Kim Jong Un

Arbeiten für den Führer

Schnell wie ein geflügeltes Pferd soll sich Nordkoreas Kommandowirtschaft vorwärts bewegen. Um die Arbeiter zu motivieren, hilft Diktator Kim Jong-Un mit Kampagnen nach. Keiner wehrt sich – zumindest öffentlich.
„Haben Sie den Plan für heute schon erfüllt?“ In Nordkorea gibt es einen Motivationsplan für die Arbeiter. Quelle: dpa
Kim Jong Un

„Haben Sie den Plan für heute schon erfüllt?“ In Nordkorea gibt es einen Motivationsplan für die Arbeiter.

(Foto: dpa)

Wonsan/NordkoreaDie knalligen roten Slogans hängen in Bussen, an Regierungsgebäuden und manchmal auch in Restaurants oder an Tankstellen. „Haben Sie den Plan für heute schon erfüllt?“ fragt eines der Plakate. Es ruft die Nordkoreaner dazu auf, härter und produktiver zu arbeiten, um ihr Land nach vorne zu bringen.

Die Regierung will mit einer 200-tägigen Kampagne mehr Schwung in die Wirtschaft bringen. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr spornt Präsident Kim Jong Un auf diese Weise die stotternde Wirtschaft an. Die erste währte 70 Tage und dauerte bis kurz vor dem Parteitag im Mai. Die neue begann kurz nach dem Parteikongress, dem ersten seit 36 Jahren.

Pjöngjang – Tristesse in Grau
Bauklotz-Tristesse
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Wie unsortiert aufgestellte Bauklötze ragen die Hochhäuser in Pjöngjang in die Luft. Viele von ihnen sind trotz den frischen Anstrichen heruntergekommen, einige wirken gar verwahrlost.

Bunt und doch verwahrlost
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Knapp 2,9 Millionen Nordkoreaner leben in der Hauptstadt Pjöngjang, die zugleich auch die größte Stadt des Landes ist. Viele von ihnen leben unter der Armutsgrenze.

Ungepflegte Häuser sind normal
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Betrachtet man die Häuser aus der Nähe, sieht man, wie ungepflegt die Wohnblöcke aussehen. Umgerechnet gerade einmal 100 Euro verdient ein durchschnittlicher Arbeiter. Zu wenig, um das eigene Zuhause zu renovieren.

Besserung in kleinen Schritten
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Dabei sieht die Stadt heute moderner und oftmals gepflegter aus als noch vor zehn Jahren. In diesem Viertel etwa leben besser verdienende Schichten, wie etwa Wissenschaftler und Ingenieure. Vereinzelt sind auch Autos zu sehen. Ein Bild, das die Verantwortlichen vermutlich gerne nach außen dringen lassen.

Im Netz
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Seit einigen Jahren gibt es in der Diktatur sogar Zugänge zu Computern und auch dem Internet. Knapp 7.000 Menschen surfen regelmäßig, weniger als 50 Internetadressen sind verfügbar.

Prunk nach außen
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Besonders stolz ist die Regierung in Nordkorea auf die modernen sauberen Metrostationen in Pjöngjang. Die Metro gilt als eine der tiefsten der Welt.

Grau, Grauer, Pjöngjang
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Abseits der Propagandabilder von Metrostationen und moderner Technik bietet sich das wahre Bild von Pjöngjang: Graue Tristesse, eingehüllt in grau-weißen Smog, der sich über die Plattenbauten der Stadt legt. Im Mittelpunkt des Fotos: Das Monument der Parteigründung.

Beobachter aus dem Ausland bezweifeln, dass die staatlichen Anfeuerungsversuche nachhaltig wirken. Internationale Sanktionen angesichts des nordkoreanischen Atomprogramms und wiederholter Raketentest setzen klare Grenzen. Doch gerade deshalb steht Nordkorea unter Druck, seine Wirtschaftsschwäche allein zu überwinden.

Die Geschichte der staatlichen Kampagnen zur Steigerungen der Produktivität begann bereits in den 1950er Jahren kurz nach dem Korea-Krieg. Staatsgründer Kim Il Sung, der Großvater des heutigen Präsidenten, bemühte dazu den Mythos eines geflügelten Pferdes. Die Chollima-Bewegung wurde geboren: Stark und schnell wie das mythische Wesen Chollima sollte der neue Staat aufgebaut werden. Die jetzigen Aktionen laufen unter dem Mallima-Motto – unter Berufung auf ein wiederum geflügeltes Pferd, das aber noch zehn Mal schneller ist.

Zumindest öffentlich wehrt sich keiner gegen das Programm. Proteste oder gar Streiks sind undenkbar. „Wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man niemanden einfach nur herumspazieren“, sagt Chang Sun Ho, Manager einer Schuhfabrik in Wonsan an der Ostküste des abgeschotteten Landes. „Alle arbeiten.“

„Für uns ist es also so, als ob wir für unseren Vater arbeiten“
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