Kinshasa
Mehrere Tote bei Gewaltausbruch im Kongo

Wenige Tage vor der Wahl im Kongo hat sich die Lage in der Hauptstadt Kinshasa zugespitzt. Bei Ausschreitungen kamen mindestens vier Menschen ums Leben. Mehrere Gebäude wurden geplündert und in Brand gesetzt. Der Direktor der UN-Mission fürchtet noch größere Gewaltausbrüche.

HB KINSHASA. Am Tag der Abschlusskundgebung des kongolesischen Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba seien mindestens vier Menschen getötet worden, berichtete das kongolesische Radio Okapi. Außerdem seien mehrere Gebäude geplündert und in Brand gesetzt worden, unter anderem ein Lager der privaten Sicherheitskräfte Bembas, die staatliche Medienbehörde, eine Freikirche und ein Proberaum eines bekannten Musikers.

Bemba, der als aussichtsreichster Gegenkandidat zum Amtsinhaber Joseph Kabila gilt, war am Donnerstag in Kinshasa angekommen und hatte im Stadium vor etwa 50 000 Menschen gesprochen. Seine Anhänger skandierten „Sohn unseres Volkes“, eine Anspielung auf die Herkunft Kabilas, der im tansanischen Exil aufwuchs und die Landessprache Lingala nicht sprechen kann.

Die katholische Kirche, die zunächst wegen vermuteter Unregelmäßigkeiten mit einem Boykott der Wahlen gedroht hatte, hat ihre Anhänger unterdessen aufgerufen, an der Wahl teilzunehmen. Wahlen seien der rechtmäßige Weg, um dem Volk die Macht zu geben, betonte die kongolesische Bischofskonferenz.

Der politische Direktor der UN-Mission, Albrecht Konze, sagte im RBB-Inforadio, der Wahlkampf sei über lange Zeit „relativ ruhig und fast gewaltfrei“ verlaufen. Dies habe die Wahlbeobachter positiv überrascht. „Jetzt, in den letzten Tagen, droht es noch einmal abzugleiten“, fügte er hinzu. Die UN und die EU-Truppen müssten sich mit ihren Kontakten in die politischen Lager darum bemühen, Eskalationen zu verhindern.

Konze warnte, später könne es noch schwieriger werden. „Wenn etwa zehn Tage keine Wahlergebnisse veröffentlicht werden, weil sie einfach noch gar nicht feststehen. Und wenn die Ergebnisse dann da sind, wird sich zeigen: Ist der Drittplatzierte vielleicht unzufrieden, weil er nicht in der Stichwahl ist? Das ist dann ein besonderer Fieberpunkt.“

Bereits am Donnerstag war es zu Ausschreitungen gekommen. Dabei griffen randalierende Bemba-Anhänger die Autos deutscher und französischer Soldaten mit Steinen und Holzlatten an. Drei Franzosen wurden leicht verletzt, zwei Autoscheiben zertrümmert. Die EUFOR hatte im Rahmen einer Informationsfahrt den Bürgermeister eines Stadtteils besucht und dort Fragen der Bevölkerung zu ihrem Einsatz beantwortet.

Mehr als 25 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag zu der ersten freien Wahl seit mehr als vier Jahrzehnten in dem zentralafrikanischen Land aufgerufen. Die 2000 Mann starke EUFOR soll der UN-Mission helfen, die Wahlen abzusichern. Deutschland beteiligt sich mit 780 Soldaten, von denen derzeit etwa 280 in Kinshasa sind.

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