Klaus Regling

Europas Chef-Retter glaubt nicht an Wunder

Klaus Regling ist der neue Chef des Rettungsfonds ESM. Damit hat der Lübecker Volkswirt einen Posten, der in turbulenten Zeiten immer wichtiger wird.
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Nüchterner Retter: Klaus Regling. Quelle: dpa

Nüchterner Retter: Klaus Regling.

(Foto: dpa)

Brüssel/LuxemburgEr ist einer der wichtigsten Männer im europäischen Finanzgeschehen: Klaus Regling. Der Deutsche steht seit Juli 2010 an der Spitze des Luxemburger Rettungsschirms EFSF, der überschuldeten Euro-Staaten mit Notkrediten hilft. Nun wird der 61-Jährige auch Chef des neuen, permanenten Krisenfonds ESM werden, der bald starten soll. Dies ist ein bedeutendes Amt - und die Turbulenzen an den Märkten machen den Posten immer mächtiger.

Der frühere Spitzenbeamte sucht allerdings nicht das Rampenlicht. Regling gilt als nüchtern, sachlich und strukturiert denkend. „Wundermittel gibt es nicht“, lautet sein Credo. In Brüssel schätzen Diplomaten Regling als jemanden, der Schwierigkeiten aus dem Weg räumt.

Der Verfechter einer nachhaltigen Finanzpolitik stammt aus Lübeck und ist ein ausgewiesener Wirtschafts- und Finanzfachmann. 35 Jahre lang hat der gelernte Volkswirt Berufserfahrung im öffentlichen und privaten Sektor gesammelt, bis er an die EFSF-Spitze wechselte.

So arbeitete Regling beim Internationalen Währungsfonds IWF, der am Euro-Krisenmanagement ebenfalls maßgeblich beteiligt ist, und beim Bundesfinanzministerium. In Brüssel war Regling Generaldirektor der Währungsbehörde der EU-Kommission und einer der Hauptverantwortlichen für die Euro-Währung.

Die Abkürzung ESM steht für „Europäischer Stabilitätsmechanismus“. Wie sein Vorgänger, der EFSF, ist der ESM eine Einrichtung der 17 Euro-Staaten - und nicht der EU. Die Krisenfonds geben im Notfall an den Finanzmärkten Anleihen heraus, für welche die Euro-Länder garantieren.

Diese Gelder werden dann als Kredite an bedürftige Staaten verzinst weitergegeben. Bisher profitieren Portugal, Irland und Griechenland von Hilfen, die aus dem EFSF kommen. Spanien und Zypern haben Kredite beantragt.

Noch hat der ESM seine Arbeit nicht aufgenommen. Ursprünglich sollte dies bereits Anfang Juli der Fall sein, doch einige Staaten - darunter Deutschland und Italien - haben den ESM noch nicht gebilligt (ratifiziert). Der ESM wird bis zu 500 Milliarden Euro Kredite ausleihen können.

  • dpa
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9 Kommentare zu "Klaus Regling: Europas Chef-Retter glaubt nicht an Wundermittel"

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  • 2:

    Zu Issing hier auch ein kurzer Passus, der zu denken geben sollte: "Er ist seit 1. Januar 2007 „International Advisor“ der US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs und bereits seit Juni 2006 Präsident des Center for Financial Studies (CFS) an der Universität Frankfurt. Im Oktober 2008 übernahm Issing den Vorsitz einer Expertengruppe, die im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge für eine Reform der internationalen Finanzmärkte erarbeiten sollte. Ihren sechsten und letzten Bericht übergab die Kommission "Neue Finanzmarktarchitektur" der Bundesregierung im November 2011 im Vorfeld des G20-Gipfels in Cannes."



    Vielleicht bin ich auch nur zu sehr argwöhnisch, aber die Zusammenhänge zwischen diesen Personen, die den Regierungen stets beratend zur Seite standen und immer noch stehen, haben natürlich Auswirkungen auf die jetzige Lage und die sieht nun mal nicht rosig aus.

  • ok, um meine Argumente auszuführen, reicht schon ein wenig Internetrecherche: Regling war hauptsächlich mitverantwortlich, dass Deutschland nicht bestraft wurde, nachdem die Regierung Schröder zuerst die Defizitziele übertroffen hatte. Zu Asmussen muss ich nicht weit ausholen. Hier ein Auszug aus Wiki: "Für den Koalitionsvertrag 2005 (CDU-SPD) setzte sich Asmussen unter anderem dafür ein, die Punkte des Abbaus „überflüssige[r] Regulierungen“ und den „Ausbau des Verbriefungsmarktes“ für den Finanzmarkt aufzunehmen.[4]

    Während seiner Zeit als Abteilungsleiter saß Asmussen als Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat der Mittelstandsbank IKB, die im Sommer 2007 infolge der Krise am US-amerikanischen Subprime-Markt in eine Schieflage geraten war und zu deren Rettung die staatseigene Förderbank KfW Milliarden zur Verfügung stellen musste. Asmussen setzte sich dabei massiv dafür ein, die Papiere zu kaufen, die später die Krise der IKB auslösten.[5]

    Außerdem saß er als Vertreter des BMF auch im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Asmussen war des Weiteren Mitglied im Gesellschafterbeirat der Lobbyorganisation True Sale International GmbH (TSI), die sich für die Entwicklung des deutschen Asset Backed Securities-Marktes einsetzt.[6] Probleme mit Asset Backed Securities sind eine der Hauptur
    sachen der Finanzkrise ab 2007."

  • Die Krise an den von Ihnen gennanten Personen festzumachen ist töricht!
    Die Politik wollte nicht auf die Einwände der Volkwirte hören und verschloss sich sämtlichen berichtigten Einwänden!

  • @Aufklaerer: Haben Si irgendein Argument für die Aussage, dass die Herren für die jetztige Krise verantwortlich sind. Musste richtig schmunzeln auch bei Ihren weiteren Zeilen.

    @itstk hinsichtlich Privatsektor: Regling war u.a. in London bei einem Hedgefonds, einige Zeit als freier Berater und an der Uni Singapore tätig.

  • Regling ist zusammen mit Asmussen und Issings für die jetzige Krise verantwortlich. Und nun sitzen die alle irgendwie an den ganz großen Hebeln. Dass diese Leute Monetaristen sind, wundert mich, denn gerade diese Leute haben es in 7 Jahren geschafft, den Euroraum niederzuwirtschaften und die größte Krise zu verursachen. Besonders heikel finde ich dabei Asmussen, der auch mit LoneStar und, was noch viel interessanter ist, Euler Hermes, in Verbindung gebracht wird. Merkt euch diese Namen, die werden bald für eine Weltweites Finanzsaystem und die Finanzversklavung der Menschheit verantwortlich sein.

  • Prima!
    Der ESM ist vom Bundesverfassunggericht noch nicht einmal kritisch gewürdigt worden, aber die Posten sind schon verteilt.
    Also mein Vertrauen ist mit dieser Personalentscheidung nachhaltig gesteigert worden, haben wir nun doch mit Herrn
    Draghi einen ehemaligen Vice President von Goldman Sachs an der Spitze der EZB und mit Herrn Regling flankierend nun einen ehemaligen Hedge-Fond Manager als Leiter des ESM. Einer Institution, welche in ihrem Handeln Immunität ohne Kontrolle durch die Parlamente genießt.
    Da war doch etwas: Ist es nicht auch eine der Hauptaufgaben der EZB die Inflation einzudämmen? Wie geht denn das mit Herrn Draghi´s kürzlichem Geschenk an seine ehemaligen Bänkerkumpel in Form der Leitzinssenkung auf historisches Tiefstniveau zusammen?
    Im Studium, lang ist´s her, habe ich mich u.a. auch mit der sog. "Quantitätsgleichung" beschäftigen müssen. Hieß es da nicht ungefähr: eine Geldmengensteigerung [die Folge, wenn sich Banken dank Niedrigstleitzins günstig frisches Kapital beschaffen können] bewirkt eine Preissteigerung, da die hohe Nachfrage auf ein konstantes Güterangebot stößt. Eine Geldmengeninflation tritt auf.
    Was soll´s: mt dieser "eleganten" Art der Entschuldung des Staates auf Kosten der steuerzahlenden Bürger und Sparer haben wir ja bereits Erfahrung, Stichwort "finanzielle Repression" (z.B. 1929-1933).
    Da war doch noch etwas: Von wegen ehemaliger Hedge-Fonds Manager: sind Hedge-Fonds und die damit einhergehenden Spekulationen mit Kredit auf fallende Kurse ("Leerverkäufe") nach Meinung einiger Politiker nicht mitschuldig an der Banken-Krise? Ging die Spekulation schief, drohte dem Hedge-Fonds aufgrund seiner meist dünnen Eigenkapitalbasis zumeist unmittelbar das Aus. Was soll´s; irgendein Rettungsschirm wird´s schon richten. Flux das Denkmäntelchen "Solidarität gegenüber unseren Europäischen Nachbarn" und Wettbewerbsfähigkeit angezogen und Ruhe ist im Volke.

  • Das blinde Auge der Volkswirtschaftslehre
    Vor mehr als 10 Jahren hat der inzwischen verstorbene Wirtschaftswissenschaftler Horst Siebert, langjähriges Mitglied des Sachverständigenrates, ein erhellendes Buch über große wirtschaftspolitische Irrwege mit dem Titel "Der Kobra-Effekt, Irrwege der Wirtschaftspolitik" geschrieben.
    Auf Seite 27 nennt er die Ursache für die daraus entstanden oft gewaltigen Schäden, die uns allen entstanden sind (Zitat Siebert):
    "Zugrunde lag in allen Fällen eine verfehlte Vorstellung darüber, wie Wirtschaft funktioniert, wie also die grundlegenden Zusammenhänge in einer Volkswirtschaft beschaffen sind. Im Zentrum stand dabei allzu oft eine irrige Idee darüber, wie die Menschen auf wirtschaftspolitische Setzungen in den Rahmenbedingungen reagieren würden."
    Als Psychologe, der über Jahrzehnte Unternehmen, Einrichtungen der öffentlichen Verwaltungen und Universitäten beraten hat und der vor einem halben Jahrhundert selbst Kaufmann war, kann ich ihm nur voll und ganz zustimmen.
    Die Volkswirtschaftslehre beginnt ja erst ganz vorsichtig sich mit den Bestimmungsstücken des menschlichen Verhaltens zu beschäftigen (vgl Prof. Ockenfels, Köln oder sein Kollegen in Bonn). Die viel zu häufig kontraproduktive Wirkung der Wirtschaftspolitik wird aber erst dann verringert werden, wenn sie mehr psychologische Kompetenz berücksichtigt.
    Ein erster Schritt dorthin könnte ein intensiver Gedankenaustausch der Volkswirtschaftslehre mit der Betriebswirtschaftslehre, Abteilung psychologisches Marketing sein, ein zweiter eine Kooperation mit der wissenschaftlichen Psychologie. Dann erst werden ihre Vertreter dazu beitragen, dass wir Bürger die eine oder andere Billion sparen und für sinnvollere Projekte ausgeben können als für ein internationales Zerstörungswerk, das wir gerade miterleben müssen.
    Für Horst Siebert hätten wir, wenn er noch lebte, Material für eine ganze Bücherreihe zum Thema "Zerstörung Europas wegen mangelnder Menschenkenntnis"

  • "35 Jahre lang hat der gelernte Volkswirt Berufserfahrung im öffentlichen und privaten Sektor gesammelt, bis er an die EFSF-Spitze wechselte.

    [...]beim Internationalen Währungsfonds IWF
    [...]beim Bundesfinanzministerium.
    [...]Generaldirektor der Währungsbehörde der EU-Kommission und einer der Hauptverantwortlichen für die Euro-Währung."

    Wo hat Herr Regling im privaten Sektor Erfahrung gesammelt?
    Da hinkt IMHO der Argumentationsfluß des Handelsblatts.

    Außerdem bitte ich um korrektere Wortwahl. Denn VERANTWORTLICH im bürgerlichen Wortsinn ist Herr Regling für gar nichts. ZUSTÄNDIG im Sinne einer Machtquelle allerdings schon.

  • Der ESM ist ein genialer Trick. mit dem es möglich wird die Verluste der Gläubiger/ Investoren zu Verlusten der Steuerzahler der Geberländer der Eurozone zu machen! Gewinner sind dadurch alleine die Gläubiger/ Investoren - alle anderen die Verlierer: Einfach genial!!!

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