Kinostart „American Sniper“
Mörder oder Held – wer ist Chris Kyle wirklich?

Am Donnerstag startet „American Sniper“ in den Kinos. Viel mehr als der Film sagt die Autobiografie von Chris Kyle etwas über den Scharfschützen aus. Seine Ansichten dürften nicht nur Pazifisten irritieren.
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„American Sniper" ist ein Film über einen tapferen Soldaten, sagen die einen. Über einen Mörder, entgegnen Kritiker. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und genau in der Diskussion über diesen Graubereich liegt der Reiz der Diskussion, die der Film entfacht. Er basiert auf einem Buch, der Autobiographie vom „Sniper“ Chris Kyle. Es ist die präzise Variante seiner Geschichte, auch wenn sich der Film ihr überraschend intensiv nähert. Dennoch ist Hollywood-Realität Hollywood-Realität.

In den USA und inzwischen auch in Deutschland entbrannte im Vorfeld des Filmstarts ein Streit um die wichtige Lehre aus dem Wirken von Chris Kyle. Die Frage der Feuilletonisten und so mancher Polit-Experten lautet: Darf man den gebürtigen Texaner derart heldenhaft stilisieren? Oder ihn so harsch verurteilen? Diese Diskussion ist extrem wichtig zu führen - übrigens gerade aus deutscher Sicht. Unsere Soldaten heischen auch um Respekt und bekommen ihn weit weniger in der Heimat als ihre US-Pendants. Entsprechend spannend ist die Frage, was Chris Kyle ist: ein Held, ein Opfer, ein Menschenrechte-Verteidiger oder ein Mörder? Die komplizierte Wahrheit ist: ein wenig von allem.

Die Autobiografie wurde von der Navy gegengelesen. Das ist üblich, damit der gute Mann keine Geheimnisse verrät. Grundsätzlich gekürzt wurde nichts, versichert der Autor - auch wenn sie die Navy über einige Stellen „geärgert“ habe. Buch und Film haben eine besondere Aufwertung durch den zwischenzeitlichen Tod von Chris Kyle erfahren: Er wurde am 2. Februar 2013 erschossen und hinterließ eine Frau und zwei Kinder. Der mittlerweile verurteilte Täter ist Veteran des Irak-Krieges, der an einer posttraumatischen Belastungsstörung litt.

Der Kinofilm stellt einem Millionen-Publikum den Helden Chris Kyle vor. Seine Autobiografie, die in den USA Anfang 2012 erschien und große Wellen geschlagen hat, tut das auch. Und das Chris Kyle inzwischen tot ist, könnte die Sicht auf ihn und seine Handlungen trüben. Doch wenn man allen Pathos beiseiteschiebt, lässt sich anhand seiner Geschichte die spannende Frage klären, wie man seine Taten bewerten sollte.

Chris Kyle ist vom ersten Satz weg brutal ehrlich. Man spürt, dass er kein Problem damit hat, sich so darzustellen, wie er war. Und dass es ihm tatsächlich nichts ausmacht, „was andere über mich denken“. Die Zahl der von ihm getöteten Menschen spiele keine Rolle, er kenne sie auch nicht – zwischen 150 und 200 mögen es sein: „Ich bedaure nur, nicht noch mehr Feinde erschossen zu haben, weil ich glaube, dass die Welt ein besser Ort ist ohne diese Wilden.“ Chris Kyle sagt ausdrücklich, dass er „mochte, was er tat“: „Ich lüge oder übertreibe nicht, wenn ich sage, dass mir meine Arbeit Spaß machte.“ Auf der anderen Seite sieht sich der Sniper als gläubiger Christ. Nur eben als einen, der Freude am Töten empfindet.

Seine Feinde, vor allem Muslime im Irak oder in Afghanistan, nennt Kyle „Wilde“. Es gäbe „kein anderes Wort, um treffender zu beschreiben, mit wem wir es zu tun hatten.“ Dass im Irak vier Jahrtausende vor Christus die ersten Hochkulturen der Menschheit entstanden sind und die Region von so manchem Historiker als Wiege der Zivilisation beschrieben wird, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Für Chris Kyle gibt es nur „Schwarz oder Weiß, Grauschattierungen existieren für mich praktisch nicht.“

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Mörder oder Held – wer ist Chris Kyle wirklich?

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Kyle verzichtet auf die Freiheit, die er für andere sichern will

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