Klage gegen S&P: Ratingagentur landet vor dem Richter

Klage gegen S&P
Ratingagentur landet vor dem Richter

Die US-Regierung macht Ernst: Sie geht gegen die Verantwortlichen der Finanzkrise vor. Dabei macht sie nicht bei Boni-Bankern halt, sondern bereitet eine Fünf-Milliarden-Dollar-Klage gegen Standard&Poor`s vor.
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New York/WashingtonAls die Untersuchungskommission zur Finanzkrise vor zwei Jahren ihren Bericht vorlegte, hatte die honorige Runde für die großen US-Ratingagenturen ein paar deftige Worte übrig. Das „Versagen“ von Firmen wie Standard & Poor`s, Moody`s und Fitch „spielte eine Schlüsselrolle dabei, das Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs zu bringen“, schrieben die Autoren.

Dieses Versagen könnte nun teuer werden, zumindest für die größte der drei Agenturen: Das Justizministerium und mehrere US-Bundesstaaten planen, Standard & Poor`s (S&P) vor einem Zivilgericht zu verklagen – wegen fehlerhafter Bewertungen von Hypothekenpapieren. S&P bestätigte am Montagabend entsprechende Berichte von „Wall Street Journal“ und „New York Times“. Auch die Höhe der Klagesumme ist mittlerweile bekannt: Die Regierung verklagt die Agentur auf mehr als fünf Milliarden Dollar, wie Justizminister Eric Holder am Dienstag sagte.

Es ist die erste Klage der US-Regierung gegen Ratingagenturen im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Und sie ist der jüngste Schritt von US-Präsident Barack Obama in seinem Versprechen, die Verantwortlichen für die Finanzkrise juristisch zur Verantwortung zu ziehen. Hatten sich Ministerien, Aufsichtsbehörden und Staatsanwälte bislang vor allem die Banken vorgeknöpft, scheinen jetzt die Ratingagenturen an der Reihe zu sein.

Deren Geschäft ist es, Wertpapiere, Unternehmen oder Staaten daraufhin zu bewerten, wie wahrscheinlich ein Zahlungsausfall ist. Je nachdem fällt dann die Bonitätsnote aus. Im Zuge des Immobilienbooms in den USA hatten nun S&P und seine Konkurrenten viele mit Hypotheken unterlegte Papiere mit Top-Bonitätsnoten geadelt. Bezahlt wurden sie meist von jenen Instituten, die die Papiere ausgaben.

Banken und Fonds auf der ganzen Welt griffen daraufhin dankbar zu, denn die Rendite war einträchtig. Doch als die Blase im Jahr 2007 platzte und immer mehr Immobilienbesitzer ihre Raten nicht mehr bezahlen konnten, wurden selbst die vermeintlichen Top-Papiere mit einem Schlag nahezu wertlos. Das brachte schließlich das Weltfinanzsystem an den Rand der Kernschmelze.

S&P bezeichnete die geplante Klage am Abend als „unbegründet“ und „ungerechtfertigt“. Das Justizministerium vergesse wohl, dass die Agentur sehr wohl auch zweifelhafte Hypothekenpapiere herabgestuft habe, heißt es in einer Mitteilung. Die guten Bewertungen seien überdies nicht aus kommerziellem Interesse erfolgt, sondern „in gutem Glauben“.

Vor allem aber: Man habe bei ihren Berechnungen „dieselben Daten ausgewertet wie der Rest des Marktes“, schrieb die Ratingagentur weiter. Mit anderen Worten: S&P sei genauso vom Ausmaß des Immobilien-Crashs überrascht worden wie alle anderen auch.

Dass andere tatsächlich ebenso ahnungslos waren, zeigen die erst kürzlich veröffentlichten Protokolle aus Sitzungen der US-Notenbank Fed aus Vorkrisen-Zeiten. Sie legen nahe, dass selbst die obersten Währungshüter im Jahr 2007 nahezu blind in die Krise schlitterten. Demnach hatte etwa Janet Yellen, heute Vizechfin der Fed, darauf gedrängt, die Geldpolitik unverändert zu lassen. „Die Gefahr, dass es zu einem Kollaps des Häusermarkts kommt“, sei „substanziell zurückgegangen“, sagte Yellen, die als künftige Fed-Präsidentin gehandelt wird. Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte daraufhin geraten: „Abwarten wäre weise.“

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Kommentare zu " Klage gegen S&P: Ratingagentur landet vor dem Richter"

Alle Kommentare
  • Deswegen sind California und andere US-Staaten auch pleite, gell?

    War halt Dummschwätz, die Amis können nur da, wo militärisch oder guerillerisch vorgegangen werden kann, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden oder zuviel Blutzoll zu zahlen ist. "The world is my oyster, ha, ha, ha, ha".

  • Das kommt eben dabei heraus wenn man "Selbstheilungskräften" des Marktes faselt, und diese Wunderheiler tun und lassen können was sie wollen. Und das um ein quasi sich selbst vermehrendes Geldsystem, losgelöst von jeglicher Arbeitskraft- und Produktivität zu schaffen.
    Banken leben vom Geld verleihen, und das tun sie normalerweise nur gegen Sicherheiten. Aber genau diese angeblichen Sicherheiten sind es, die das System bis zum Exzess aufgebläht haben. Und damit mehr und mehr Macht (Geld) in weniger Hände geflossen sind. Wer Arbeitslosen Menschen einen Hauskredit gibt, welcher den Wert des Hauses um das 4-fache übersteigt, Zinssätze manipuliert, und anderer Leute Geld sonstwie verzockt, gehört in den Knast. Und diejenigen Leute, die kräftig dabei mitgeholfen haben, ebenfalls. Von der Immobilienkrise überrascht, wie lächerlich. Ein Dieb kommt auch nicht mit der Ausrede, hab ja nicht gewußt das ich nicht klauen darf, durch. Und das ist auch richtig so.
    Hoffentlich ziehen diese Klagen jetz richtig Kreise, damit auch wieder für sich selbst arbeiten kann, und nicht für eine Finanzkaste.

  • Ja warum wohl nur S&P??
    Kann das sein, dass dies mit der Herabstufung der USA zu tun hat?
    Wenn S&P verklagt werden, weil sie die Hypothekenpapiere zu gut bewertet haben, dann muss S&P aber höllisch aufpassen, dass die amerikanischen Staatspapiere künftig nicht auch zu positiv bewertet werden. Sonst könnte S&P später wieder verklagt werden,oder wird da etwa mit zweierlei Maß gemessen?

  • ++++ es leben die linken Franzosen +++++

    Arbeitsminister Sapin - Frankreich ist total bankrott
    Dienstag, 29. Januar 2013 , von Freeman um 09:00

    Vielleicht ist das ein weiterer Grund warum die französische Regierung so vehement in Mali militärisch interveniert. Es ist eine Ablenkung von den Problemen des Landes. Am Montag hat nämlich der Arbeitsminister Michel Sapin die Franzosen schockiert in dem er sagte, Frankreich wäre "total bankrott". Der sozialistische Präsident Francoise Hollande versucht jetzt den Schaden einzudämmen den diese Aussage verursacht hat.



    Wie schon oft rutscht den Politikern manchmal die Wahrheit raus. Michel Sapin gab ein Radiointerview und dabei sagte er: "Es gibt einen Staat aber es ist ein Staat der total bankrott ist." Er fügte hinzu: "Darum mussten wir einen Plan zur Defizitreduzierung einführen und nichts darf uns von diesem Ziel abbringen."

    Der Plan von Hollande sieht eine Reduzierung des Defizit vor, in dem 60 Milliarden Euro weniger in den nächsten fünf Jahren ausgegeben wird und die Bürger 20 Milliarden Euro mehr an Steuern zahlen.

  • Ja, Chomsky kann man uneingeschränkt empfehlen.

  • @kuac

    Wenn die USA das System reformierten, würden diese ihre Weltmacht verlieren! Die Dollars sind wertlos wie nie zuvor! Man lese auch dazu folgendes Buch

    http://www.amazon.de/Kreatur-Jekyll-Island-schrecklichste-internationale/dp/3938516283/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1360062720&sr=1-1

  • @JohannesSchmidt

    Stimmt! Sie haben vollkommen recht. Ein Staat mit seinen Politikern legt fest wie das Geldsystem auszusehen hat und mit welchen Regeln es ausgestattet ist. Da die Politik aber auch nur die Handlanger der Reichen/Superreichen ist, legt es im Endeffekt das Kapital fest. Ausserdem wird hier immer ausgeblendet, dass wir uns im Kapitalismus befinden. Und diese Ideologie heißt nichst weiter als Geldvermehrung, zu welchen Bedingungen auch immer!!

    Ich empfehle mal jedem hier zum Thema Finanzkrise kommenden Film von arte

    Die produktiv arbeitenden Bürger werden doch alle nur noch für dumm verkauft!!

    http://www.arte.tv/de/7291880.html

  • Wenn es um Bestrafung von einzelnen Schuldigen geht, dann sind die Amis sehr gut. Aber sie versagen das System zu reformieren. Wenn der Bock gleichzeitig auch der Gärtner ist, dann sind auch weiterhin Krisen vorprogrammiert. Da sitzen Leute von der Finanzbranche in der Regierung und Regierungsmitglieder gehen zu den Banken und Ratingagenturen. Eine Hand wäscht die andere.

  • Die Feuermelder sind dabei reich geworden Feuergefahr nicht zu melden. Bezahlt von den Feuerlegern. Vielleicht mal einfach vorher informieren und dann Posten

  • Sehr interessante Entwicklung. Ich war immer der Meinung: Sobald diejenigen, die Ratings im großen Stil gegen Geld verkaufen auch haftbar gemacht werden können werden sich die Ratings ändern. So einfach ist da. Die Obama-Administration bringt scheinbar die Kraft auf, zumindest einen Prozess anzustoßen. Die dummen Rating-Gläubigen aus Europa, mit deren Geld die ganze Finanzkrise erst möglich war, stupid german money eben, hatten diese Kraft bislang nicht. Das sagt viel aus.

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