Kim Jong Un vs. Donald Trump
Ein Krieg der Worte

„Rocket Man auf Selbstmordmission“ und „geistig umnachteter seniler Amerikaner“ – der Streit zwischen Nordkorea und den USA eskaliert weiter. Fürchtet Nordkoreas Regime wirklich keine Konsequenzen? Ein Kommentar.
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TokioDer Krieg der Worte zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un eskaliert weiter. Nachdem der „geistig umnachtete senile Amerikaner“ am Donnerstag in der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit der totalen Vernichtung Nordkoreas gedroht hat, ließ der „Rocket Man auf Selbstmordmission“ am Freitag einen möglichen atmosphärischen Wasserstoffbombentest mitten im Pazifik ankündigen. Nur leere Drohungen im verbalen Wettrüsten zweier Hitzköpfe? Oder sind wir jetzt einen Schritt näher an einem Atomkrieg?

Einerseits würde ein oberirdischer Atomtest dem Regime in Pjöngjang sehr helfen. Wenn Kim tatsächlich seine miniaturisierte Wasserstoffbombe, die er uns Anfang dieses Monats auf einem Foto präsentiert hat, auf eine seiner mittlerweile erstaunlich ausgereiften ballistischen Raketen platziert und im Pazifik detonieren ließe, dann hätten es Trump und all die westlichen Skeptiker wohl schwer, Nordkoreas technische Fähigkeiten weiter klein zu reden, um das Regime nicht als Atommacht anerkennen zu müssen. Immer wieder verweisen Experten darauf, dass sich auch die Chinesen in den 60er Jahren die Anerkennung der USA als Atommacht mit einem atmosphärischen Atomtest erzwungen haben. So viel geschichtliches Wissen wird wohl auch der junge Kim haben.

Andererseits birgt dieses Szenario auch große Gefahren. Sollte das Manöver schief gehen und die Bombe schlimmstenfalls über Japan explodieren, müsste Kim wohl mit einem nuklearen Vergeltungsschlag rechnen.

Bislang hielt die Mehrheit der westlichen Beobachter daher einen oberirdischen Atomtest für sehr unwahrscheinlich. Selbst Kims Außenminister Ri Yong-ho, der die Warnung überbrachte, relativierte seine Worte gleich wieder. Er wisse nicht, was komme, schließlich geschehe alles nur auf Kims Befehl, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap Ri. 

Wenige Stunden vor Ris Atomtestdrohung wandte sich der junge Machthaber erstmals in einem persönlichen Statement in der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA selbst an die Weltöffentlichkeit. Das haben weder sein Vater noch sein Großvater je getan. Er muss also ein besonders wichtiges Anliegen haben, wenn er mit dieser Tradition bricht.

Man muss kein Nordkorea-Experte sein, um auf den ersten Blick zu erkennen, dass sich Kim von Trumps despektierlichem „Rocket Man auf Selbstmordmission“ zutiefst persönlich beleidigt und in seiner Würde verletzt fühlt. Kims in englischer Sprache veröffentlichte Ansprache besteht fast ausschließlich aus verbalen Retourkutschen an den „geistig umnachteten senilen Amerikaner“, dessen UNO-Rede ein „noch nie dagewesener Nonsens“ war. Nach den ansonsten allgegenwärtigen Seitenhieben auf die feindselige Einstellung der Amerikaner, die das Regime in Pjöngjang stets als Grund für sein Atom- und Raketenprogramm nennt, sucht man dagegen vergebens. 

Es spricht also einiges dafür, dass Kims jüngste Hasstirade sich weniger an die USA als an Trump persönlich richtet. Zur Beruhigung dürfte das allerdings kaum beitragen. Denn Kim kommt – genau wie Trump in diversen Tweets auch – zu dem Schluss, dass sein Widersacher nur „mit Feuer“ gezähmt werden könne.

Neben dem angedrohten oberirdischen Atomtest lässt sich Kim mit seiner Formulierung aber auch viele andere – weniger gefährliche – Optionen offen. Er könnte zum Beispiel seine Drohung vom August wahrmachen und Raketen vor der US Pazifikinsel Guam testen. Militärexperten warnen darüber hinaus, dass ein Test einer Interkontinentalrakete überfällig ist, wenn er sein erklärtes Ziel erreichen will, das amerikanische Festland mit Atomwaffen bedrohen zu können.

Die nordkoreanischen Provokationen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitergehen. Aber Kim ist nicht lebensmüde. Wenn man sich seine jüngsten Raketenabschüsse über Japan ganz genau anschaut, könnte man fast meinen, dass auch er manchmal ein bisschen Angst vor der eigenen Courage hat. Warum hat er seine Hwasong-12-Raketen eigentlich nicht über die Millionenmetropole Tokio oder irgendeinen anderen dicht besiedelten Ort hinweg geschossen? Statt den Japanern maximale Angst einzuflößen, ließ er eine Route über das extrem dünn besiedelte Erimoto-Cap wählen. Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass Kim die Konsequenzen gefürchtet hat, falls seine Rakete versehentlich zu früh abstürzt. Diese Angst dürfte bei einem atmosphärischen Atomtest wohl um einiges größer sein.

Kommentare zu " Kim Jong Un vs. Donald Trump: Ein Krieg der Worte"

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  • ... trampelt unversehen ...

    Das triftts nicht ganz. Trump wollte immer schon den Krieg mit Nord-Korea. Und falls es da nicht klappt, dann eben gegen Iran. Zur Not gibt es eben nur eine Invasion in Venezuela. Aber er sucht auf jeden Fall nach einer Möglichkeit, endlich wieder einen Krieg zu gewinnen.

  • Egon die Würgeameise

    Ein Elephant trampelt ausversehen in einen Ameisenhaufen. Sofort krabbeln die Ameisen an ihm hoch. Der Elephant schüttelt sich und die Ameisen fallen runter, bis auf eine, die klammert sich am Rüssel fest. Da schreien die anderen Ameisen: "Würg, ihn, Egon, würg ihn!"

  • Man sollte nie drohen. Nie.

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