Klagen über „lästige Einreise“ in die USA
Deutsche Manager reisen, aber ärgern sich

Der wirtschaftliche und wissenschaftliche Austausch zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland wird mit zunehmendem US-Terrorschutz aufwendiger und kostenintensiver. In deutschen Firmen wächst der Unmut über die verschärften Einreisebestimmungen. Auswirkungen auf das Reiseverhalten zeigen sich, zumindest offiziellen Aussagen zufolge, bislang aber kaum.

HB BERLIN/DÜSSELDORF. Immer mehr deutsche Manager klagen über Probleme bei der US-Einreise. So sollen Manager von Tengelmann, SAP und Volkswagen, die mit Privatjets angereist waren, teilweise die Order zum Rückflug bekommen haben.

Nach Aussage der amerikanischen Handelskammer Chamber of Commerce in Frankfurt wird die Einreise in die USA zwar zunehmend „mühseliger und lästiger“, Probleme habe es indes nur in Einzelfällen gegeben. „Die Verschärfung der Einreisebestimmungen hat keine Auswirkungen auf die geschäftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA“, behauptet Hauptgeschäftsführer Dierk Müller.

Durch öffentliche Kritik an den USA will offenbar niemand die Geschäftspartner verärgern. Beispiel Bertelsmann: „Die USA bleiben unser wichtigster Markt“, meint ein Konzernsprecher von Europas größtem Medienkonzern. Trotz des sich häufenden Ärgers der Mitarbeiter über Einreiseschikanen zieht Bertelsmann noch keine Konsequenzen und sagt US-Reisen ab. Auch Telefonkonferenzen gebe es nicht mehr als zuvor. „In Osteuropa hat man schließlich noch mehr Ärger.“ Bei Infineon heißt es: „Wir nutzen natürlich Videokonferenzen. Das kann aber den persönlichen Kontakt nicht völlig ersetzen.“ Die Post meldet lediglich, auf veränderte Rahmenbedingungen stellten sich die Mitarbeiter ein, sie kämen gegebenenfalls zwei Stunden früher zum Flughafen.

Die Wissenschaftswelt argumentiert ähnlich. „Die administrativen und bürokratischen Hürden für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit ist mühselig, aber führt nicht zum Abbruch der Beziehungen“, glaubt Ulrich Grothus, Vize-Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

„Die Langfristfolgen sind jedoch unberechenbar“, so Grothus. Der DAAD beobachtet erste Tendenzen zur Verlagerung von Kongressen in andere Länder. Ob Deutschland davon profitieren könnte, ist noch nicht ausgemacht. Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) in Berlin warnt indes davor, dass Deutschland seine Einreisebestimmungen ebenfalls verschärfen könnte: „Das wäre fatal für unsere Messe- und Kongresswirtschaft.“

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