bald frei zu bekommen.

Osthoff war am Freitag vor einer Woche im Nordirak entführt worden. In den vergangenen Tagen hatten die Mutter und die Schwester Osthoffs über den arabischen Nachrichtensender al Dschasira an die Geiselnehmer appelliert, die 43-Jährige freizulassen. Medienberichten zufolge forderte auch der radikale Schiiten-Prediger Muktada al Sadr beim Freitagsgebet in Nadschaf die Entführer auf, Osthoff sofort freizulassen.

Die Entführer der Archäologin gehören nach einem „Spiegel“-Bericht möglicherweise dem arabisch-nationalistischen Milieu der Ischrin-Brigaden an. Dafür spreche der Name, unter dem die Kidnapper firmieren: „Saraja al- Salasil“, Sturmtruppen der Erdbeben, schreibt das Magazin unter Berufung auf Informationen aus dem Krisenstab der Bundesregierung. Eine Gruppe ähnlichen Namens kooperierte schon früher mit den vor allem sunnitischen Ischrin-Brigaden, die seit Sommer 2003 im Irak aktiv sind.

Die Osthoff-Entführer hätten auf der DVD, die der ARD zugespielt wurde, ein Ultimatum gestellt, das am Freitagmorgen um 2.37 Uhr deutscher Zeit abgelaufen sei, schreibt der „Spiegel“. Um Kontakt zu den Geiselnehmern aufzunehmen, setze die Bundesregierung unter anderem auf kurdische Vermittler sowie den sunnitischen Geistlichen Abd al-Muneim al-Badari.

Obwohl die deutsche Botschaft in Bagdad Osthoff mehrfach gewarnt hatte, sie sei in Gefahr und solle so schnell wie möglich das Land verlassen, habe die Bundesregierung indirekt die Arbeit der Wissenschaftlerin im Irak bis Ende Mai finanziell unterstützt, schreibt das Magazin. Deutsche Diplomaten bestätigten am 6. Februar 2005 der irakischen Antikenverwaltung, dass das Auswärtige Amt für ein von Osthoff vorgeschlagenes Projekt im Irak möglicherweise einen Zuschuss geben werde. Am 18. Mai sagte das Auswärtige Amt tatsächlich rund 40 000 Euro für die Rekonstruktion einer osmanischen Karawanserei aus dem Jahr 1793 in Mossul zu, an der Osthoff beteiligt war.

Gut 10 000 Euro flossen sofort, aber nicht direkt an Osthoff, sondern an die irakische Antikendirektion. Allerdings, so das Auswärtige Amt laut „Spiegel“, habe man nur das Projekt sponsern wollen. Gleichzeitig habe man aber massiv auf die Ausreise von Osthoff hingewirkt.

Mittlerweile hat der Krisenstab der Bundesregierung die letzten Stunden vor der Entführung teilweise rekonstruiert. Danach brach Osthoff am 25. November um 6 Uhr morgens mit ihrem irakischen Fahrer in einem weißen Taxi mit Bagdader Kennzeichen ins rund 350 Kilometer entfernte Arbil im Nordirak auf. Nach etwa 200 Kilometern, kurz vor Tus Churmatu, war die Straße gesperrt - angeblich wegen einer Militäraktion. Osthoff wollte die Stadt vermutlich westlich umfahren. Um 10 Uhr war sie bei irakischen Gesprächspartnern in Arbil angekündigt, doch sie kam nicht an. Am Samstagmorgen erhielt die „Hostage Warning Group“ der US-Botschaft im Irak einen Hinweis auf eine Entführung und alarmierte die deutsche Botschaft.

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