Kiews Bürgermeister Klitschko
Krise, Krieg und Klappräder

Der Konflikt mit Russland lastet auf Kiew. Bürgermeister Klitschko will für Frieden und Aufschwung in der ukrainischen Hauptstadt sorgen – und für Radwege. Ein ehrgeiziger Plan für die krisengebeutelte Stadt.
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KiewBürgermeister Vitali Klitschko ist nicht nur Kiews Stadtoberhaupt, sondern dürfte auch zu den sportlichsten Einwohnern der ukrainischen Hauptstadt zählen. Obwohl er kein Box-Profi mehr ist, trainiert der Zwei-Meter-Mann noch immer täglich. Auch das Fahrradfahren steht auf seinem Fitness-Programm. Als Bürgermeister will er Kiew nun zur fahrradfreundlichsten Stadt der Ukraine machen.

Bis zum Frühjahr 2015 sollen die Pläne fertig sein. Nicht nur Radfahrwege sollen dabei entstehen, sondern auch eine fußgängerfreundliche Infrastruktur. Was in Deutschland als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird, ist in Kiew ein absolutes Novum, denn es gibt dort bislang keinen einzigen Meter an Fahrradwegen.

Bürgermeister Klitschko hat Ende November eine Arbeitsgruppe aus Umweltschützern, Sportfachleuten und internationalen Experten zusammengestellt und zusätzlich eine Fahrradbeauftragte ernannt. Ksenia Semenowa ist nun für die Entwicklung von Radwegen und einer verbesserten Infrastruktur in Kiew verantwortlich.

Die junge Frau hat jahrelang bei der Nichtregierungsorganisation (NGO) „Informationszentrum Fahrradfahren“ gearbeitet. Der Verein versucht mithilfe niederländischer und skandinavischer Experten, das Fahrradfahren in der Ukraine beliebter zu machen. Bislang mit eher geringer Resonanz. Das soll sich nun ändern.

Im Budget der Stadt stehen 2015 umgerechnet 15 Millionen Euro für den Bau von Radwegen zur Verfügung. „Das ist erst einmal ein Anfang, wenn man bedenkt, dass es in der Innenstadt bislang gar keine Radwege gibt“, sagte Semenowa bei der Präsentation ihres Plans. Gemeinsam mit Experten aus Schweden erarbeitet die Gruppe nun ein Konzept, wo die ersten Wege entstehen sollen. Mittlerweile ist durchgesickert, dass der achtspurige Innenstadt-Boulevard Kreschatik auf sechs Spuren verengt werden soll, damit Radler auch eine Chance zum Fahren haben. Bisher ist der Kreschatik eine Rennpiste für die SUVs und Limousinen der reichen Hauptstädter.

In der Innenstadt ist zudem eine Kooperation mit einigen internationalen Hotelketten vorgesehen. Zum Beispiel will sich ein namhaftes Unternehmen aus Skandinavien an dem Projekt beteiligen und seinen Gästen in Zukunft Leihräder zur Verfügung stellen.

Bislang ist Radfahren in Kiew eher etwas für Abenteurer oder Männer wie Klitschko, der zusammen mit seinen Leibwächtern in die Pedale tritt. Vor allem im Sommer wurde der frühere Box-Weltmeister regelmäßig gesehen, wie er mit einem schwarzen Mountainbike unterwegs war.

Klitschko soll dabei nicht entgangen sein, dass die meisten Autofahrer in Kiew weder auf Fußgänger noch auf Radfahrer Rücksicht nehmen. Oberste Priorität hat deshalb nicht nur der Bau von Radwegen, sondern auch die Verkehrserziehung. Radbeauftragte Ksenia Semenowa will deshalb Programme an Schulen und in Jugendeinrichtungen auflegen, zudem sollen Verkehrsrowdys in Zukunft strenger bestraft werden.

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